Dramatisches 3:1! Löwen verhindern Lieberknecht-Aus in Aue

28. Januar 2018 von
Große Erleichterung bei Doppelpacker Suleiman Abdullahi (Mitte), Domi Kumbela (rechts) und Patrick Schönfeld. Foto: imago/Picture Point LE

Aue/Braunschweig. Eintracht Braunschweig gelingt am 20. Spieltag ein verdienter 3:1 (2:1)-Sieg beim FC Erzgebirge Aue. Im Endspiel für Trainer Torsten Lieberknecht drehten Doppeltorschütze Suleiman Abdullahi und Domi Kumbela die Partie nach zwischenzeitlichem Rückstand und crashten so auch die feierliche Auer Stadion-Einweihung.


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„War ein schwerer Tag“

Nach dem Spiel lief Torsten Lieberknecht mit Tränen in den Augen in die Katakomben des Auer Stadions. Gerade hatten seine Löwen auch auf dem Rasen gezeigt, dass sie die Situation verstanden haben. „Ich wusste, dass das heute ein Endspiel für mich als Trainer wird“, sagte der 44-Jährige kurz darauf, wieder etwas gefasster, bei Sky. „Das hat ein paar Spuren hinterlassen und war ein schwerer Tag“, verriet er. Und so geriet auch für 700 der knapp 8.500 Zuschauer die feierliche Fertigstellung des Erzgebirgsstadions zur Nebensache. Die waren aus Braunschweig mitgereist, um Team und Trainer wie schon im gestrigen Abschlusstraining den Rücken zu stärken (wir berichteten). 

Angreifer Philipp Hofmann kam zu seinem Startelf-Debüt. Auch auf Domi Kumbela („Er war heute ein sensationeller Leader“ – Lieberknecht) vertraute der Trainer von Beginn an. Dafür war Salim Khelifi aus dem Kader gerutscht, Hendrick Zuck fehlte sowieso gelbgesperrt. Die Gastgeber, bei denen Dennis Kempe nach muskulären Problemen wieder auf die Linksverteidiger-Position zurückkehrte, erwischten bei zweikampflastigem Spielbeginn und ständig wechselndem Ballbesitz zunächst den besseren Start. Der großzügige Schiedsrichter Christof Günsch ließ ein Foul der Gäste an der Mittellinie laufen, was Clemens Fandrich einen Traumpass in den Lauf von Pascal Köpke ermöglichte, der den Ball aus der Luft pflückte und Jasmin Fejzic halbhoch überwand (12.). 

Für Torsten Lieberknecht war es ein Endspiel. Foto: Agentur Hübner/Archiv

Braunschweig antwortet direkt

Spielentscheidend war wohl die direkte Antwort der Niedersachsen, bei denen Hofmann nur eine Minute später einen langen Ball für Hochscheidt stoppte, der in den 16er auf Abdullahi durchsteckte. Mit etwas Glück überwand der Nigerianer Martin Männel im Auer Tor, der noch mit den Fingerspitzen dran war (13.). In dem rasanten, aber hektischen Schlagabtausch zeichnete sich für keines beider Teams ein Vorteil ab. Dimitrij Nazarov schaufelte die Kugel aus zehn Metern fahrlässig über den Kasten (18.), auf der Gegenseite klärte Kalig gerade noch so vor dem einschussbereiten Kumbela. 

Positiv: Die Gäste blieben dran. Eine Direktabnahme von Patrick Schönfeld nach einer Ecke flog weit über das Gehäuse (20.). Nach einer halben Stunde verlängerte Kumbela per Kopf auf Ken Reichel, der einen Schritt zu spät kam. Kurz darauf drehten die Blau-Gelben das Spiel endlich auch zählbar, als Kumbela zentral durchbrach und beherzt abzog. Männel wurde erneut auf dem falschen Fuße erwischt (35.). Sekunden später verschwand Torsten Lieberknecht in einer kollektiven Jubeltraubel. Auf welch wackligen Beinen der Erfolg stand, zeigte der direkte Gegenzug, als Jasmin Fejzic gegen Soukou die Führung festhielt. 

