Karate – Murmeln 15: Rot, gelb, grün: Italien macht die Ampel voll

10. Februar 2016
Ampelkarten sind auch nicht mehr was mal waren. Foto: Vollmer
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Wer bei der grünen Karte an einen Autounfall im Ausland denkt, hat die letzte Regel-Revolution aus Italien noch nicht mitbekommen. Der italienische Fußballverband testet seit Jahresbeginn in seiner zweiten Liga eine dritte Kartenfarbe: Die grüne. Sie ist eine Art Tugend-Karte. Sie bekommt gezeigt, wer sich ganz toll benommen hat auf dem Platz. Wer also einem Gegner bei Verletzung aufhilft oder zugibt, zuletzt am Ball gewesen zu sein, sieht dort zukünftig grün, die Fairplay-Karte.


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Belohnung statt Bestrafung. Der Griff des Schiris an seine Brusttasche müsste zukünftig also nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten – würde die grüne Karte während des Spiels verteilt und nicht erst danach. Im Stadion wird sie also kein Zuschauer je im Einsatz sehen. Diese Zeitverzögerung hat allerdings handfeste Gründe. Denn, um eine grüne Karte in den Spielverlauf zu integrieren, müsste das Regelwerk geändert werden. Und das kann ein nationaler Verband nur mit Zustimmung der FIFA, die bisher wenig flexibel auf Änderungswünsche ihrer Mitglieder reagierte. Ein Beispiel: Der Deutsche Fußball-Bund würde auf Amateurebene nur zu gern die Zeitstrafen wieder einführen, um erhitzten Gemütern die Möglichkeit zu geben sich abzukühlen. Man verspricht sich von dieser Maßnahme ruhigere Spiele und weniger Platzverweise. Und wirklich, im Jugendfußball, wo es die Zeitstrafen noch gibt, funktioniert es wunderbar. Rote Karten gibt es hier deutlich seltener als im Seniorenbereich. Die FIFA allerdings bügelt die deutschen Bemühungen seit Jahren ab. Ein italienischer Vorstoß für eine grüne Karte hätte also wenig Chancen, vom Weltfußballverband akzeptiert zu werden.

Die grüne Karte ist also eine rein symbolische Angelegenheit, die keinerlei Einfluss hat auf das Spielgeschehen. Einmal im Monat will man jetzt den fairsten Spieler auszeichnen. Die Italiener erhoffen sich dadurch einen Imagegewinn, ging es doch gerade in ihrer zweiten Liga oft wenig sanft zur Sache. In Jugendligen habe sich die grüne Karte bereits bewährt, begründet der italienische Fußballverband seine Entscheidung, und liefert damit unbewusst gleich ein starkes Argument für die Kritiker der Fairplay-Karte. Denn, während die Schiedsrichter im Jugendfußball durchaus auch als Erziehungsregulativ angesehen werden können, fällt ihnen diese Aufgabe im Herrenbereich nun wirklich nicht mehr zu. Hier sollen sie das Spiel den Regeln entsprechend leiten und Fehlverhalten ahnden. Ein Erziehungsauftrag ist nicht vorgesehen und ist auch schwer zu vermitteln. Und man muss kein Prophet sein , wenn man behauptet: Da die grüne Karte weder Punkte bringt noch kostet, wird sie ein Papiertiger bleiben.

Till

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Dies ist eine Kolumne von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion

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