Wie im Traum: Nicola Kuhn neuer Sparkassen Open-Champion

15. Juli 2017 von
Gewinner 2017: Nico Kuhn. Fotos: Moritz Eden
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Braunschweig. Es ist vollbracht! Der 17-Jährige Nicola Kuhn vollendet das Tennis-Märchen und gewinnt das Finale der Sparkassen Open in Braunschweig mit 3:6, 7:5, 4:2 gegen den Kroaten Viktor Galovic, der Mitte des dritten Satzes aufgrund muskulärer Probleme aufgeben musste. Den Titel im Doppel sicherten sich Julian Knowle (Österreich) mit Igor Zelenay (Slowakei) in zwei Sätzen mit 6:3, 7:6 (3) über die deutsche Paarung Kevin Krawietz und Gero Kretschmer.


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Oberschenkel stoppt Galovic

Dritter Satz, Spielstand 3:2 pro Nicola Kuhn. Gerade wurde Viktor Galovic vom Physiotherapeuten behandelt, eine Fortsetzung der Partie war nicht sicher. Doch der Kroate biss, nach dem der rechte Oberschenkel „zumachte“, noch einmal auf die Zähne – vergebens. Galovic konnte die Mitte der Grundlinie nicht mehr verlassen und war chancenlos gegen die präzisen Schläge des Spaniers, der auf 4:2 erhöhte. Vieles deutete auf eine sofortige Aufgabe der Nummer 491 der Welt hin, der wiederum wollte sich aber die Chance auf seinen zweiten Challenger-Erfolg nach Recanati in der letzten Woche nicht nehmen lassen. Bei seinem ersten Aufschlag, bei dem Galovic kaum den Boden verlassen konnte, wurde letztlich deutlich: es geht nicht weiter. Der 1,93m-Hüne versuchte es noch einmal, musste sich dann allerdings eingestehen, dass es der Muskel nicht zulässt. 

Ein spannendes, zuweilen spektakuläres Finale fand ein jähes und unerwartetes Ende, das in der Form nicht zu erwarten war. Nach seinem Halbfinalsieg über Oscar Otte betonte Galovic noch seinen überraschend guten körperlichen Zustand. Dies bestätigte der 26-Jährige auch mit einer klassen Vorstellung im ersten Satz. Dort schnürte er den anfangs nervösen Kuhn mit seiner offensiven Spielweise ein und ließ den Spanier viel in der Defensive arbeiten. Auch mit seinem starken Service bereitete Galovic sich eine konstant gute Position im Feld und konnte seinen Gegenüber gezielt attackieren. Es schien als hätte der Wahl-Italiener auf alle Fragen Kuhns eine perfekte Antwort. So ging der erste Satz auch recht deutlich mit 6:2 an den Kroaten.

Bitter: Galovic musste aufgeben. Foto. Moritz Eden

Kuhn zeigt Größe im Erfolg

Wer Nicola Kuhn in den vergangenen Tagen beobachten konnte, der wusste, dieser Junge lässt sich nicht kleinkriegen. Der Blondschopf steigerte sich im zweiten Satz von Minute zu Minute und sorgte mit dem Break zum 6:5 für den Wendepunkt der Partie. Von diesem Zeitpunkt an spielte Kuhn das bessere Tennis, begeisterte das Publikum mit teils sensationellen Passierbällen und zeigte großen Sportsgeist, als er auf die andere Seite des Spielfeldes lief und den am Boden liegenden Galovic zur Fortsetzung des Spiels ermunterte. Geholfen hatte das nicht, bekräftige alle Zuschauer jedoch in dem Glauben, dass hier ein ganz Großer der Zukunft auf dem roten Sand von Braunschweig stand.

„Das ist einfach unglaublich, die beste Woche meines Lebens“, sagte Kuhn direkt nach seinem Sieg, um dann aber erst einmal seinen Kontrahenten zu würdigen: „Die letzten zwei Wochen, die Viktor gespielt hat, muss ihm erstmal einer nachmachen.“ Wieder große Worte eines noch ganz jungen Sportlers, der sich danach auch artig bei Turnierleitung, Sponsoren, Trainern und seinen Eltern bedankte. Und beteuerte im Anschluss, auch im nächsten Jahr Teil des bestens Challenger-Turniers sein zu wollen, das gut und gerne auch ein Teil der ATP-World Tour sein könnte, wie Kuhn und Galovic unisono erklärten. Der Kroaten lobte den Spanier zuvor bereits in den höchsten Tönen: „Ich habe heute alles gegeben, um einen zweiten Challenger zu gewinnen. Aber er war einfach unglaublich und dass mit gerade einmal 17 Jahren. In diesem Alter saß ich noch zu Hause und habe Playstation gespielt.“ Nicola Kuhn hat sich mit dem Erfolg in Braunschweig 130 Punkte für die Weltrangliste erspielt und wird am Montag ungefähr auf Platz 270 notiert sein, Galovic wird mit zusätzlichen 75 Punkten einen Sprung in die 320er-Ränge machen – ein großer Fortschritt für beide Spieler.

Tolle Kulisse beim Doppel

Den Finaltag im Bürgerpark eröffnete das Endspiel im Doppel, welches das Duo Knowle/Zelenay mit einer größtenteils souveränen Darbietung gewinnen konnte. Speziell im ersten Durchgang zeigten sie ihre Klasse und sich spielerisch versierter als die Paarung Krawietz/Kretschmer. Mitte des zweiten Satzes bäumten sich die Deutschen, auch mit Unterstützung des äußerst gut besuchten Centre Courts, noch einmal auf und zwangen ihren Gegner einen Tie-Break auf. Diesen konnte die slowakisch-österreichische Paarung allerdings beherrschen und den Turniersieg mit 7:3 zementieren.

„Die beiden haben das wirklich gut gemacht, das gesamte Turnier über. Die Zuschauer waren auf unserer Seite im zweiten Satzes, wir haben es letztlich aber nicht geschafft, in den Match-Tie-Break zu kommen“, so ein sehr aufgeräumter Kevin Krawietz. Sieger Julian Knowle aus Österreich bedankte sich zuallererst beim Publikum, die so zahlreich auf den Centre Court gekommen waren, „was für ein Doppelfinale nicht alltäglich ist“. Abschließend fügte er hinzu: „Gestern haben wir sicherlich nicht unsere beste Leistung gezeigt, aber auch solche Matches muss man gewinnen. Heute haben wir über den Großteil des Spiels eine starke Perfomance abgeliefert, von daher sind wir sehr zufrieden mit dem Erfolg.“ Und: „Wir kommen im nächsten Jahr gerne wieder.“ Wie alle Spieler und Zuschauer, die diese grandiose Woche mit Spitzen-Tennis miterlebt haben.

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Video: Nicola Kuhn und das Märchen von Braunschweig

 

 

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