Das war 2018: Deutschland holt Silber in PyeongChang!

28. Dezember 2018 von
Auch wenn es für Gold nicht reichte: Deutschland mit Björn Krupp (Nummer 40) und Gerrit Fauser von den Grizzly spielte ein sensationelles Turnier. Foto: imago/ITAR-TASS
PyeongChang/Wolfsburg. Das Gold-Wunder von PyeongChang blieb zwar aus, aber die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit Björn Krupp und Gerrit Fauser von den Grizzlys Wolfsburg unterlag im Finale den Olympischen Athleten aus Russland nur knapp mit 3:4 (0:1, 1:0, 2:2, 0:1) und holte nach einem sensationellen Turnier und einem dramatischen Endspiel-Krimi erstmals olympisches Eishockeysilber.

Voynov bringt OAR in letzter Sekunde in Führung

Crunch-Time in PyeongChang! Am 23. Februar sorgte die deutsche Mannschaft für die absolute Sensation, als sie Rekordolympiasieger Kanada im Halbfinale besiegte und als erstes deutsches Eishockeyteam in ein olympisches Finale einzog und damit zumindest schonmal die Silbermedaille unter Dach und Fach brachte.

Es dauerte nur 15 Sekunden, bis die deutsche Mannschaft in diesem historischen Finale erstmals in Überzahl agieren konnte. Trotzdem ein schneller Aufbau der Formation gelang, fehlten die klaren Torchancen, auch gelangen dem Gegner mehrere Befreiungsschläge (2.). Auf der Gegenseite wurde Danny aus den Birken in der 5. Minute gleich mehrmals geprüft und war dabei auf seinem Posten, kurz darauf verfehlte Ilya Kovalchuck das Gehäuse nur knapp (6.). Russland zeigte zu diesem Zeitpunkt ein schnelles und technisches Spiel, Deutschland hingegen kam kaum zum Abschluss, stand anfangs dafür in der Defensive gewohnt stark.

So überstanden die DEB-Jungs auch die erste eigene Unterzahl unbeschadet, auch wenn das deutsche Team eine ganze Weile im eigenen Drittel festgenagelt wurde und der Goalie gegen Pavel Datysuk bei zwei Monstersaves sein ganzes Können zeigen musste (14.). In der Folge hielten die OAR den Druck aufrecht und eroberten meist schon in der neutralen Zone das Spielgerät zurück. Die deutsche Abwehr begann zu wackeln. Aus den Birken war immer wieder zum Handeln gezwungen, hielt sein Team dabei glänzend in der Partie, während seine Vordermannschaft kaum zu einem strukturierten Aufbau kam.

0,5 Sekunden vor Drittelende passierte der große Fehler, welchen die Sbornaja eiskalte ausnutzte. Slava Voynov stand völlig frei im Slot und bekam die Scheibe von Nikita Gusev von links hinter dem Kasten zugespielt. Voynov fackelte nicht lange und jagte das Hartgummi gegen einen chancenlosen Münchener Schlussmann zum 0:1 (20.) in die Maschen.

Schütz gleicht aus

Mit einer guten Chance startete die Mannschaft von Bundestrainer Marco Sturm in den zweiten Abschnitt, doch Frank Mauer konnte Vasili Koshechkin mit seinem Rückhandschuss nicht bezwingen (22.). Doch nun war Deutschland am Drücker und spielte erstmals aggressiver nach vorne und ließ sich hinter nicht mehr so sehr unter Druck setzen. Nachdem die Partie nahe der Spielmitte durch diverse Abseits und Icings ins Stocken geriet, fesselte der Rekordweltmeister das deutsche Team abermals in deren Drittel (28.).

Das ließ die DEB-Auswahl nicht lange mit sich machen und lief über Felix Schütz einen Angriff auf der rechten Seite. Der Stürmer brachte das Spielgerät auf Torhöhe und wollte für den frei vor dem Kasten stehenden Patrick Hager auflegen, doch Koshechkin war vorher dran und verfrachtete die Scheibe mit der Stockhand zum 1:1 (30.) ins eigene Gehäuse!

Im Anschluss musste Patrick Reimer in die Kühlbox, doch die Sturm-Truppe hielt den Kasten mit souveränem Penaltykilling sauber (32.). Mit Erreichen der Vollzähligkeit erwischte Christian Ehrhoff Darly Boyle mit dem Schläger, was einen Cut für seinen Mitspieler zur Folge hatte. Der Schiedsrichter sah zunächst die Schuld bei einem russischen Spieler, korrigierte seine Fehlentscheidung jedoch (34.). Kurz darauf, die nächste Großchance: Yasin Ehliz spielte einen Querpass von links auf Frank Mauer, doch dem russischen Schlussmann, der nicht in jeder Situation sicher wirkte, gelang es, den Versuch zu entschärfen (35.).

