Falken-Manager Wilde: „Preisspirale dreht sich nach oben!“

5. Juni 2018 von
Für Devid Wilde ist während der Sommerpause allerhand zu tun. Foto: Harzer Falken
Goslar. Es ist Sommerpause im Eishockey. Für die Verantwortlichen trifft dies allerdings nicht zu, denn hinter den Kulissen wird fieberhaft die kommende Spielzeit vorbereitet. So auch bei Devid Wilde, dem Teammanager der Harzer Falken, der momentan dabei ist, am finanziellen Gerüst für den Oberligisten zu arbeiten.

Sportlich abgestiegen

Um die Harzer Falken stand es schlecht in den beiden vergangenen Spielzeiten. Zweimal in Folge war das Team aus Braunlage sportlich abgestiegen. Dazu kam es jedoch nicht, da aufgrund der finanziellen Unterschiede kein Regionalligist den Aufstieg wagte und demnach auch niemand in die vierthöchste deutsche Liga runter ging. Nun geht es abermals darum, sich aus dem sportlichen Keller nach oben zu arbeiten – was unmittelbar mit der finanziellen Situation verknüpft ist, denn nicht nur die Sprünge zwischen den Ligen sind groß, auch innerhalb der Oberliga driftet die Schere zwischen „arm“ und „reich“ immer weiter auseinander.

Preisspirale dreht sich nach oben

So spricht man von Etats am unteren Ende der Oberliga in Höhe von 300.000 Euro und an der Spitze von 1.500.000 Euro und mehr. „Da gibt es ein großes Problem!“, so Wilde. Und zwar trägt es den Namen Tilburg Trappers. Die Niederländer dürfen zwar am Ligabetrieb teilnehmen, jedoch nicht in die DEL2 aufsteigen. Bereits seit drei Spielzeiten ist die niederländische Nationalmannschaft, wie manche Fans den Seriensieger auch betiteln, Meister der Oberliga und blockiert damit den möglichen Aufstieg für andere Teams aus der Nordgruppe. „Wir finden es grundsätzlich gut dass Tilburg dabei ist, das schafft einen Anreiz. Es ist aber so, dass die finanzstarken Teams der Liga gerne aufsteigen würden. So nehmen die immer mehr Geld in die Hand und die gesamte Preisspirale dreht sich immer weiter nach oben.“

Beispiel Hannover Scorpions: Während der Deutsche Meister von 2010 in der Spielzeit 2016/2017 die Hauptrunde auf Platz 15 beendete und auch die Wedemark Scorpions zwar immerhin die Zwischenrunde erreichten, dort aber nichts zu melden hatten, kämpfte sich die mittlerweile aus beiden Teams fusionierte Mannschaft in der letzten Saison bis in das Halbfinale und scheiterte dort nur knapp gegen den Titelverteidiger. Der Hintergrund: Scorpions-Manager Eric Haselbacher hatte nach dem Zusammenschluss kurz vor Beginn der abgelaufenen Spielzeit angekündigt, dass man mittelfristig in die DEL2 aufsteigen möchte. So wurden spektakuläre Transfers getätigt, die natürlich Geld kosten. „Hannover möchte ganz oben mitspielen. Da fließt auch sehr viel Geld“, bestätigte uns zum damaligen Zeitpunkt Ex-Falken-Coach Norbert Pascha.

Aufwärtstrend in Sicht?

Davon kann kam im Oberharz momentan nur träumen, doch es scheint Licht am Ende des Tunnels zu geben. „Es wird gerödelt wie verrückt“, sagte der Falken-Manager und man sei „in progress“ zum aktuellen Status bezüglich Sponsoring und Marketingmaßnahmen. „Was ich allerdings schon sagen kann ist, dass wir neue Sponsoren hinzu gewinnen konnten, das Budget wird besser werden.“ Konkret wollte man sich nicht weiter äußern, doch Fakt ist: Das Team aus Braunlage verfügt nicht annähernd über die finanziellen Mittel, wie es im Beispiel der Landeshauptstädter der Fall ist. „Man kann am Ende nur das leisten, was man auch wirtschaftlich stemmen kann“, stellte Wilde fest und fügte hinzu: „Entweder man wirtschaftet vernünftig oder man ruiniert sich.“ Dabei bestreitet er nicht, dass auch Fehler begangen worden sind: „Man muss die Fehler und die Entwicklungen erkennen. Wir haben eine rabenschwarze Saison hinter uns, vor allem bezüglich der Verletzungsproblematik, aber das müssen wir abhaken.“ 

Wovon die Falken profitieren, sind die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer: „Wir sind auf den persönlichen Einsatz aller Beteiligten angewiesen. Eigentlich ist das jedes Jahr ein Zauberwerk, was wir hier auf die Beine stellen!“ Die Suche nach neuen Unterstützern gestaltet sich schwierig, es ist die Geduld potenzieller Sponsoren gefragt, denn „die Ligakosten sind deutlich schneller gewachsen als die Einnahmen. Wir können uns nur Schritt für Schritt entwickeln und das braucht Zeit.“ Dabei wünscht sich Wilde, dass man den Stellenwert der Harzer Falken in der Region erkennt und bezieht sich dabei auf die schwindenden Werbeträger. So sei seine Mannschaft auch für kleinere Investoren interessant: „Bei uns kann man auch für 300 Euro eine Bandenwerbung haben, aber viele Firmen schalten lieber eine einmalige Zeitungsannonce, ohne zu beachten, dass die dann eben nur einmal zu sehen ist.“ Überhaupt setzt man in Braunlage gern auf eine Vielzahl kleinerer Partner: „Es ist leichter von 20 Kleinunternehmern jeweils 300 Euro zu bekommen, als von einem einzigen 6000 Euro. Das Problem dabei – das ist enorm viel Arbeit, die alle abzuklappern, da es sehr viel Zeit kostet.“

Medienpartner
Anzeigen
Kontakt zur Redaktion
Sie erreichen unsere Redaktion 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche per
E-Mail: sport@regionalheute.de
und montags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr per
Telefon 05331 / 88 27-19
Anzeigen