Willi Kronhardt wird Chefscout bei Lokomotive Moskau

8. Juli 2017
Willi Kronhardt - über Braunschweig nach Moskau. Foto: imago/Hübner
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Moskau/Braunschweig. Für den ehemaligen Co-Trainer der Braunschweiger Eintracht Willi Kronhardt startet in den nächsten Tagen ein großes Fußball-Abenteuer. Der 48-Jährige tritt mit sofortiger Wirkung die Stelle als „Senior international Chefscout“ beim russischen Erstligisten Lokomotive Moskau an und hat vor Ort einen Vertrag bis 2019 unterschrieben. Ein Beitrag von Henrik Stadnischenko.


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Über Braunschweig nach Moskau

„Als ich meiner Frau von dem Angebot erzählt habe, hat sie sich erst setzen müssen“, erklärt Willi Kronhardt, der selber noch nicht ganz realisiert hat, welches Abenteuer auf ihn wartet. „Für mich ist Lokomotive Moskau eine tolle Herausforderung. Ich freue mich riesig auf diese anspruchsvolle Aufgabe“, erklärt der ehemalige Interimscoach von Eintracht Braunschweig, dessen Aufgabengebiet sich bis in die Sichtung neuer Talente für den Nachwuchs erstreckt. Zudem ist er bei der Neustrukturierung des internationalen und nationalen Scoutbereichs federführend. Ihm ist es wichtig, dass in Zukunft die Wege zwischen Nachwuchs und Profis kürzer werden, damit der Verein schneller erfolgreich wird.

Der Name Willi Kronhardt wird in Deutschland nur den eingefleischten Fußballfans etwas sagen – doch das kann sich nun ändern. Einer der Hauptgründe für seinen Wechsel an die Wolga ist der Deutsche Erik Stoffelshaus. Der 46-Jährige ist seit Ende Januar Sportdirektor bei Lokomotive Moskau und zuvor als sportlicher Leiter bei Schalke 04 in Erscheinung getreten.

„Ich habe seit längerer Zeit einen regelmäßigen Kontakt zu Erik, in den letzten Wochen hat sich die Kommunikation verstärkt“, so Willi Kronhardt, für den seine Familienherkunft einen großen Vorteil bietet: „Dadurch das mein Vater aus Russland stammt und ich bis zu meinem achten Lebensjahr in Kasachstan aufgewachsen bin, spreche ich die Sprache gut und bin mit der Kultur verbunden“.

Verbunden auf eine andere Art ist Willi Kronhardt auch mit seinem zukünftigen Vorgesetzen Erik Stoffelshaus. „Mit Erik war ich sofort auf einer Wellenlänge. Er lebt und atmet den Fußball – so wie ich“, erklärt Kronhardt, der offen zugibt auch leichte Bauchschmerzen beim Angebot gehabt zu haben: „Wenn die Familie nicht ihr Einverständnis gegeben hätte, hätte ich Moskau auch gewiss schweren Herzens abgesagt“. Schließlich hatte der Ex-Profi neben dem Angebot aus Moskau, einen unterschriftsreifen Vertrag von einem Verein aus China vorliegen. „Der Schritt nach China wäre sicherlich sehr interessant gewesen, aber manchmal muss man auf sein Herz hören“.

Kronhardt´s neuer Klub, der in den Zwanzigerjahren von sowjetischen Eisenbahnern gegründet wurde, durchlebt momentan eine Durstperiode. Zwar gewannen die „Grün-Roten“ in dieser Spielzeit den russischen Pokal, doch liegt die letzte umjubelte Meisterschaft schon über zehn Jahre zurück. „Wie im richtigen Leben braucht die Lokomotive erstmal Zeit um in den Gang zu kommen aber wenn sie einmal loslegt ist sie schwer zu stoppen. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft ein ernstzunehmender Gegner für Spartak Moskau und Zenit Sankt Petersburg sein werden “, ist sich Kronhardt sicher, für den es kein Problem ist das Lokomotive Moskau als Arbeiterverein abgestempelt wird. „Ich war selbst in meiner Karriere bestimmt nicht der technisch versierteste Fußballer, aber ich habe meine Schwächen durch Willen und harte Arbeit ausgleichen können“, betont der 48-Jährige, der mit Energie Cottbus 1997 im DFB-Pokal-Finale stand.

Harte Arbeit liegt auch vor der russischen Nationalmannschaft, die diesen Sommer beim Confed-Cup um den Titel mitspielen wollte. Momentan stehen nur wenige russische Nationalspieler bei Lokomotive Moskau unter Vertrag, das soll sich in Zukunft ändern. „Wir wollen gegen den Trend in Russland schwimmen und statt auf teure Stars, auf junge Talente, insbesondere aus russischsprachigen Ländern setzen“, betont Willi Kronhardt und schiebt nach: „Wir haben eines der besten Nachwuchsleistungszentren in Russland. Da würde der ein oder andere deutsche Bundesligist schon staunen. Umso fataler wäre es dementsprechend die Talente an die Konkurrenz zu verschenken“, erklärt Kronhardt, der trotz seiner Freude über seine kommende Aufgabe einen Kritikpunkt ausgemacht hat. „Wer glaubt in New York sind die Mietpreise hoch, der war noch nie in Moskau…“.

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