Drohender Teilausschluss – Trotz ist die falsche Antwort

27. Januar 2017
Leerer Block beim Heimspiel? Es wäre ein Novum in Braunschweig! Foto: Frank Vollmer

Braunschweig. Der DFB will von Eintracht Braunschweig nicht nur eine Menge Geld für das Fehlverhalten seiner Fans, sondern droht auch mit deren Teilausschluss. Für die ist es an der Zeit, endlich die Taktik zu ändern, meint unser Kolumnist Till Oliver Becker.

Last Exit Teilauschluss?

Irgendwann musste es ja passieren: Der DFB hat Eintracht Braunschweig „wegen mehrfachen unsportlichen Verhaltens seiner Fans“ hart bestraft. 35 000 Euro muss die Eintracht bezahlen, davon können 15 000 Euro eingesetzt werden für „sicherheitstechnische, infrastrukturelle und gewaltpräventive Maßnahmen“.

Deutlich schwerer noch als diese Geldstrafe wiegt allerdings der angedrohte Teilausschluss von Zuschauern. Sollte bis zum Ende dieses Jahres noch einmal etwas passieren, müssten beim folgenden Heimspiel die Blöcke 8 und 9 geschlossen bleiben. Es ist zu befürchten, dass es schon bald soweit sein könnte.

Natürlich, diese Art Urteile und Strafen waren schon immer fragwürdig. Warum müssen Vereine für etwas geradestehen, das sie nicht selbst verursacht haben? Dass ein Veranstalter haften muss, wenn sich Gäste daneben benehmen, kommt außerhalb des Sports nur selten vor. Nämlich dann,  wenn der Veranstalter es hätte verhindern können. Warum also kommt der DFB regelmäßig durch mit einer Rechtsauffassung, die mindestens problematisch ist?

In Würzburg gezündelt. Foto: Bernhard Grimm

Tabu-Thema Pyro

Und: Warum ist Pyrotechnik grundsätzlich verpönt – mit Ausnahme des Jahresendes, wenn die Menschen plötzlich Raketen und Böller frei kaufen dürfen (sie müssen lediglich alt genug sein), um sie dann nicht selten stockbesoffen abzufeuern? Wäre hier von Seiten des Verbands nicht endlich ein ehrlicheres Verhalten angebracht? Die aus Fankreisen seit Jahren geforderten Bereiche, in denen geschulte Personen legal Pyrotechnik einsetzen dürfen, wären ein wichtiger Schritt. Der DFB aber verweigert hier jedes Gespräch. Und solange sich die Vereine nicht einig sind und sich für ihre Fanszenen einsetzen, sitzt der Verband auch am längeren Hebel.

Gute, penetrante Argumente

Der Ball liegt jetzt jedenfalls bei den Fans von Eintracht Braunschweig. 12 Monate lang darf im Eintracht-Stadion nichts passieren – kein Rauch, kein Licht, kein Knall. Ansonsten wird es dem Verband eine Freude sein, das Urteil zu vollstrecken. Dass Eintracht sich dagegen wehren könnte – utopisch. Denn auch der BTSV hat bereits einige Schritte auf dem Weg zum „modernen Fußball“, zum konformen Teil des Fußballgeschäfts, hingelegt und sich in einigen Bereichen deutlich von seiner Lebensversicherung – der Braunschweiger Fanszene – entfernt. Auch das ist ein Grund dafür, warum diese Szene zuletzt immer wieder bockig reagierte. Wenn die auf dieses Urteil jetzt allerdings auch bockig reagiert ist der erste Teilausschluss von Fans im Eintracht-Stadion sicher.

Auch, wenn es schwer fällt, und auch, wenn man die Doppelmoral des DFB verflucht: Das darf nicht passieren. Denn mit Trotz ist dieser Streit nicht zu gewinnen. Da braucht es gute, penetrante Argumente. Es ist Zeit für eine neue, smartere Taktik. Vielleicht ist die Androhung einer Blocksperre ja der überfällige Auslöser dafür.

Till

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Dies ist eine Kolumne von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

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