Karate – Murmeln 13: Negativer Klassenerhalt …

27. Januar 2016
Alles drin: Von Karate bis Murmeln. Teil 13. Foto: privat

… statt Hoffnung Winterpause. Still und starr ruht der Ball. Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Denn schon seit Anfang Januar befindet sich Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig in der Vorbereitung auf die Rückrunde, die am siebten Februar mit der Auswärtspartie der Löwen beim Tabellenführer in Leipzig beginnt.


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Schlappe vier Punkte trennen die Eintracht nach einer trotz einiger durchwachsener Auftritte doch irgendwie befriedigenden Hinrunde vom Relegationsplatz. Es ist also noch alles drin. Die direkten Promotionsplätze sind zwar schon ein paar Zähler entfernt. Aber den ersehnten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga über den Umweg der Spiele gegen den Erstliga-16. zu schaffen, das ist eine reizvolle Vorstellung. Zwei Matches Alles oder Nichts, vielleicht sogar gegen den Erzrivalen aus Hannover oder den SV Werder? Mit der dadurch entstehenden Spannung könnte man ganze Kleinstaaten mit Elektrizität versorgen!

Das erste Spiel nach der Pause, ausgerechnet beim Ligaprimus, hat da eine große Signalwirkung. Wenn Eintracht eine realistische Chance auf den Aufstieg wahren will, muss in der Heldenstadt gepunktet werden. Am besten dreifach. Das soll anscheinend mit dem beinahe identischen Kader der Hinrunde gelingen. Mit der Mannschaft also, die bisher sportlich doch häufig hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist und die lediglich davon profitiert, dass die Konkurrenten aus Nürnberg und Hamburg auch gern mal patzten. Denn mit acht Siegen, fünf Remis und sechs Niederlagen ist man keine Spitzenmannschaft. Das ist gesichertes, oberes Mittelfeld.

Die sportliche Führung hat sich auf dem Transfermarkt in guter, neuer Eintracht-Tradition merklich zurückgehalten. Mit Domi Kumbela wurde ein alter Bekannter zurückgeholt, mal wieder. Ob die ehemalige Torfabrik, die in den eineinhalb Jahren seit dem vorerst letzten Abschied aus Braunschweig nicht allzu viele Möglichkeiten hatte, ihre Klasse zu beweisen, aber für die nötigen Treffer im Aufstiegskampf sorgen kann? Schaun mer mal, frei nach Kaiser Franz. Ansonsten blieb es ruhig. Mads Hvilsom, erst im Sommer für eine halbe Million Euro verpflichtet, wurde nach Norwegen verliehen. Die Laufzeit der Leihe von eineinhalb Jahren wirkt wie das Eingeständnis eines Fehleinkaufs. Und für die Zwoote wurden zwei Talente getestet, von denen mit Stefan Valentini eines verpflichtet wurde. Außerdem wollte man einen 19jährigen Innenverteidiger vom viertklassigen VfB Oldenburg zur Eintracht holen, das scheiterte aber am Veto der Huntestädter.

Der unbedingte Wille zum Aufstieg, das Signal zur Attacke, sieht sicher anders aus. Natürlich, eine Garantie, dass neue Spieler auch einschlagen, gibt es nicht. Wir denken da zum Beispiel und mit Grausen an Task-Force-Zeiten zurück. Diese Zeiten des blinden Aktionismus sind zum Glück vorbei. Eintracht handelt besonnen und gibt keine vorzeitigen Wasserstandsmeldungen ab. Das ist wohltuend professionell. Dazu kommt, dass der Spielermarkt nicht erst seit der Fernsehgeld-Inflation in England überhitzt wirkt. Da wechseln mittemäßige Spieler für Millionensummen den Arbeitgeber, mutmaßliche Talente werden zu unvorstellbaren Phantasiepreisen gehandelt.

Dass die Eintracht da nicht mitspielen kann und es auch nicht will, ist verständlich. Spieler, die dem Team sofort weiterhelfen, sind also schwer zu finden. Und wenn man nichts zu verkünden hat, schweigt man bei Eintracht nun mal. Für die treuen Fans aber ist diese Ruhe schwer zu ertragen. Man sehnt sich nach der Hoffnung, dass der BTSV es doch noch einmal wissen will. Dass man die Schwachstellen des oft launisch agierenden Teams erkannt hat und sich mit sinnvollen Neuverpflichtungen an die Optimierung macht. Und: dass Platz drei das Ziel ist, vielleicht sogar mehr.

Die Hoffnung auf die Aufholjagd ist die Währung, die Eintracht auch in der Rückrunde auf ein volles Stadion und ordentliche Fanartikelverkäufe hoffen lassen darf. Diese Hoffnung aber wird aktuell nicht erfüllt und auch nicht befeuert. Wenn es so etwas wie einen negativen Klassenerhalt gibt, dann ist es das, was die Anhänger befürchten. Die Diskussionen in den sozialen Netzwerken zeigen dann auch häufig in diese Richtung: Eintracht fühlt sich wohl, Platz fünf reicht aus. Bevor man ein Risiko eingeht, spielt man lieber die sicheren Karten aus. Sympathisch, wenn man sich an gar nicht so lange zurückliegende chaotische Zeiten erinnert. Schade, wenn man Fan ist und hofft, dass die Eintracht in diesem Sommer zurück ins eigene Wohnzimmer Bundesliga kommt. In eineinhalb Wochen geht die Liga wieder los. Mit einem Sieg in Leipzig wird die Euphorie rund ums Eintracht-Stadion riesig sein. Und selbst, wenn es diese Saison nur für einen Platz im oberen Mittelfeld reicht, in der kommenden Spielzeit wird die Zielsetzung der Aufstieg sein müssen. Dann befindet man sich im dritten Jahr nach dem Bundesligaabstieg. Zeit genug fürs Anlaufnehmen.

Till

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Dies ist eine Kolumne von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

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