Aus für die Grizzlys! Ära Gross endet mit Eishockeykrimi

23. März 2018 von
Die Grizzlys kämpften, doch am Ende reichte es nicht. Foto: Moritz Eden/City-Press GbR/Archiv
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Berlin/Wolfsburg. Es sollte nicht sein! Die Grizzlys Wolfsburg unterlagen bei den Eisbären Berlin im fünften Spiel der Best-of-seven-Serie in den DEL Playoffs mit 6:7 (1:2, 3:1, 3:2, 0:1) und schieden damit am Freitagabend aus der Endrunde aus – für Pavel Gross war es nach zehn Jahren das letzte Pflichtspiel als Trainer der Niedersachsen. Dabei zeigten die personell dezimierten Gäste abermals eine starke Leistung und gingen zunächst in Führung. Die Gastgeber drehten das Spiel um, bis Wolfsburg wieder kam und die Overtime erzwang. Dort erzielte Berlin den entscheidenden Treffer. 


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Keine Rückkehrer

Ohne personelle Veränderungen mussten die Grizzlys in Berlin antreten. Weiterhin fehlten sechs Akteure und auch Torsten Ankert saß dieses Mal nicht auf der Bank. 

Bina scort kurz vor der Pause

Berlin ging mit Volldampf in das Geschehen. Nach nur etwas mehr als 60 Sekunden brannte es bereits vor Jerry Kuhns Kasten, der Deutsch-Amerikaner behielt jedoch den Überlick (2.). Auch im Anschluss fesselten die Hausherren ihre Gäste in deren Drittel. Es dauerte fünf Minuten, bis die Wolfsburger über Conor Allen zu ihrem ersten Abschluss kamen (5.). Kurz darauf versuchte es Kris Foucault, den Rebound jagte Tyson Mulock aus der Drehung in Richtung Petri Vehanen, doch auch der Berliner Schlussmann hatte alles im Griff (6.). Nun agierte der Vizemeister auch in der neutralen Zone mit erheblich mehr Gegenwehr. Im ersten Powerplay kam das Roadteam erst spät in Formation, immer wieder musste der Aufbau von neuem begonnen werden – und dann klingelte es! Jeremy Dehner spielte auf Kris Foucault, der legte in den Slot, wo Mulock genau richtig positioniert war und die Scheibe ohne Probleme zum 0:1 (11.) über die Linie drückte.

Das Geschick hatte sich gewendet. Die Grizzlys blieben dran, besonders Foucault setzte sich vor dem gegnerischen Gehäuse immer wieder in Szene, in dem Vehanen sich als äußert wachsam zeigte. Trotz des Wolfsburger Drucks kam Berlin nochmal wieder: 2-1-Situation für die Gastgeber, Martin Buchwieser lief über den linken Flügel, schob nach rechts auf Charlie Jahnke, dessen Hammer Kuhn parierte. Die Scheibe flog hoch, Buchwieser drückte das Spielgerät aus der Luft zum 1:1 (19.) in das Netz. Der Videobeweis förderte keinen hohen Stock zutage, wie zunächst befürchtet. Und das Drittel war noch nicht gelaufen: 12,8 Sekunden vor Schluss wuchtete Robbie Bina das Hartgummi aus dem hohen Slot in die Maschen – 1:2 (20.) nach Videobeweis

Eisbären drehen Partie um

Die Hauptstädter kamen etwas stärker aus der Kabine und versuchten, wie schon zu Beginn der Partie, das Kommando zu übernehmen. Dies gelang nicht, die Niedersachsen legten nochmal nach. Christoph Höhenleitner brachte den Puck von links, Mulock nahm die Scheibe auf, zog ab und markierte mit dem 1:3 (24.) seinen zweiten Treffer dieser Begegnung. In der Folge wechselten sich gefährliche Möglichkeiten auf beiden Seiten ab. Die Eisbären kamen nun ihrerseits in den Genuss der ersten Überzahl und münzten diese in Erfolg um. Nick Petersen ließ einen Hammer los, Michael DuPont versperrte Kuhn die Sicht, die Scheibe rutschte durch dessen Beine zum 2:3 (28.).

Der Rekordmeister blieb dran, die Wolfsburger Abwehr wies Lücken auf. Buchwieser stand frei im Slot, wurde bedient und schloss ungestört zum 3:3 (30.) ab. Auch nach dem Ausgleich ließen die Gastgeber nicht locker und zeigten sich durch hohes Tempo – und netzten fast erneut ein. Die Abwehr der Gäste wackelte weiterhin, so lief Marcel Noebels solo auf deren Schlussmann zu, traf jedoch nur das Aluminium (33.). Das Spielgeschehen kippte immer weiter. Daniel Richmond brachte die Scheibe über rechts, drehte sich um seinen Gegenspieler herum und sah Noebels vor Kuhn – der Nationalspieler legte das Hartgummi zum 4:3 (36.) in das Netz.

