FTB-Coach Olzem: „Von der Qualität meiner Jungs überzeugt“

19. April 2017 von
Glaubt zu einhundert Prozent an den Klassenerhalt seiner Mannschaft: Trainer der FT Braunschweig, Kai Olzem. Foto: Frank Vollmer

Braunschweig. Die Spannung erreicht 5 Spieltage vor dem Ende der Oberliga Niedersachsen ihren Höhepunkt. Die halbe Liga steckt im Abstiegskampf, jeder Punkt, jedes Tor kann entscheidend sein. Vor dem Saisonfinale und fast genau nach einem Jahr im Amt, haben wir uns mit Freie Turner-Coach Kai Olzem unterhalten.


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„Jedes Spiel ein Endspiel“

Kai Olzem, Platz 13 und 8 trennen nur sechs Punkte, die halbe Oberliga Niedersachsen steckt im Abstiegskampf. Ist diese Ausgeglichenheit der Liga für Sie überraschend? Nein, ich habe das letztes Jahr auch schon so kennengelernt. Damals hat es mich aber überrascht. Es agieren einfach ganz viele Mannschaften auf einem ähnlichem Niveau. Außerdem ist es bei 16 Mannschaften und vier Absteigern fast zwangsläufig so, dass die halbe Liga gegen den Abstieg spielt. 

Sie stehen aktuell auf dem 12. Tabellenplatz und sind mit 28 Zählern punktgleich mit dem 13. Rang, dem ersten Abstiegsplatz. Wo sehen Sie die Gründe für die bisherige Punkte-Ausbeute? Liegt es an zu vielen Verletzungen, unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen, wie am Ostermontag gegen Cloppenburg, als man in der 90. Minute durch einen Strafstoß den Ausgleich kassierte? Oder an der Qualität? Ich denke, die geringe Punkte-Ausbeute ist ein Ergebnis all dieser Punkte. Natürlich ist es so, dass wir es nicht geschafft haben, die ganze Saison über konstante Leistungen zu bringen. Das hat damit zu tun, dass wir beinahe jede Woche durch tauschen müssen. Es ist nicht so, dass wir die große Rotation ausgerufen haben, wir waren dazu gezwungen, wichtige Leute immer wieder zu ersetzen. Ich denke da vor allem an die Viererkette und die Sechser, die eigentlich eine feste Achse sein sollten. Die Stabilität geht verloren und Automatismen greifen nicht. Ich bin kein Freund davon, den Schiedsrichtern Schuld zuzuweisen, aber die Häufigkeit von spielentscheidenden Fehlentscheidungen zu unseren Ungunsten ist auch ein Grund. Einige Spieler müssen sich auch mit Sicherheit noch an das Oberliga-Niveau anpassen. Es ist also mit Sicherheit auch eine Qualitätsfrage.

Geht gern vorne weg: Kai Olzem. Foto: Vollmer/Archiv

„Wir haben es selbst in der Hand“

Sie sind seit Ende März 2016 im Amt. In gut einem Jahr haben sie 35 Spieler eingesetzt. Fehlt da etwas die Kontinuität und die Möglichkeit, sich einspielen zu können, sodass Automatismen greifen? 35 Spieler in der kurzen Zeit einzusetzen ist schon sehr ungewöhnlich. Das kommt normalerweise nur bei zweiten Mannschaften so vor, weil sie Spieler aus der A- Jugend integrieren und aus dem ersten Team welche herunterkommen. Uns waren aber die Hände gebunden, wie schon erwähnt. Wir konnten nicht anders. Das hat natürlich nicht dazu beigetragen, Sicherheit in das Spiel hineinzukriegen oder als Spieler sich selbst welche zu holen. Jede Woche müssen sich die Jungs an eine neue Formation oder ein neues System gewöhnen. Auf dem Niveau spielen natürlich Automatismen und Abstimmungen eine große Rolle.

