Reichels Last-Minute-Hammer ringt Heidenheim nieder

17. März 2017 von
Große Moral: Mirko Boland (Mitte), Joe Baffo (links), Gustav Valsvik (Mitte hinten) und Ken Reichel bejubeln den Ausgleich zum 1:1. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig. Frühe Rückstände? Bei Eintracht Braunschweig haben die in den letzten Wochen Methode. Einmal mehr lag das Team von Torsten Lieberknecht früh zurück, kam doppelt wieder und drehte das Spiel gegen den 1. FC Heidenheim auf 3:2 (1:1). Wie schon in Düsseldorf Hernández, packte Ken Reichel ganz spät einen phänomenalen Dampfhammer aus und sorgte für den ersten Heimsieg der Rückrunde.


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Zum dritten Mal in Folge einen Rückstand gedreht

Von Interesse ist in solchen Momenten eigentlich immer nur die entsprechende Reaktion. Eintracht Braunschweig antwortete an diesem 25. Spieltag mit einer unbändigen Moral – dem Tier in ihrem Vereinswappen gleich. Bis auf Joe Baffo für den verletzten Correia in der Düsseldorfer Startelf, verschliefen die Gastgeber erneut den Spielbeginn, kamen dann aber noch vor der Pause zurück. 

Schon die schwache Rückgabe nach wenigen Sekunden erlief sich Denis Thomalla, der für Tim Kleindienst in die Heidenheimer Startelf gerückt war, schoss aber deutlich daneben. Die Gästeführung fiel dennoch, als Marc Schnatterer aus 22 Metern und zentraler Position traf (3.). Kurz drauf köpfte Arne Feick eine Ecke in die Arme von Jasmin Fejzic (5.).

Die Löwen kamen auf Betriebstemperatur. Nach einer Ecke köpfte Gustav Valsvik knapp am rechten Pfosten vorbei (11.). Die Hausherren spielten sich schöne Möglichkeiten heraus. Mirko Boland setzte Christoffer Nyman von links aus in Szene, der nur knapp vergab (17.). Auf der anderen Seite vergab der starke Schnatterer an Fejzic das 0:2 (24.). Heidenheim sollte sich als harte Aufgabe für die Lieberknecht-Elf erweisen.

Boland unter die Latte. Foto: Agentur Hübner

Boland nutzt die Chance zum Ausgleich

Eintracht Braunschweig drückte weiter und bekam Angebote. Eine schlechte Rückgabe zu Heidenheim-Schlussmann Müller wurde fast zum Bumerang, als Ken Reichel dessen Grätsche auf das verwaiste Tor flankte, Nyman aber zu klein war (26.). Keine drei Minuten später spielten Reichel und Hernández gemeinsam linksaußen, die flache Hereingabe klärte Wahl zurück zu Reichel, der in die Mitte zu Zuck köpfte. Dessen Seitfallzieher strich über das Tordach (29.). 

Es folgte der verdiente Ausgleich. Wieder war der emsige Zuck beteiligt, dessen Flanke Boland fand. Der Mittelfeldspieler hatte Platz und hielt das Bein hinein. Der Ball sprang spektakulär an die Unterkante der Latte und von dort aus ins Tor (33.). Kurz darauf zog der Braunschweiger Torschütze ab und traf Wahls Arm. Schiedsrichter Siewer winkte ab (35.).

„Ich bin noch zu sehr geflasht von dem ganzen Drumherum, um die richtigen Worte zu finden.“ Torsten Lieberknecht nach Spielende

Schnatterer-Ausfall hemmt Heidenheim

Auch nach dem Seitenwechsel sahen die 20.000 Zuschauer im Eintracht-Stadion eine Partie auf des Messers Schneide. Beide Teams standen jetzt etwas weiter auseinander. Heidenheim suchte stets schnell den Abschluss. Dem ersten Schuss von Schnatterer – sichere Beute für Fejzic – folgte eine Szene in der die Hausherren Glück hatten, als Griesbeck sich über rechts durchsetzte, Thomalla den Querpass aber zu hektisch über das Tor drosch (60.). 

