105:101! Beherzte Löwen mit Sensations-Comeback gegen Gießen

6. April 2019 von
Der blanke Basketball-Wahnsinn! Dieses Spiel hatte alles. Foto: Agentur Hübner
Braunschweig. Sie sahen lange Zeit wie der sichere Verlierer aus. Dann drehten die Basketball Löwen in beeindruckender Manier ihr Spiel gegen die GIESSEN 46ers und begeisterten 3.011 Zuschauer in der Volkswagen Halle mit einer unglaublichen Aufholjagd. Die Playoff-Plätze sind damit wieder in Reichweite.

In der ersten Hälfte hatten die Gäste die Braunschweiger förmlich weggeblasen. Nach 20 gespielten Minuten lagen die Hausherren deutlich mit 19 Punkten zurück, hatten sich von der offensivstarken Mannschaft von Trainer Ingo Freyer schon 64 Zähler eingefangen. Doch dann bliesen die Löwen zu einer nie dagewesenen Aufholjagd und bezwangen die Mittelhessen am Ende mit 105:101 (45:64). Elementar war hierbei eindeutlich gesteigerte Verteidigungsintensität und das Rebound-Duell. Scott Eatherton zeigte ein starkes Center-Duell gegen Liga-Topscorer John Bryant. Der Löwen-Big Man kam auf 25 Punkte, zwölf Rebounds und sechs Assists, während Bryant 28 Punkte, neun Rebounds und vier Assists beisteuerte. Zudem legte DeAndre Lansdowne noch starke 23 Zähler auf und war damit zweitbester Löwen-Scorer.

Wie schon im Hinspiel war es von Beginn an temporeich und offensiv geprägt. Eatherton und Bryant lieferten lieferten sich direkt ein packendes Duell und standen im Fokus. Noch war die Angelegenheit ausgeglichen. Thomas Klepeisz scchraubte aus der Distanz auf vier Zähler vor (16:12, 6.), die Gießener erspielten sich dennoch einen Vorteil zum Viertelende (25:30), weil sie clever agierten und mehrfach Fouls zogen, die ihnen von der Freiwurflinie zählbares einbrachten.

Im zweiten Abschnitt verlor die Mannschaft von Steven Clauss – der erneut den erkrankten Frank Menz vertrat – den Faden. Die 46ers um David Bell zeigten ihre starken Wurfqualitäten von der Dreierlinie und netzten von dort drei Mal in Folge ein, während die Löwen mit strittigen Schiedsrichterentscheidungen haderten. Der starke DeAndre Lansdowne stemmte sich zwar gegen einen größer werdenden Rückstand, allerdings trafen die 46ers unfassbar sicher. Sechs von acht Dreiern waren die Ausbeute in diesem Viertel, in allen statistischen Bereichen hatten die Gäste die Nase vorne und führten zur Halbzeit verdient mit 19 Punkten (45:64).

„In der Kabine an der Ehre gepackt“

„In der Halbzeit wurde es etwas lauter. Ich habe die Spieler bei ihrer Ehre gepackt“, erklärte Steven Clauss später. Es war der nötige Weckruf. „Wir wussten, dass wir besser spielen und verteidigen können“, so Clauss, der mit einem Kompliment an Athletik-Coach Uli Bode die Fitness der Mannschaft hervorhob. „Wir konnten viel Gas geben und Druck machen, um noch einmal einen Gang hochzuschalten.“ Allein an der Körpersprache der Löwen konnte man schon zu Beginn des 3.Viertels erahnen, dass dieses Spiel noch lange nicht verloren war. Defensiv nun mit der nötigen Intensität gaben sie keinen Ball verloren. Vor allem die Ballgewinne zählten jetzt: Sieben Offensiv-Rebounds schnappten sich die Löwen in diesem Viertel und standen zudem endlich an der Freiwurflinie. Bis zur Halbzeit war ihnen das kein einziges Mal vergönnt gewesen.