„Ich wusste, dass das heute ein Endspiel für mich ist als Trainer. Das hat ein paar Spuren hinterlassen. Das was ein schwerer Tag. Wir gehen im Verein schon seit Jahren fair, konstruktiv und sachlich miteinander um. Wir werden das in der der Woche ruhig besprechen.“ Torsten Lieberknecht

„Statement für mich ist ein Statement für das Team“

Nach dem Seitenwechsel war Aue gezwingen, mehr für das eigene Spiel tun, wirkte gegen defensiv clever agierende Gäste über weite Strecken jedoch ideenlos. Fejzic blockte einen gefährlichen Schuss von Soukou, der zweite Versuch von Kempe ging weit drüber. Aue-Coach Hannes Drews reagierte und zog mit Sturmtank-Zuwachs Ridge Munsy eine Offensivkarte für Nazarov, doch waren Torraumszenen weiterhin Mangelware.

Braunschweig lauerte währenddessen auf die Entscheidung. Abdullahi erlief sich nach etwas mehr als einer Stunde einen langen Ball von Jan Hochscheidt, den er mit viel Risiko nahm. Das klappte beim nächsten Versuch weitaus besser. Wieder war Hochscheidt Absender, diesmal ging es im Konter nach einer Auer Ecke über die linke Seite, wo Abdullahi den Ball aus spitzem Winkel an zwei Gegenspielern und Männel vorbei schob (73.). Das mittlerweile verdiente 1:3 war die Entscheidung. Braunschweig verpasste es in der Schlussviertelstunde sogar, den Spielstand noch zu erhöhen. Hochscheidts Flachschuss (77.) war ein Indiz dafür. Torsten Lieberknecht gönnte Onur Bulut in den Schlussminuten noch sein Debüt in blau und gelb, bevor der 2. Auswärtssieg der Saison mit dem Schlusspfiff eingetütet war. 

„Wir haben gegen Heidenheim in der zweiten Halbzeit alles vergeigt“, erklärte Jan Hochscheidt nach dem Abpfiff und ergänzte: „Wir mussten im zweiten Auswärtsspiel in Folge eine Reaktion zeigen! Man sieht, was das für die Fans bedeutet hat.“ Der große Zuspruch in Krisenzeiten stand auch für Lieberknecht im Mittelpunkt: „Das ist emotional. Sowas kann man sich nicht kaufen. Das ist eine schöne Sache und hat mich gefreut, weil die Fans damit auch die Mannschaft unterstützt haben.“ Der gebürtige Pfälzer gab aber auch zu, dass es für ihn persönlich ein Endspiel gewesen sei: „Wir werden das in der Woche ruhig besprechen“, so Lieberknecht.

Die Situation hat sich bei Eintracht Braunschweig damit ein wenig entspannt, bleibt aber spannend: Am kommenden Sonntag, dem 4. Februar 2018 (13.30) steht der nächste schwere Gegner für Eintracht Braunschweig auf dem Spielplan. Dann kommt der Tabellenletzte 1. FC Kaiserslautern ins Eintracht-Stadion. 

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Große Erleichterung nach dem Abpfiff bei Fans und Mannschaft. Foto: imago/Picture Point LE

Zahlen & Fakten

FC Erzgebirge Aue: Männel – Kalig, Rapp, Cacutalua – Strauß, Kempe – Tiffert, Fandrich – Soukou, Nazarov (56. Munsy), Köpke Trainer: Hannes Drews

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Nkansah, Valsvik, Breitkreuz – Teigl, Schönfeld, Hochscheidt, Reichel – Hofmann (74. Samson), Kumbela (82. Bulu), Abdullahi (90. Nyman) Trainer: Torsten Lieberknecht

Torfolge: 1:0 Pascal Köpke (12. Fandrich), 1:1 Suleiman Abdullahi (13. Hochscheidt), 1:2 Domi Kumbela (35. Hofmann), 1:3 Suleiman Abdullahi (72. Hochscheidt)

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