Ein Krimi geht in die Verlängerung

Mit etwas mehr Aufwind kamen die Automobilstädter zum Schlussabschnitt auf das Eis. Die Polarbären agierten in der Summe nicht mehr so zwingend wie vor der zweiten Pause, doch zehn Minuten vor Schluss musste Kuhn immer wieder eingreifen. Berlin wurde wieder stärker und leitete mit Louis-Marc Aubry Kracher zum 5:3 (50.) die vermeintliche Vorentscheidung ein. Das dezimierte Team der Grizzlys kämpfte verbissen um den Anschluss, doch in den letzten Minuten sah es kurz danach aus, als würden die Kräfte nachlassen – doch dann kam Wolfsburg furios wieder! Diesmal stand Foucault frei, Mulock sah den Stürmer, legte ab, der Kanadier sorgte per Rückhandschuss für den 5:4-Anschluss (57.).

Nur 18 Sekunden später folgte die Sensation: Noebels verlor das Hartgummi, Karachun packte zu, gab weiter auf Riefers, der eiskalt zum 5:5-Ausgleich verwandelte (58.). Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Noebels korrigierte seinen Fehler im Gegenzug und knallte einen tödlichen Pass von Müller zum 6:5 (59.) in den Kasten – und noch immer war die Partie nicht gelaufen! 14 Sekunden später: Die Grizzlys drückten wie verrückt, Kris Foucault umkreiste den gegnerischen Kasten und schob per Rückhand zum 6:6 ein (59.) – Verlängerung!

Bukarts schießt sein Team ins Halbfinale

Mit Beginn der Overtime setzten die Gastgeber die ersten Akzente. Das Team vom Allerpark konnte sich zunächst nur kurz befreien, doch die Entscheidung trafen die Berliner. Rihards Bukarts sorgte für den Treffer zum 7:6 (63.), der für die Grizzlys Wolfsburg das Aus in den Playoffs und das Ende der Ära Pavel Gross bedeutete.

„Als gäbe es kein Morgen mehr!“

„Riesenrespekt vor den Jungs! Wie die sich reingeschmissen haben! Jeder der geradeauslaufen konnte, hat alles gegeben. Mir fehlen die Worte…Hut ab! Da sind welche, die keinen Vertrag mehr haben und die haben sich in jeden Schuss geschmissen, als gäbe es kein morgen mehr“, kommentierte der sichtlich enntäuschte Interimskapitän Sebastian Furchner unmittelbar nach der Partie. „Wir haben Pavel Gross eine Menge zu verdanken. Über den Abschied denken wir aber erst in ein paar Tagen nach, erstmal sind wir enttäuscht, dass die Serie vorbei ist.“

„Hut ab vor dieser Leistung“

„Klar ist man enttäuscht. Es war das letzte Spiel der Saison. Auf der anderen Seite ist es der Stolz der mich gerade sehr bewegt. Dass wir mit so einer Mannschaft in der Lage waren, gute Spiele zu liefern gegen eine Top Mannschaft. Aber das soll keine Ausrede sein, die bessere Mannschaft hat gewonnen. Aber ich ziehe den Hut vor der Leistung unserer Mannschaft“, kommentierte der scheidende Gross nach dem Spiel und sagte bezüglich seines bevorstehenden Abschiedes: „Es ist noch zu früh um Abschied zu verspüren, aber es ist klar, dass das irgendwann kommt. Es waren wunderbare zehn Jahre mit den Mannschaften, mit Charly und mit der gesamten Organisation. Ich muss mich bedanken für die Leistung und für das Vertrauen. Wir waren zehn Jahre lang in den Playoffs, Hut ab – aber es geht weiter hier, auch ohne mich.“

Zahlen und Fakten

Torfolge: 0:1 (10:28) Tyson Mulock (Foucault, Dehner/PP1), 1:1 (18:08) Martin Buchwieser (Fischbuch, Jahnke), 1:2 (19:47) Robbie Bina, 1:3 (23:15) Tyson Mulock (Höhenleitner), 2:3 (27:07) Nick Petersen (DuPont, Hördler/PP1), 3:3 (29:28) Martin Buchwieser (Müller, Sheppard), 4:3 (35:00) Marcel Noebels (Richmond, Aubry), 5:3 (49:52) Louis-Marc Aubry (Baxmann), 5:4 (56:45) Kris Foucault (Höhenleitner), 5:5 (57:03) Philip Riefers (Karachun, Allen), 6:5 (58:19) Marcel Noebels (Müller, Rankel), 6:6 (58:33) Kris Foucault (Furchner), 7:6 (62:13) Rihards Bukarts (MacQueen)

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