Schritt für Schritt holten die Basketball Löwen auf. In der 25. Minute hatte Scott Eatherton mit einem Dunk zum 53:67 ein Ausrufezeichen gesetzt. Als der 27-Jährige zum Verschnaufen auf die Bank ging, sorgte Doppellizenzspieler Dejan Kovacevic nicht nur für Entlastung, sondern gab auch enorm wichtige Impulse. Kovacevic dunkte, blockte, reboundete und verteilte auch einen Assist. Damit hatte er einen entscheidenden Anteil daran, dass sich die Löwen zum Viertelende auf fünf Zähler herangeboxt hatten (73:78).

Den Zuschauern entging der Wahnsinn auf dem Parkett keineswegs. Die Partie entwickelte sich in der Schlussphase zu einem lautstarken Basketball-Krimi. Mehrfach kamen die defensivstarken Hausherren bis auf drei Punkte heran. Die 46ers antworteten aber umgehend und hielten bis 3:16 Minuten vor dem Ende ihre Führung. Shaquille Hines war es, der die Löwen mit einem Dreier erstmals nach dem 20:19 wieder nach vorne warf (94:93). Anderthalb Minuten später führten die Löwen sogar mit 101:97, doch glich John Bryant bei noch 33 verbleibenden Sekunden aus. Im Gegenzug war es Joe Rahon, der beherzt den Korb attackierte und 14 Sekunden vor dem Ende mit einem Korbleger das 103:101 erzielte. Gießen vergab den anschließenden Dreipunktewurf und DeAndre Lansdowne machte den Sieg an der Freiwurflinie perfekt.

„Wir haben eine überragende Gießener Mannschaft in der ersten Halbzeit gesehen. Wenn man ihre Trefferquote und ihre Spielweise sieht, dann haben sie uns gezeigt, warum sie so eine gute Mannschaft sind“, betonte Steven Clauss in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Kompliment auch an die Spieler, die in der Halbzeit gemeinsam entschieden haben, dass das Spiel noch nicht vorbei ist und dass sie das Ding noch gewinnen wollen“, freute sich der 61-Jährige und fügte an: „Das haben wir auf tolle Weise gemacht. Herausheben möchte ich Dejan Kovacevic, der noch nicht so oft gespielt hat. Heute hat er aber nicht nur Scott Eatherton entlastet, sondern uns das Spiel mit zurückgeholt. Der Sieg hält unsere Playoff-Chancen aufrecht.“

Mit ihrem Sieg halten die Basketball Löwen Anschluss an die Playoff-Ränge. Am 14. April (16.30) geht es zum FC Bayern München. 

„Ich weiß, dass unsere Mannschaft nicht athletisch genug ist und ich bin dafür verantwortlich, wie ich die Mannschaft zusammengestellt habe. Allerdings dachte ich im Gegensatz zum letzen Jahr, dass wir erfahrener wären, um dann am Ende auch genau diese Sachen zu treffen. Und auch das sind die Situationen, warum wir die letzten Spiele verloren haben. Aber auch da übernehme ich die volle Verantwortung, denn ich habe das Team zusammengestellt.“ Gießen-Trainer Ingo Freyer nach dem Spiel

Shaquille Hines herzt Dejan Kovacevic, der seinen Anteil am Sieg hatte. Foto: Agentur Hübner

 

Zahlen & Fakten

Viertel aus Löwensicht: 25:30, 20:34, 28:14, 32:23

Basketball Löwen Braunschweig: Nawrocki 3, Blake 9, Figge n.e., Lansdowne 23 (4 Assists), Klepeisz 9, Sengfelder 3 (6 Rebounds), Kovacevic 4, Hines 13, Rahon 14 (5 Assists), Hübner n.e., Eatherton 25 (12 Rebounds, 6 Assists), Lagerpusch 2.

GIESSEN 46ers: Chambers 2, Kraushaar n.e., Agva 12, Landis, Pjanic 8 (3 geblockte Würfe), Uhlemann n.e., Lischka 11 (5 Rebounds), Gordon 8 (7 Rebounds, 3 Assists), Jordan 5 (7 Assists), Thomas 8, Bell 19, Bryant 28 (9 Rebounds, 4 Assists).

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