Das Spiel flachte etwas ab, Lieberknecht reagierte und brachte Kumbela und Khelifi im Doppelpack für Zuck und Abdullahi. Bei den Gästen musste Schnatterer verletzt raus, für den Spielmacher kam Tim Kleindienst. Dieser spezielle Ausfall setzte der Mannschaft von Frank Schmidt deutlich zu. In der Folge stellte sich Heidenheim immer mehr hinten rein. 

Zwei Mal jubelte Heidenheim, verlor aber. Foto: Agentur Hübner

Khelifi bügelt seinen Foulelfmeter aus

Erneut gerieten die Blau-Gelben ins Hintertreffen. Der eingewechselte Salim Khelifi foulte Skarke im Braunschweiger Strafraum, als er zu spät kam. Siewers zeigte auf den Punkt. Arne Feick lief an und verwandelte den Foulelfmeter zur erneuten Heidenheimer Führung (73.). Lieberknecht warf mit Julius Biada seine letzte Trumpfkarte in die Partie (75.), doch war es Khelifi selbst, der seinen Lapsus ausbügelte. Der verdeckte Schuss von Biada wurde noch geblockt. Khelifi dribbelte sich im Gewühl mit dem zweiten Ball nach links durch und bediente kurz Nyman, der den Ball eiskalt über die Linie beförderte (79.). 

„Ken Reichel? Der schießt nur schöne Tore seit ich hier bin. Mein Treffer heute war aber auch sehr wichtig und ich bin froh dem Team so helfen zu können.“ Christoffer Nyman

Reichel mit dem Tor des Monats

Der Wahnsinn folgte gegen Spielende. Sah der Schiedsrichter bei Nyman noch ein Handspiel und pfiff dessen Treffer ab, war es Linksverteidiger Ken Reichel, der das Spiel gänzlich auf den Kopf stellte. In der Nachspielzeit zog Reichel ab, wurde geblockt und bekam den 2. Versuch. Sein strammer Linksschuss zappelte rechts im Tornetz – ein absolutes Traumtor und der Siegtreffer zum 3:2 (90. +3). 

„Wir sind nach dem Düsseldorf-Spiel heute wieder mit dem Lucky-Punch belohnt wurden“ verglich ein glücklicher Torsten Lieberknecht nach dem Spielende. „Aber heute hat man das auch gespürt, dass die ganze Mannschaft den Sieg unbedingt wollte.“ Ein wesentlicher Faktor für den 43-Jährigen lag auch bei den Zuschauern: „Der Sieg war eine Co-Produktion mit unseren Fans und des gesamten Stadions, weil sie uns bis zum Schluss gepusht haben. Die Mannschaft hat eine unglaubliche Moral gezeigt.“

Eintracht Braunschweig ist nun wieder vorläufig auf den 3. Tabellenplatz vorgerückt und setzt die Tabellenspitze unter Druck. Nach der Länderspielpause geht es am Sonntag, dem 2. April 2017 (13.30) weiter in Kaiserslautern.

Foto/Grafik: Frank Vollmer

Zahlen & Fakten

Eintracht Braunschweig: Fejzic, Sauer, Baffo, Valsvik, Reichel, Moll (75. Biada), Zuck (66. Khelifi), Boland, Hernández, Abdullahi (66. Kumbela), Nyman Trainer: Torsten Lieberknecht

1. FC Heidenheim: Müller, Becker, Wahl, Theuerkauf, Feick, Wittek, Skarke (74. Philp), Griesbeck, Titsch-Rivero, Schnatterer (66. Kleindienst), Thomalla (84. Gnaase) Trainer: Frank Schmidt

Torfolge: 0:1 Marc Schnatterer (3. Titsch-Rivero), 1:1 Mirko Boland (33. Zuck), 1:2 Arne Feick (73. FE), 2:2 Christoffer Nyman (79. Khelifi), 3:2 Ken Reichel (90. +2)

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