Für viele Eintracht-Fans ist Daniel Teixeira einer der größten Helden der 2000er.
Für viele Eintracht-Fans ist Daniel Teixeira einer der größten Helden der 2000er. Foto: privat
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14.03.2020

Gestern Eintracht, heute: Daniel Teixeira, der brasilianische Texaner

von Henrik Stadnischenko


Braunschweig. Vor einigen Jahren begeisterte die Eitner-Schanz-Produktion "Spiel mir das Lied vom Löwen" die Braunschweiger Wild-West-Fans. Doch schon Anfang der 2000er wehte ein Hauch von wildem Westen durch Braunschweig, wenn "Texas" wieder zugeschlagen hatte. "Texas" war der Spitzname von Daniel Teixeira.

"Liebenswürdig und fußballverrückt!"


Als wir versuchen ihn zu erreichen, fühlen wir uns ein wenig wie einer seiner damaligen Gegenspieler. Nahezu unerreichbar ist Daniel Teixeira, aber nach dem zehnten Anlauf können wir ihn dann endlich stellen. Für die lange Wartezeit haben wir vollstes Verständnis, denn Daniel Teixeira ist in Brasilien und besonders in Belo Horizonte – wo er seit seinem Karriereende wieder lebt – bekannt wie ein bunter Hund und mittlerweile als Geschäftsmann sehr gefragt.

Gefragter Geschäftmann: Daniel Teixeira. Foto: privat


Nach der Rückkehr in sein Heimatland hatte er vor Ort an der Universität Betriebswirtschaft studiert und beim brasilianischen Fußballverband eine Ausbildung im Bereich Fußball-Management genossen. Zudem arbeitete er während der Fußball-WM 2014 in Brasilien für die FIFA, bevor er für seinen Heimatverein Cruzeiro Belo Horizonte zum Direktor der Internationalen Abteilung aufstieg. „Heute habe ich eine Fußballarena in Belo Horizonte. Meine Partner Gilsinho, Alexandre Faria und Tuti veranstalten hier vor Ort eine Fußballschule, Shows und Musik für bis 15.000 Menschen. Insbesondere die Fußballschule bereitet mir große Freude, ich möchte in Zukunft einige Spieler nach Europa bringen und plane in naher Zukunft Partnerschaften mit deutschen Vereinen abzuschließen. Aktuell bekomme ich immer wieder Besuche aus Deutschland und stehe weiterhin mit vielen Freunden in Kontakt."

Teixeira hält Kontakt, versucht mehrmals im Jahr nach Deutschland zu fliegen. "Meine mittlere Tochter ist in Braunschweig geboren und meine größte Tochter wird dieses Jahr nach Deutschland ziehen, um dort Physik zu studieren“, sagt Daniel Teixeira, der große Freude darüber empfindet, dass sich immer noch Menschen an ihn erinnern: „Eintracht Braunschweig ist ein besonderer Verein, für den ich sehr gerne gespielt habe und der für immer in meinem Herzen bleiben wird. Zu Braunschweig braucht man nicht viel sagen, wer einmal da war erkennt sofort den Charme dieser Stadt. Zwei Worte beschreiben Braunschweig perfekt: liebenswürdig und fußballverrückt“, betont „Texas“.

So oft es geht zu Besuch in Braunschweig. Foto: privat


"Aufgeben ist keine Option"


Überraschend ist seine Antwort auf die Frage hin, an welches Spiel er sich besonders gerne zurückerinnert. Einige Fans würden wahrscheinlich denken es ist das Wattenscheid-Spiel, nach dessen glücklichen Ende die Rückkehr in die zweite Liga gefeiert werden konnte, doch Teixeira hat verständlicherweise ein anderes Spiel auf dem Schirm – die Partie gegen Fortuna Düsseldorf in der Aufstiegssaison.

„Diese Partie werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Wir lagen 0:2 zurück und viele hatten uns schon abgeschrieben. Bei einer Niederlage wäre der Aufstieg futsch gewesen. Doch innerhalb des Teams war Aufgeben keine Option. Auch wenn ich drei Tore an diesem Tag geschossen habe, gewonnen haben wir als komplette Mannschaft“, erklärt der heute 51-Jährige mit großer Freude. An die alles entscheidende Partie gegen die SG Wattenscheid 09 und die darauffolgende Aufstiegsfeier blickt er positiven Gefühlen zurück, wenngleich ihn in diesem Spiel ein Schicksalsschlag ereilte.

