Kommentar

Endspiel-Splitter: Patzer, Banner und ein Trainer-Gerücht

Am letzten Spieltag bekamen die Mannschaft und die Fans der Eintracht noch einmal einiges geboten. Nicht alles davon war positiver Natur. Foto: Agentur Hübner
Braunschweig. Schon der sportliche Teil des Endspiels zwischen Eintracht Braunschweig und dem FC Energie Cottbus war an Dramatik kaum mehr zu überbieten. Rund um das emotionale Treiben auf dem Rasen passierten unzählige kleine und große Geschichten. Till Oliver Becker hat ein paar davon zusammengetragen. 

Wo liegt eigentlich das Eintracht-Stadion?

Eines der Hauptargumente für gebührenfinanzierte Fernseh- und Radiosender ist die angebliche Qualität der Berichterstattung. Wer am Samstagnachmittag allerdings die Fernsehübertragung der Partie im NDR angeschaut hat, muss sich im falschen Film gefühlt haben. Hatte sich Matthias Cammann überhaupt auf dieses wichtige Spiel vorbereitet? Der Journalist leistete sich mehrere peinliche Patzer: Erst verlegte er das Eintracht-Stadion von der Hamburger Straße mal eben an die Bremer Brücke – dort spielt der VfL Osnabrück.

Handgezählte 25.000 Zuschauer wollte Cammann im Rund ausgemacht haben, bei einem offiziellen Fassungsvermögen des Eintracht-Stadions von etwas mehr als 23.000 Plätzen. Dann behauptete er, Eintracht-Keeper Jasmin Fejzic sei für den gesperrten Verteidiger Benjamin Kessel in den Kader gekommen. Den Kredit beim deutlich fachkundigeren Publikum hatte Cammann damit bereits früh verspielt.

Blamabel wurde es spätestens, als sich der Journalist beim Handelfmeter für die Eintracht sofort festlegte, das sei kein Strafstoß gewesen, um nach der Halbzeitpause kleinlaut zugeben zu müssen, dass es das Handspiel eben doch gab (und seine Redaktion ihm die entscheidenden Bilder also nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt hatte). Das Krönchen: Cammann blieb dabei, dass man das nicht pfeifen dürfe. Wer braucht denn auch Fakten, wenn er bereits eine Meinung hat?

Kam richtig gut: Choreo von den „Wanderers“ in Block 10 vor dem Spiel. Foto: Agentur Hübner

Eintracht ist nicht alles

Stell‘ Dir vor, Dein Team spielt gerade das wichtigste Match der Saison, und eine Handvoll Egozentriker aus den eigenen Reihen kapert den Moment, um Teile der Mannschaft zu beleidigen. Undenkbar? Ist aber passiert. Während die Löwen auf dem Rasen erschöpft den Klassenerhalt feierten, entrollten ein paar freiwillige Gehirnspender ein Transparent, auf dem sie BTSV-Verteidiger Felix Burmeister „zurück zur roten Pest“ wünschten, also zu Hannover 96. Bei denen hat Burmeister vor vielen Jahren nämlich mal in der Jugend und zweiten Mannschaft gespielt. Eine dämliche, anmaßende Botschaft – die Stimmung kippte, die Fans waren mal wieder mehr mit sich selbst beschäftigt als mit dem Support der Blau-Gelben.

Erinnerungen wurden wach an das Relegationsspiel, bei dem ein Böllerwurf katastrophale Folgen hatte auf die Unterstützung des Teams. Dieses Mal ging es allerdings gerade noch gut – die Fanszene muss jetzt trotzdem erneut ihre Selbstreinigungskompetenzen beweisen. Wer sich in einem solchen Spiel so verhält, für den ist Eintracht eben nicht alles. Und der sollte sich dann vielleicht ein anderes Hobby suchen. Der Hambührener Felix Burmeister jedenfalls hat am erfolgreichen Klassenerhalt der Eintracht deutlich mehr Anteil als diese Selbstdarsteller.

Gerüchten zufolge vor dem Aus bei Eintracht Braunschweig: Retter André Schubert. Foto: Agentur Hübner

André Schubert vor dem Aus? 

Kaum war die Partie angepfiffen, routierte auch bereits das Gerüchtekarussel. Inmitten der Spekulationen: Eintracht-Trainer André Schubert. Demnach sei es – egal, wie die Partie auch ausgeht – die letzte für den 47-Jährigen als Cheftrainer der Löwen. 

Dass der gebürtige Kasseler intern nicht unumstritten ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Kritiker werfen ihm, vorsichtig ausgedrückt, ein wenig diplomatisches Agieren vor. Die Frage ist allerdings, inwiefern ein Chefcoach nicht auch ein Diktator sein muss, um seinen Laden zusammenhalten und seine Spielidee umsetzen zu können. Bei den Fans jedenfalls ist der akribische Arbeiter Schubert durchaus beliebt, nicht zuletzt, weil sich der 47-Jährige zutraute, ein regelrechtes Himmelfahrtskommando zu übernehmen und erfolgreich abzuschließen.

Aber: Schuberts Erfolge sind auch anderswo nicht übersehen worden. Der erfolgreiche Klassenerhalt mit Eintracht Braunschweig ist ein starkes Bewerbungssschreiben für Jobs in höheren Ligen. Wer weiß, ob Andre Schubert einem solchen Angebot widerstehen kann. Wie herum auch immer sich hier etwas anbahnen könnte – Fragen von Journalisten zu seiner Person ist der Trainer gestern jedenfalls auffällig großräumig ausgewichen.

Achter-Vorsänger Thilo Goetz blieb nach seinem Flaggen-Ritual an einem Kamerastativ hängen. Das ging nochmal gut aus – genau wie das Spiel. Foto: Agentur Hübner

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Dies ist ein Beitrag von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

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