Kommentar

Die beste Lösung für Eintracht Braunschweig

Die Lösung lag längst auf der Hand. Foto: Agentur Hübner
Braunschweig. Der erwartete und am Sonntag bestätigte Weggang von Eintracht-Trainer André Schubert zu Holstein Kiel ist keine Katastrophe, sondern eher ein Gewinn, meint Till Oliver Becker.

Einen Tag vor Beginn der Drittliga-Vorbereitung verliert Eintracht Braunschweig seinen Übungsleiter an den Zweitligisten aus Kiel. Schuberts später Wechsel kam nicht unerwartet – die Zeichen standen zuletzt doch sehr deutlich auf Trennung (regionalsport.de berichtete). Von sich aus hätte Eintracht das Arbeitspapier wohl nicht beendet, denn Schubert war aufgrund seiner Erfolge beliebt bei den Fans. Außerdem hätte eine einseitige Vertragsauflösung den BTSV viel Geld gekostet. Geld, das der Verein nicht einfach mal übrig hat.

Dass Holstein Kiel Schubert aus seinem Vertrag holt (es ist nicht sicher, ob Eintracht dafür Geld erhalten hat oder sich mit dem Senken der Personalkosten zufrieden gibt), ist für den Club deshalb die wohl beste Lösung, die es in dieser Situation gab. Die Schwierigkeiten der letzten Monate hätten mit Beginn der Vorbereitung nicht einfach aufgehört, und den Burgfrieden zu wahren wäre für die Blau-Gelben auf Dauer ein echter Kraftakt geworden. Erfolgsgarantie? Keine.

Jetzt ist das Problem gelöst. Die Eintracht wahrt ihr Gesicht, denn in der offiziellen Lesart wird Schubert auf den Wechsel an die Förde gedrängt haben. Den Schwarzen Peter hat jetzt sowieso der Ex-Coach. Der hat noch vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Braunschweiger Zeitung den Eindruck erweckt, er werde auf jeden Fall bleiben – zu einem Zeitpunkt, als er nach unseren Informationen bereits mit Holstein Kiel in Kontakt war. Für viele Fans, die sich in den vergangenen Tagen für ihn stark gemacht haben, ist das eine eiskalte Dusche. Dabei benimmt sich der Profi Andre Schubert nur so, wie es im Profigeschäft üblich ist: heute noch ein Treueschwur, morgen ein besser dotierter Vertrag sonstwo. Nichts ungewöhnliches also.

Eine Lösung, die Sinn ergibt

Kalt erwischt worden ist Eintracht Braunschweig von der Entwicklung jedenfalls nicht. Auch wenn man nach außen stets betont hat, dass Schubert ja einen Vertrag habe, wurden intern die Alternativen durchgespielt. Der bisherige Co Christian Flüthmann, im November aus England geholt, besitzt das Vertrauen der Vereinsführung und wird das Löwenrudel als neuer Chef übernehmen. Ohne in die Zukunft schauen zu können: diese Lösung ergibt Sinn. Ein moderner, motivierter und trotz seines Alters bereits erfahrener Coach, der nach unseren Informationen bei allen Neuverpflichtungen federführend war. Mit Standby-Profi Marc Pfitzner und Markus Unger (Achtung! Spekulation!) hätte Flüthmann zwei sehr gute Assistenten an seiner Seite. Dazu deutet vieles darauf hin, dass nach der Absage von Matthias Hain Peter Vollmann den Posten des Sportdirektors übernehmen könnte. Eine weitere Personalentscheidung, die sinnvoll ist und Lust auf mehr macht.

Kurz: Eintracht hat in den vergangenen Monaten das Maximum aus einer schweren Situation gemacht. Der Coach Schubert war notwendig, um das Unmögliche, den Klassenerhalt, noch zu schaffen. Trotzdem war es auch richtig, sich nach Alternativen umzuschauen, als die Probleme deutlich wurden. Vor der vergangenen Saison hatte ich das Gefühl, Eintracht Braunschweig hat überhaupt keinen Plan für die folgende Spielzeit. Das ist dieses Jahr komplett anders. Vieles greift ineinander, ergibt Sinn. Und das trotz knapper Kassen. Ich freue mich auf diese Saison!

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Dies ist ein Kommentar von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion. 

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