Kuhn kämpft sich ins Finale – Galovic zieht nach

14. Juli 2017 von
Körperlich am Limit: Nicola Kuhn machte es spannend, steht am Samstag in seinem ersten Finale im Männerbereich. Fotos: Moritz Eden
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Braunschweig. Die 24. Auflage der Sparkassen Open wird am morgigen Samstag seinen Gewinner krönen. Die Kandidaten auf den Thron: der 17-jährige Qualifikant Nicola Kuhn und der Kroate Viktor Galovic.


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Der Traum vom Titel

„Das Märchen von Braunschweig geht weiter“, sprach Moderator Oliver Seidler kurz nach dem nächsten Erfolg von Nicola Kuhn in sein Mikrofon. Als aktuelle Nummer 501 der Weltrangliste darf der Spanier, der vor zwei Jahren noch für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft spielte, nun von seinem ersten Titel als Profispieler träumen.

Zwei Stunden und 25 Minuten hatte es gedauert bis der emotionale Kuhn auf den Boden sank und seinen Siegesschrei endlich loslassen konnte. Der in der Weltrangliste 392 Plätze höher platzierte Gegner Marton Fucsovics aus Ungarn forderte dem Youngster alles ab – und Kuhn lieferte.

Fucsovics variabler, Kuhn effektiv

Von Minute eins an ging es hin und her auf dem Centre Court, Kuhn und Fucsovics nahmen sich in schöner Regelmäßigkeit gegenseitig die Aufschlagspiele ab. Der Ungarn überzeugte mit der variableren Spielanlage, streute hier und da auch einen Slice oder einen Stop ein, während der gebürtige Innsbrucker versuchte, das Spiel auf seine starke Rückhand zu lenken. In den entscheidenden Momenten war Kuhn mit seinem besten Tennis zur Stelle und schaffte das Break zum 6:5, das die Vorentscheidung im ersten Satz bedeuten sollte.

In Durchgang zwei war Nicola Kuhn der dominante Spieler, Fucsovics versuchte es gar mit einem Schlägerwechsel – helfen wollte auch das lange nicht. Einen klasse Passierball von Kuhn zum 4:2-Zwischenstand honorierten die Zuschauer mit lautem Applaus und vereinzelten „Nicola, du bist spitze“-Rufen. Der Schlag markierte jedoch die Kehrtwende in diesem Satz. Marton Fucsovics schien durch das Publikum und die emotionalen Anfeuerungen Kuhns nochmal neue Motivation gezogen zu haben. So kam der Budapester nochmal stark auf und entschied die folgenden vier Spiele für sich – Ausgleich in den Sätzen.

Wille stärker als der Schmerz

Der finale Satz versprach insbesondere für Kuhn zum Kraftakt zu werden, da er bereits gestern zweimal über drei Sätze gehen musste. Würden seine Kräfte reichen nach den Krämpfen des gestrigen Tages? Nach einem frühen Break zum 2:1 musste der 17-Jährige zwar einen Physiotherapeuten in Anspruch nehmen, doch am Ende hatten sich alle Mühen ausgezahlt.

Der Wille des Spaniers, der oft mit dem des großen Novak Djokovic verglichen wird, war größer als die Schmerzen in den Beinen. Nach dem entscheidenden Schlag zum 6:4 kannte der Jubel bei Spieler und Publikum keine Grenzen, die ihren neuen Liebling morgen auch auf dem finalen Schritt unterstützten werden.

Viktor Galovic steht ebenfalls im Finale. Foto: Moritz Eden

„Das erste Mal“ oder „der zweite Streich“?

Im Endspiel wird Kuhn auf den Kroaten Viktor Galovic, Nummer 491 der Welt, treffen. Der Wahl-Italiener besiegte den Kölner Oscar Otte in drei Sätzen (4:6, 7:6 (2), 6:1) und hat die Chance sein zweites Challenger-Turnier innerhalb von sechs Tagen zu gewinnen. Am vergangenen Sonntag bezwang er Mirza Basic im Finale von Recanati (Italien) glatt in zwei Sätzen.

Über die volle Distanz ging es dagegen am heutigen Spätnachmittag. Otte konnte den ersten Satz mit gutem Tennis für sich entscheiden und hatte im zweiten Satz beim Stand von 5:4 sowie 6:5 bereits die Möglichkeit, den Finaleinzug zu fixieren. Galovic blieb hartknäckig und befreite sich, sodass der zweite Satz noch mit 7:6 an den Mann vom Balkan ging. Damit nicht genug: Otte schien völlig den Faden verloren zu haben und konnte nur noch ein Spiel holen, Galovic hingegen marschierte mit 6:1 unaufhaltsam ins Finale.

Dort möchte der Kroate Nicola Kuhn seinen ersten Titel bei einem Challenger streitig machen. Mit entscheidend wird sein, welcher der Spieler es schafft, besser zu regenerieren und fitter in die Partie zu gehen. Doch wie Kuhn heute allen wieder einmal bewies: Der Wille kann Berge versetzen und dürfte auch morgen zum Faktor werden. Fest steht unabhängig des Finalausgangs: Nicola Kuhn ist schon jetzt der Sieger der Herzen in Braunschweig.
 

 

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