Gerät langsam unter Zugzwang: Eintrachts Sportdirektor Peter Vollmann.
Gerät langsam unter Zugzwang: Eintrachts Sportdirektor Peter Vollmann. Foto: Agentur Hübner/Archiv
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17.01.2020

Fatale Signale: Was läuft da falsch bei Eintracht Braunschweig?

Ein Kommentar von Frank Vollmer


Braunschweig. Winterzeit, Transferzeit! Wo andere Klubs in der engen 3. Liga personell entscheidend nachbessern und zusammenwachsen, stottert bei der Braunschweiger Eintracht der Motor. Sportdirektor Peter Vollmann gerät langsam aber sicher unter Zugzwang. Noch bis zum 31. Januar hat er Zeit, den einen Spieler zu finden, "der sofort weiterhilft." Warum die Blau-Gelben nicht nur in diesem Punkt unglückliche Signale nach außen aussenden.

"Werden auf keinen Fall die 3. oder 4. Wahl verpflichten"


Selbst wenn der fähigste Fußballmanager der Welt sich keinen neuen Spieler backen kann, geben die sportlichen Planer der Eintracht zu Beginn des Kalenderjahres 2020 bisweilen keine sonderlich gute Figur ab. Das ist zwar kaum vergleichbar mit dem Chaos, welches derzeit knapp 67 Kilometer westwärts bundesweit für Gelächter sorgt, doch sind es die kleinen fatalen Signale, die vor allem Sportdirektor Peter Vollmann aussendet.

Auf der Tafel in Vollmanns Büro steht der Satz geschrieben: "Wir werden auf keinen Fall die 3. oder 4. Wahl verpflichten". Doch die Suche nach der 1. und 2. Wahl zeichnet sich schwieriger ab als erwartet. Die Spieler, die bisher im Gespräch waren, dürften wohl kaum dem hohen Anspruch genügen, der dort formuliert wurde. Braunschweigs Sportdirektor gerät nicht nur deshalb unter Zeitdruck: Mit jedem Tag, der in der Vorbereitung verstreicht, wird die Aufgabe größer und teurer. Und: Muss ein Fußballer, der sofort helfen soll, nicht eigentlich auch Trainingslager und Vorbereitung mit seinen neuen Mannschaftskollegen absolvieren?

Langfristige Planung sieht anders aus


Die bisherige Transfer-Bilanz von Peter Vollmann liest sich verheerend. Die im letzten September verpflichteten Kevin Goden und Patrick Kammerbauer waren bisher keine Bereicherung. Alfons Amade kam als Super-Talent aus Hoffenheim und hat tolle Ansätze gezeigt. Einsatzzeiten bekommt auch er nicht. Letzterer ist für sich allein genommen schon eine Warnung an jeden Bundesligisten, seine hochveranlagten Talente in dem Wunsch nach Spielpraxis bloß nicht in Braunschweig zu parken.

Auf Bewährung: Mike Feigenspan (re.) Foto: Agentur Hübner/Archiv


Reiß dir den Allerwertesten auf - wir zählen trotzdem nicht auf dich!


Weitere unnötig hausgemachte Probleme drohen die Mannschaft zusätzlich zu belasten. So ist es schleierhaft, unverständlich und für viele Fans wie ein Schlag ins Gesicht, dass man Mike Feigenspan nahelegte, den Verein zu verlassen. Das Argument "fehlende Entwicklung" ist dabei ebensowenig nachvollziehbar, wie die damit verbundene unterschwellige Ansage: Reiß dir den Allerwertesten auf, gib von uns aus alles - wir zählen trotzdem nicht auf dich! Nun gut, mittlerweile ist der Verein nach berechtigter Kritik zurückgerudert und Feigenspan darf "auf Bewährung" bleiben, aber das Fingerspitzengefühl mag taub sein, wo andere Spieler eine Alibi-Vorstellung nach der anderen abliefern und trotzdem die Startelf-Garantie vom Trainer erhalten.

Und wo wir gerade bei hausgemachten Problemen sind: Orhan Ademi kehrte im Sommer hochmotiviert an die Hamburger Straße zurück. Viele dachten: "Der ist als Typ gereift, der wird helfen. Und endlich wieder etwas Identifikation nach den schweren Zeiten." Pustekuchen! Ademi erhielt – warum auch immer – bisher keine realistische Chance sich zu beweisen. Es ist kaum verwunderlich, dass der 28-jährige St. Gallener mittlerweile schmollt und auf Einhaltung seines Vertrages bis 2021 pocht. Auch Ademi steht auf dem Abstellgleis, darf wieder gehen und trainiert mittlerweile schon gar nicht mehr mit der Mannschaft. Eine Trainingsgruppe 2 wie einst in Hoffenheim? Da kann man als Beobachter nur den Kopf schütteln.

Auf dem Abstellgleis: Orhan Ademi. Foto: Agentur Hübner/Archiv


Ein heftiger Umbruch droht im Sommer


Darüber hinaus droht im Sommer erneut ein heftiger personeller Umbruch. Gleich 15 Verträge laufen aus, darunter die von Niko Kijewski, Robin Becker, Steffen Nkansah, Danilo Wiebe und Marc Pfitzner. Auch Trainer Marco Antwerpern ist nur noch bis zum 30. Juni 2020 vertraglich an seinen Arbeitgeber gebunden. Sieht so langfristige und strategische Planung aus? Sollte sich diese Mannschaft nicht in dieser Saison einspielen, damit sie irgendwann reif ist für die Rückkehr in die 2. Bundesliga?

Bleibt nur zu hoffen, dass Peter Vollmann das liefert, was er in den letzten Wochen gebetsmühlenartig heruntergepredigt hat und Eintracht Braunschweig in der Rückrunde die Kurve kriegt. Wo aber mehr Fragen als Antworten sind, laufen die Signale in ihrer Summe in eine andere Richtung. Und das gibt kaum Grund zur Hoffnung auf Besserung.
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Dies ist ein Kommentar von Frank Vollmer. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der unserer Redaktion.







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