Das war 2017: Eric Veiga – der Nationalspieler in der U23

26. Dezember 2017 von
Internationales Kontrastprogramm: Braunschweigs U23-Spieler Eric Veiga. Foto: Frank Vollmer

Braunschweig. Am Sonntag davor saß er Anfang September noch im Länderspiel gegen die „Equipe Tricolore“ auf der Bank. Am Mittwochabend führte Eric Veiga dann das Förderteam von Eintracht Braunschweig eine Halbzeit lang als Mannschaftsführer auf das Feld. Kontrastreicher kann die Woche eines Jungfußballers nicht verlaufen. Eric Veiga über seine verrückte internationale Woche, Luxemburger Gepflogenheiten und sein Debüt gegen Weißrussland.


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Eine Woche wie ein Traum

„Das war schon ein Traum, den ich jetzt in einer Woche erlebt habe“, berichtet Eric Veiga und erklärt: „Luxemburg ist nicht unbedingt die Nation, die oft Punkte in der WM-Quali holt.“ Mit dem Rückenwind eines 1:0-Sieges gegen Weißrussland ging es nach Toulouse. Dort schafften der Braunschweiger Nachwuchsspieler und sein Team das für unmöglich Gehaltene: Sie trotzten Frankreich vor 33.000 Zuschauern ein 0:0 ab. „Dort hat keiner damit gerechnet“, schwärmt Veiga von der Leistung. Zwar kam der 20-Jährige diesmal nicht zum Einsatz, doch das Erlebte ist noch mehr als präsent. „Da sitzt du auf der Bank und Paul Pogba läuft vor deinen Augen entlang. Da kann man sich schon ein paar Dinge abschauen.“

Eric Veiga durchlief seit der U11 die Auswahlteams Luxemburgs. In der U15 spielte er dabei bereits unter dem jetzigen A-Nationaltrainer Luc Holtz. Der 48-Jährige holte den Braunschweiger später in die Nationalmannschaft des Großherzogtums – und das, obwohl der gebürtige Portugiese Veiga zwischenzeitlich für die U18 und U19 seines Heimatlandes spielte. Doch ist Veiga realistisch genug, um einschätzen zu können, dass es dort schwer geworden wäre, in die Seleção zu kommen. Als Trainer Holtz während seiner Leverkusener U19-Zeit anfragte, entschied sich Eric Veiga für Luxemburg. „Auch wenn es ein kleines Land ist, ist dort alles sehr professionell – vom ersten Tag an, nachdem man dort angekommen ist. Das Hotel, die Verpflegung, die Spielkleidung – es ist immer alles top vorbereitet“, zählt der 20-Jährige auf.

„Er macht eine gute Entwicklung durch“, sagt Cheftrainer Torsten Lieberknecht. Foto: Agentur Hübner

Ins kalte Wasser geworfen

Sein Debüt auf internationaler Ebene feierte der Braunschweiger Nachwuchsspieler am 2. September 2016 mit einem neunminütigen Einsatz in einem Freundschaftsspiel gegen Lettland (1:3). Knapp einen Monat später war es dann soweit: Eric Veiga wurde in der WM-Quali gegen Weißrussland von Luc Holtz ins kalte Wasser geworfen. Als sich Marvin Martins zehn Minuten vor der Pause verletzte, schickte der Trainer Veiga zum Aufwärmen. „Ich war überhaupt nicht vorbereitet“, gesteht Veiga. „Dort waren Minus 3°C. Wir saßen mit fünf Decken auf der Bank. Auf einmal ist ein Mitspieler verletzt und der Trainer schickt mich zum Aufwärmen. Nach nicht einmal zwei Minuten hat er mich zurückgerufen und gesagt: ‚Mach dich fertig.‘ Da habe ich Druck verspürt und war auch aufgeregt.“ Auf einmal spielte Veiga gegen den Ex-Stuttgarter Internationalen Alexander Hleb.

Luxemburg hielt sich gut. Trotz einer Roten Karte noch vor dem Pausenpfiff ließen die Rot-Weißen lange Zeit nichts zu. Mittendrin Eric Veiga. Dann traf Pavel Savitskiy für die Weißrussen (80.), doch Aurélien Joachim antwortete und versenkte einen Freistoß direkt (85.). Am Ende blieb es beim 1:1. „Vom kämpferischen und läuferischen her habe ich alles gezeigt, was der Trainer wollte“, grinst er. „Er hat mir auch nach dem Spiel gratuliert.“ Auch Onkel José Veiga rief an. und gratulierte. Der berühmte Ex-Sportdirektor von Benfica Lissabon und ehemaliger Berater der portugisischen Fußball-Legende Luis Figo. „Er hat gesagt, ich soll weiter machen und dran bleiben“, erinnert sich Eric Veiga.

„Das 0:0 gegen Frankreich ist eine super Erfahrung für ihn. Man sieht auch da wieder: Es gibt Ergebnisse, mit denen keiner rechnet. Luxemburg holt einen Punkt gegen Frankreich. Luxemburg hat in den letzten Jahren immer mal wieder gute Resultate geholt. Das ließ sehr aufhorchen. Eric ist da mit dabei und er macht eine gute Entwicklung durch.“ Torsten Lieberknecht, Cheftrainer Eintracht Braunschweig

Mittwochabend als Kapitän des Förderteams. Foto: Frank Vollmer

Nichts ist unmöglich

Mittlerweile hat Luxemburg immer wieder für Überraschungen gesorgt. „Es ist nicht mehr wie früher, dass wir stets 0:5 verlieren und kein Tor erzielen“, freut sich Veiga. „Holland und Frankreich haben es schon schwer gegen uns.“ Es mache jetzt Spaß, Luxemburg zuzuschauen. „Vor Luc Holtz hat Luxemburg weniger Fußball gespielt. Da haben sie meiner Meinung nur defensiv trainiert. Jetzt will der Trainer auch, dass wir Fußball spielen und den Ball nicht einfach nach vorne schlagen und auf Glück hoffen“, verrät der Linksfuß. Da in Luxemburg wachse etwas zusammen. „Ich hoffe, dass diese Mannschaft in ein paar Jahren auch die EM-Endrunde erreichen kann. Die Qualität im Team wird immer besser“, sagt Veiga, der hofft, im nächsten Trainingslager den Trainer davon zu überzeugen, ihm in den letzten beiden Qualifikationsspielen gegen Bulgarien daheim und in Schweden Spielzeit zu geben. Und dann? „Ich erhoffe mir, dass ich irgendwann Stammspieler werde.“

Auch in Braunschweig fühlt sich Eric Veiga wohl – „seit dem ersten Tag“, wie er sagt. „Hier passt alles, es ist sehr familiär.“ Auch deshalb habe er sehr gerne im Sommer für weitere zwei Jahre unterschrieben. Sein Traum vom Fußballprofi lebt. Schritt für Schritt. „Vielleicht darf ich irgendwann einmal in der 1. Mannschaft von Eintracht Braunschweig in der 2. Liga debütieren“, träumt Eric Veiga. Sein Werdegang zeigt, dass nichts unmöglich ist.

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