In den letzten Minuten vor der zweiten Pause ging es hin und her. Der Bronzemedaillengewinner von Salt Lake City stürmte in einer 2-1-Situation auf das deutsche Tor, doch Yannic Seidenberg machte den Angriff mit vollem Einsatz zunichte (37.). Nachdem Patrick Hager auf der Gegenseite vorbeischoss war wieder der Goalie des deutschen Meisters gefragt, der einen Rückhandschuss von Datsyuk locker herunter pflückte (38.). Kurz vor dem Drittelende zog Dominik Kahun gegen drei Gegner ins russische Drittel, doch diesmal war deren Goalie sicher zur Stelle (39.).

Entscheidung verspielt

Der Kanada-Bezwinger kam auch im Schlussabschnitt stark in die Begegnung, holte sich die ersten Bullys, legte sich in die Zweikämpfe und störte das Aufbauspiel der Roten. Auch Aus den Birken war bei einem 2-1-Konter sicher auf seinem Posten (43.). Wieder ging es hin und her. Beide Kontrahenten versuchten sich mit einem schnellen Spielaufbau, der jedoch oft im Abseits endete, wodurch es an Abschlüssen eine Zeit lang mangelte.

Die Unterbrechungen nahmen wieder ab und es ging mit wechselnden Angriffen weiter – und wieder zeigte der deutsche Goalie eine bärenstarke Leistung. In einer weiteren 2-1-Situation hätte Kovalchuk am kurzen Pfosten nur noch einschieben müssen – keine Chance. Doch kurz darauf musste sich der Schlussmann umdrehen: Nikita Gusev lief auf der linken Seite völlig ohne Bedrängnis und konnte seinen Schuss aus spitzem Winkel in aller Ruhe vorbereiten. Der Versuch landete an Aus den Birkens Maske und prallte von dort aus zum 1:2 (54.) ins Tor.

Deutschland war keineswegs geschockt und startete sofort einen furiosen Angriff. Dabei landete die Scheibe hinter dem Tor bei Frank Mauer, der völlig frei nach vorne spielen konnte. Dort stand Kahun goldrichtig und hämmerte die Scheibe nur 8 Sekunden nach dem Gegentreffer eiskalt zum 2:2 (54.) ins Netz! Und das deutsche Team behielt das Kommando! Keine zwei Minuten später: Schneller Angriff der Deutschen, das Spielgerät landete bei Jonas Müller und der Eisbär feuerte durch Koshechkins Beine zum 3:2 (56.)!

Das Ding schien durch, Russland musste in Unterzahl und brachte den Extraattacker, doch statt das Wunder unter Dach und Fach zu bringen, musste das führende Team durch Gusevs Rückhandschuss in den Winkel, eine halbe Minute vor Spielende den erneuten Ausgleich zum 3:3 hinnehmen – Overtime!

Kaprizov schießt Russland zu Gold

Mit eher gemäßigtem Tempo ging es in die 20-minütige Verlängerung. Deutschland suchte den geordneten Spielaufbau und auch die Athleten aus Russland wollten nichts überstürzen. Für die erste gefährliche Möglichkeit hätte Gerrit Fauser sorgen können. Der Wolfsburg eroberte die Scheibe und brachte sie hinter das gegnerische Tor, fand jedoch keine Anspielstation (64.).Russland drückte offensiv stärker. So war es wieder Aus den Birken, der mit einer zirkusreifen Nummer einen Schuss von Kovalchuk entschärfte (66.).

Die Schwarz-Gelben kamen vorne kaum zum Zug und zogen auch noch eine Strafe wegen hohen Stocks (69.). Russland kam schnell in Formation, spielte die Scheibe kontrolliert hin und her und belohnte sich für die Überlegenheit in der Verlängerung. Das Hartgummi landete auf der rechten Seite bei Kirill Kaprizov, der den entscheidenden Gold-Treffer zum 3:4 in das Gehäuse verfrachtete (70.) und seiner Mannschaft nach 26 Jahren erstmals wieder eine olympische Goldmedaille bescherte.

Zahlen und Fakten

Torfolge: 0:1 (20.) Slava Voynov (Gusev), 1:1 (30.) Felix Schütz, 1:2 (54.) Nikita Gusev, 2:2 (54.) Dominik Kahun (Mauer), 3:2 (56.) Jonas Müller, 3:3 (60.) Nikita Gusev (SH1/EN), 3:4 Kirill Kaprizov (PP1/OT)

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