Karate – Murmeln 11: Kumbela zwischen Messias und Judas

6. Januar 2016
Er ist wieder da. Foto: Frank Vollmer

Braunschweig. Sein letzter Treffer ist fast ein Jahr her. Am 11. Februar 2015 erzielte Domi Kumbela in der zweiten Minute des Achtelfinalspiels seines Klubs Karabükspor gegen Mersin das frühe 1:0 (Endstand 2:4 n.V.). Eine lange Zeit für einen Stürmer.


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Zu Domis Verteidigung muss man aber sagen, dass er seitdem kaum gespielt hat. In der Türkei geriet die ehemalige Braunschweiger Torfabrik bald danach aufs Abstellgleis – sechs Partien spielte Kumbela noch nach dem Pokalaus, die letzte am 20.03.15 gegen Konyaspor. Sechs Partien waren es auch, die der Neu-Alt-Eintrachtstürmer in der Hinrunde für die SpVgg (Greuther) Fürth ablieferte. Ein Tor wollte Domi dabei nicht gelingen. Angesichts einer Gesamtspielzeit von knapp mehr als 180 Minuten ist das aber nicht ganz so ungewöhnlich. Trotzdem: Das Jahr 2015 wird Kumbela wahrscheinlich gern vergessen wollen. Es war ganz klar nicht sein Jahr.

Jetzt ist Kumbela wieder zurück bei der Eintracht. Und wird von Teilen der Fans gefeiert, als käme der Messias zurück aus dem Urlaub. Wenn man die Kommentare dieser Anhänger in den sozialen Medien liest, hat man nicht das Gefühl, dass hier ein 31jähriger verletzungsanfälliger Fußballer ohne Wettkampfpraxis gezeichnet wurde. Nein, Kumbela wird sofort einschlagen. Und da weitermachen, wo er aufgehört hat. Und genau das ist das Problem, das andere mit dieser Neuverpflichtung haben. Wo er aufgehört hat bei Eintracht, das waren in der Schlussphase der Bundesligasaison 13/14 ganz schwache Spiele. Die letzte Partie, bei der Kumbela überzeugte, war das 3:0 gegen Hannover 96 am 29. Spieltag. Auf die plötzlich aufkeimende Hoffnung auf den Klassenerhalt folgten fünf Niederlagen am Stück, ohne Treffer. Kumbela lief bei vier dieser Partien auf, in den letzten drei von Anfang an. Und es war ernüchternd.

Dritter Anlauf. Foto: Agentur Hübner

Dritter Anlauf. Foto: Agentur Hübner

Genau an diese Phase erinnern sich andere Teile der Fanszene sehr gut. Auch an die Hängepartie nach dem feststehenden Abstieg, als der Verein – und auch die Fans – von Kumbela ein Bekenntnis zur Eintracht erwarteten. Es kam anders, der Stürmer schlug das Braunschweiger Vertragsangebot aus und schloss sich einem namenlosen türkischen Erstligisten an. Wenn man nur die finanzielle Seite betrachtet, war dieser Schritt sicher nicht falsch, denn Karabükspor zahlte sicher mehr, als Eintracht es in der 2. Bundesliga getan hätte. Aber es war ein Abgang mit vielen Fragezeichen. Nicht wenige spekulierten damals, Kumbela wäre die letzten Bundesligaspiele mit angezogener Handbremse aufgelaufen, weil er im Falle eines Abstiegs ablösefrei würde wechseln können. Ende Februar 2014 war die entsprechende Klausel ziemlich unvermittelt bekannt geworden. Erinnerungen an Kingsley Onuegbu wurden wach.

Der heutige Duisburger hatte frühzeitig einen Vertrag bei der SpVgg (Greuther) Fürth unterschrieben, der aber nur im Falle eines Nichtaufstiegs der Eintracht gegriffen hätte. Am 37. Spieltag stand Eintracht als Tabellendritter aber plötzlich vor der überraschenden Möglichkeit, noch auf die Aufstiegsplätze zu hüpfen. Voraussetzung: Ein Sieg bei Tabellenführer Erzgebirge Aue. Eintracht verlor mit 1:2, und Onuegbus Leistung an diesem Tag schürte die Gerüchte, dass der Stürmer vielleicht nicht alles gegeben haben könnte. Ob es bei Kumbela so ablief, werden wir voraussichtlich nie erfahren. Was wir aber wissen ist, dass Domi zum dritten Mal einen Vertrag bei der Eintracht unterschrieben hat und voraussichtlich bis 2017 das blaugelbe Trikot anziehen wird. Sportlich ist es ein Deal mit Risiko, denn Kumbela ist nicht fit und ihm fehlt die Spielpraxis. Auf der anderen Seite braucht er wohl kaum Eingewöhnungszeit, wie auch Manager Marc Arnold betonte. Kumbela kennt Eintracht, und er hat heute nicht verpasst zu erzählen, dass er „Braunschweig immer im Kopf“ gehabt habe und dass ein kleiner Traum wahr werde. Ob das auch für Trainer Torsten Lieberknecht gilt, wird sich zeigen. Der hatte noch anfangs der Saison vehement abgewunken, als es hieß, Kumbela sei wieder auf dem Markt. Auch aus anderen Teilen des Vereins hört man Stimmen, die weniger begeistert sind. Er ist also schmal, der Grat zwischen Messias und Judas.

Till

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Dies ist eine Kolumne von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

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