Derzeit im Abschluss-Stress: Christian Flüthmann.
Derzeit im Abschluss-Stress: Christian Flüthmann. Foto: Agentur Hübner/Archiv
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01.06.2020

Christian Flüthmann: "Der Begriff 'Trainertalent' ist negativ behaftet!"

von Frank Vollmer


Braunschweig. Eintracht Braunschweigs ehemaliger Übungsleiter Christian Flüthmann steckt aktuell mitten in der Abschlussarbeit seines Fußball-Lehrer-Lehrgangs, den er in England absolviert. Dem ‚Fußball Trainer-Magazin‘ beantwortete der sympathische Münsteraner mittendrin trotzdem sieben interessante Fragen auf die ihm eigene Art und Weise. Wir haben seine besten Aussagen einmal herausgefiltert.

"Die Corona-Krise als Möglichkeit"


Sein Fokus liege derzeit voll und ganz auf der Abschlussarbeit, die er unter dem Thema „Der Trainer als Motivator?!“ erarbeitet. „Ein sehr spannendes Thema“, so Flüthmann gegenüber dem Blatt. In Zeiten von Corona sollte die eigene Motivation der Antrieb sein, voranzukommen und die Begleitumstände egal. „Zur derzeitigen Situation passt der Spruch: ‚Probleme sind gut verkleidete Chancen‘. Dementsprechend sollten wir die derzeitige Corona-Krise auch als Möglichkeit sehen, Dinge anders zu machen oder gar anders zu betrachten“, betont der 38-Jährige.

Derzeit genieße er auch die Zeit mit der Familie: „Eine Art Wohlfühloase, denn nur hier kannst du deine Kraft für die anstrengenden Momente als Fußballtrainer aufladen.“ Er könne in der aktuellen Situation jeden verstehen, der unter der Situation leidet beziehungsweise sich Normalität zurückwünscht. „Dennoch sind wir momentan in einer Position, die von jedem einzelnen erfordert seine persönlichen Interessen hinten anzustellen und den Fokus auf das große Gemeinsame zu richten – die Bekämpfung des Corona-Viruses.“

Ihm stünde es darüberhinaus überhaupt nicht zu, die Arbeit der Virologen zu beurteilen: „Es ist ähnlich wie bei uns Fußballtrainern, wir wünschen uns auch, dass uns keiner von außen reinredet und wir uns nicht mit Nebensächlichkeiten beschäftigen müssen. Die gleiche Situation haben wir jetzt auch, wenngleich auf einem anderen ‚Spielfeld‘“.

„Die Fußballwelt sehe ich wie eine Weltkarte an und die einzelnen Tätigkeitsfelder als mögliche Reiseziele.“

- Christian Flüthmann


Angesprochen auf die deutsche Talentförderung entgegnet Flüthmann: „Die gehört meiner Meinung nach zu den besten auf der Welt.“ Man dürfe sich trotzdem nicht in Sicherheit wiegen. Gemeinsam müsse man weiterhin innovativ und zukunftsorientiert arbeiten, um in der Gegenwart erfolgreich zu sein. „Das Rudern gegen den Strom kann hier als Symbolik betrachtet werden. Hört man mit der Arbeit auf, treibt es einen zum Ausgangspunkt zurück.“

28 Punkte in 16 Spielen reichten nicht als Cheftrainer in Braunschweig. Foto: Agentur Hübner/Archiv


Die "imaginäre Verlockung"


Die größere Gefahr sieht der kommende Fußball-Lehrer jedoch nicht in der realen sondern der imaginäen Welt: „In einigen Jahren wird es schwerer werden die Kinder zum aktiven Sport zu ermutigen, denn die ‚Freunde‘ Smartphone, Playstation oder Gaming-PC stellen eine große Verlockung dar.“ Am Ende sei egal ob sich die Kinder Fußball, Handball oder Basketball entschieden, „Hauptsache die aktive körperliche Bewegung bleibt vorhanden.“

„Victor Hugo sagte einmal: ‚Die Zukunft hat viele Namen. Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.‘ Wir entscheiden alleine, wer von diesen drei Genannten wir sein wollen.“

- Christian Flüthmann


Den Begriff „Trainertalent“ sieht Flüthmann derweil „negativ“ behaftet, denn der schnürt Erwartungen die möglicherweise in diesem Maße nicht erfüllt werden können. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, der Spalt zwischen Trainertalent und vermeintlich gescheitertem Trainer ist sehr klein“, so Flüthmann, der von Juli bis Mitte November 2019 für 16 Spiele Cheftrainer der Löwen war. Dem Vernehmen nach war er auch ein Thema bei Darmstadt 98 und Englands zweiter Liga.

Wohin es ihn im Laufe seiner Karriere noch verschlage, kann Flüthmann aber noch nicht sagen. „Dadurch dass man als Cheftrainer jeden Tag etwas neues lernt, neuen Menschen und neuen Ideen begegnet ändert sich auch die eigene Sichtweise.“ Möglicherweise stünde er in zehn Jahren hier und sage, als Jugendtrainer zu arbeiten sei genau die richtige Position. „Oder ich sage, jetzt habe ich einmal die Champions League gewonnen, jetzt will ich sie auch verteidigen.“

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