Es sind noch fünf Spiele ausstehend. Die Gegner lauten SC Spelle-Venhaus (H), VfL Osnabrück II (A), SSV Jeddeloh (H), Heeslinger SC (A) und HSC Hannover (H). Wie schätzen Sie ihre Chancen auf den Klassenerhalt und in den einzelnen Spielen ein? Mit welchen Mitteln wollen Sie die erreichen, wie bereiten Sie sich vor? Ich schätze unsere Chancen immer noch ganz gut ein. Wir haben ein Ass im Ärmel: Wir haben es selbst in der Hand. Wir sind von niemandem abhängig. Das ist sehr positiv. Die Stärke der Gegner ist nicht ohne. Aber wir wissen, wie es geht. In der letzten Saison, als ich die letzten sieben Spiele übernommen habe, haben wir gegen die Top-5 der Liga gespielt und mussten auch die 14 Punkte, die wir eingefahren haben, wirklich holen. Wir müssen von Spiel zu Spiel gucken und jedes Spiel als ein Endspiel sehen.

Wir analysieren die Gegner und versuchen den Jungs dann Lösungen an die Hand zu geben, um erfolgreich zu sein. Wir waren zwar die ganze Zeit schon im Abstiegskampf, aber immer zwei bis drei Plätze über dem Strich. Ich glaube das hat nicht dazu beigetragen, dass man die Sinne richtig schärft. Jetzt sind wirklich alle wach und das hat auch die Leistung gegen Cloppenburg gezeigt. Die letzten Spiele wird es extrem auf die Mentalität ankommen. Wenn die stimmt, kannst du jedem Gegner dieser Liga gefährlich werden. Das bestätigen auch die Ergebnisse der Liga. Ich glaube, dass wir die nötigen Punkte definitiv noch einfahren werden.

Einstand geglückt: Olzem legte im Vorjahr einen Traumstart hin. Foto: Vollmer

„Zusagen gelten auch für die Landesliga“

Haben Sie sich ein Punkte-Ziel für die letzten Spiele gesetzt? Bei den direkten Konkurrenten musst du natürlich punkten, am besten dreifach, wenn du in der Liga bleiben willst. Aber ich habe mir oder der Mannschaft kein bestimmtes Punkte-Ziel gesetzt. Dafür ist die Liga auch zu unberechenbar. Es kann sein, dass man mit fünf Punkten drin bleibt, es kann aber auch sein, dass man noch zehn braucht. In der Vergangenheit habe ich oft den Fehler gemacht, dass ich mir die nächsten fünf bis sechs Spiele angeguckt und ein Punkte-Ziel gesetzt habe. Damit bin ich nicht so gut gefahren und deshalb habe ich davon Abstand genommen und gucke nur noch von Spiel zu Spiel.

Planen Sie zweigleisig, was die Spieler, die Liga und das Budget angeht? Ja, müssen wir. Es wäre fahrlässig, wenn wir nur von Plan A ausgehen. Wir haben selbstverständlich auch einen Plan B, den möchten wir aber nicht aus der Schublade holen. Wir versuchen das von den Jungs fernzuhalten, damit es sie nicht hemmt. Aber wir Verantwortliche haben natürlich das Szenario auch im Kopf. Alle Zusagen der Spieler für die kommende Saison gelten auch für die Landesliga.

Glauben Sie an den Klassenerhalt, sind Sie optimistisch? Ja, zu 100 Prozent. Ich bin von der Qualität meiner Mannschaft überzeugt und auch davon, dass sie einen guten Charakter hat. Gerade die letzten Wochen zeigte mein Team eine tolle Mentalität. Einzige Ausnahme war das Uphusen-Spiel. Das war ein Schuss vor den Bug, vielleicht zur richtigen Zeit. Wir spielen eine ganz gute Rückrunde seit der Winterpause. Gerade in puncto Konzentration, Leistungsbereitschaft und Teamgeist haben wir nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. 

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