„Die Erinnerungen sind selbst nach über zehn Jahren noch präsent. Wir waren uns alle unserer Verantwortung sehr bewusst. Wir wussten wie wichtig ein Aufstieg für den Verein wäre. Wir wussten aber auch wie besorgt die Fans waren, dass es vielleicht mit dem Aufstieg nicht klappen könnte. Deshalb waren wir umso motivierter, obwohl ich einige Tage zuvor nicht richtig schlafen konnte. Also nicht nur die Fans, sondern auch wir Spieler waren aufgeregt. An die Stunden nach dem Spiel erinnere ich mich sehr gerne, insbesondere habe ich noch einige Videos von den zahlreichen Partys. Das Spiel wird mir leider auch negativ in Erinnerung bleiben, weil ich mir das Kreuzband gerissen hatte. Trotzdem hat mich dies nicht davon abgehalten mit den Jungs den Aufstieg ausgelassen zu feiern “, erklärt Teixeira schmunzelnd.

Familienmensch Daniel Teixeira. Foto: privat


Von Peter Vollmann an die Oker geholt


Den Weg nach Braunschweig fand Daniel Teixeira dank des heutigen BTSV-Sportdirektors und damaligen Cheftrainers Peter Vollmann. „Als Braunschweig anfragte, war ich zuvor mit Union Berlin die zweite Liga aufgestiegen, jedoch suchte ich eine neue Herausforderung. Peter Vollmann kannte ich schon aus meiner Zeit in Uerdingen, deshalb fiel es mir nicht schwer nach Braunschweig zu wechseln. Zumal ich es spannend fand einen Traditionsverein wie Braunschweig zurück in die zweite Liga zu führen“, so der 51-Jährige, der immer noch in höchsten Tönen von den Eintracht-Fans schwärmt.

„Die Fans waren ausgesprochen wunderbar und wundervoll zu mir. Immer wenn ich in der Stadt bin, werde ich sofort erkannt, sehr freundlich angesprochen und die Leute bedanken sich selbst heute noch bei mir. Als ich zuletzt in Braunschweig war, habe ich vom Verein ein Trikot mit meinem Namen bekommen – ein schönes persönliches Geschenk. Ich freue mich immer wieder alte Freunde in Braunschweig zu treffen, sei es Marcos Barros oder Kosta Rodrigues“, so der ehemalige Eintracht-Stürmer, der gegenüber regionalsport.de erklärt, warum er 2003 den Verein wieder verließ.

Abschied wider Willen


Der Abstieg in die Regionalliga Nord war nicht der Grund: „Ich wollte damals sehr gerne in Braunschweig bleiben, habe sogar eine Gehaltsreduzierung um 50 Prozent akzeptiert. Eintracht wollte jedoch leider nicht, dass ich bleibe. Manager Wolfgang Loos hat mir dann mitgeteilt, dass die Eintracht nicht mehr mit mir plant. Ich glaube, der damalige Trainer Uwe Reinders konnte wohl nicht viel mit mir anfangen. Wie gesagt, ich wäre gerne geblieben und hätte versucht mit der Eintracht zurück in die zweite Liga zu kommen“, erklärt „Texas“, der zum Abschluss unseres Gesprächs der Eintracht nur das Allerbeste wünscht. „Die Fans sollten den Glauben an den Aufstieg nicht aufgeben. 2002 mussten wir auch bis zur letzten Minute warten. Es wird ein schwieriger, steiniger Weg, da die Tabelle sehr eng ist, aber es lohnt sich geduldig zu bleiben.“

Teil 8: Marjan Petkovic


Teil 7: Dirk Weetendorf


Teil 6: Frank Edmond


Teil 5: Ahmet Kuru


Teil 4: Dennis Brinkmann


Teil 3: Jan Tauer


Teil 2: Marco Grimm


Teil 1: Michél Dinzey





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