Der stürmende Schnauzer: Günter Keute umkurvt am 4. April 1981 Kaiserslauterns Schlussmann Ronnie Hellström.
Der stürmende Schnauzer: Günter Keute umkurvt am 4. April 1981 Kaiserslauterns Schlussmann Ronnie Hellström. Foto: imago/Rust
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04.06.2020

Gestern Eintracht, heute: Günter Keute, der Kämpfer

von Henrik Stadnischenko


Braunschweig. Müsste man Günter Keute mit einem Wort beschreiben, dann würde man mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bei "Kämpfer" halt machen. Bei den Fans hatte er den Ruf als 'Mister 110 Prozent' weg, denn egal, wie es stand, Keute ackerte sich für die Eintracht in jeder Partie ab.

"Heutzutage würde ich mich nicht mehr so auf die Straße trauen!"


Die Netflix-Serie 'Tiger King' genießt fast schon Kultstatus. Diese Dokumentarserie begleitet den selbsternannten 'Tiger King' Joe Exotic, der 1999 in den USA einen Privatzoo für Großkatzen gründete. In den sozialen Netzwerken kursiert seit Wochen ein Bild mit dem Zusatz „Joe Exotic spielte für Eintracht Braunschweig“. Auf dem Bild zu sehen mit langen Haaren und breitem Schnäuzer ist einer der Kultspieler der Eintracht aus den Achtzigern – Günter Keute.

„Damals war das eben modern, heutzutage würde ich mich auch nicht mehr so auf die Straße trauen. Wobei die Corona-Krise dafür gesorgt hat, dass die Haare und der Bart länger geworden sind. Ehrlich gesagt, fand ich die Trainingsanzüge in den Achtzigern viel schlimmer. Heutzutage hat jeder Kreisligist bessere und optisch schönere Klamotten, als wir sie damals hatten“, erklärt Günter Keute heute, der 1980 vom kleinen SV Hüsten 09 zur großen Eintracht nach Braunschweig gewechselt war.

Dass der 64-Jährige bei den Fans von Eintracht Braunschweig besonders beliebt war, sieht man an der Fanpost, die er über Jahre hinweg bekam: „Ich kriege immer noch mehrmals im Jahr Zuschriften aus Braunschweig. Der lustige Brief war verbunden mit der Aufforderung, einer meiner Söhne sollte Fußball spielen und Eintracht Braunschweig wieder nach oben schießen, das Kämpfer-Gen wird er schon haben“, erklärt der Ex-Stürmer schmunzelnd.

Einfach Kult: Keute in der Mauer. Foto: imago/Kicker/Liedel


"Jedes Heimspiel war die Hölle los!"


Auf die Frage, was er mit Eintracht Braunschweig verbindet, kommt ohne zu zögern: „Eine tolle Kameradschaft und noch bessere Fans. Ich habe wirklich gerne in der Truppe gespielt. Ob Hasse Borg, Reiner Hollmann, Bernd Franke, Reinhard Kindermann – alles erstklassige Fußballer. Die Zuschauer waren fantastisch, jedes Heimspiel war die Hölle los“, erzählt der ehemalige Angreifer. Doch warum hat sich Günter Keute zum Kultspieler entwickelt? „Ich habe versucht mich in jedem Spiel reinzuhauen. Selbst wenn ich von der Bank kam wollte ich der Mannschaft helfen und das geht nun mal am besten mit Laufen und Kämpfen“, betont Keute.

Dabei war er selbst ein Spätzünder, schaffte erst mit 25 Jahren den Sprung in den Profifußball: „Ich hatte zwischenzeitlich immer wieder Angebote von Profivereinen, aber es hat irgendwie nicht gepasst oder es kam etwas dazwischen. Trotzdem bin ich stolz auf meine Karriere und am Ende überhaupt den Sprung in den Profibereich geschafft zu haben. Die Zeit bei der Eintracht war unglaublich“, so der Ex-Löwe.

Tore, Tore, Tore!


Unglaublich waren auch seine Tore, beispielweise gegen Rot-Weiss Essen: Einwechslung, Kopfball, Tor! Keutes Treffer gegen Eintracht Frankfurt sorgte für den ersten Eintracht-Sieg seit Jahren gegen die SGE. Doch das absolute Hightlight ist für ihn das Tor in München gegen den FC Bayern: „Das war schon was. Wer trifft in seiner Karriere gegen die großen Bayern und dann auch noch gegen die Jean-Marie Pfaff? An den Treffer erinnere ich mich sehr gerne zurück, für mich ein sehr spezieller und emotionaler Moment. Emotional waren auch meine beiden Tore gegen Werder Bremen: Der Trainer hatte mich ohne Begründung auf die Bank gesetzt und Ronnie Worm von Anfang an aufgeboten. Ich bin voller Wut ins Spiel rein, traf zwei Mal und bin nach dem Spiel schnell nach Hause gefahren – die Journalisten ließ ich links liegen. Heute muss ich sagen, ein total idiotisches Verhalten, aber damals habe ich es als richtig empfunden“, schmunzelt Keute.

Die Zeit beim BTSV verbindet er nur mit positiven Erinnerungen, nur beim Gedanken an seinen damaligen Trainer Aleksandar Ristic hat Günter Keute gemischte Gefühle. Ristic war es, der nicht mehr auf Keute baute, und so musste dieser 1984 die Eintracht verlassen. „Taktisch, spielerisch war Ristic ein guter Trainer, aber menschlich hatte er große Defizite. Es gibt Spieler die brauchen nur einen Arschtritt und dann gibt Spieler die brauchen auch ein paar zwischenmenschliche warme Worte, um ihre Leistung abzurufen. Ich bin mit ihm nicht warm geworden“, verrät der Ex-Löwe.

Begehrte Autogrammkarte bei den Fans! Foto: privat


"Der Fußball hat an Attraktivität eingebüßt!"


Mit dem heutigen Fußball kann Günter Keute wenig anfangen. „Natürlich gucke ich noch Fußball und bin optimistisch, dass die Eintracht aufsteigen wird. Gegen Viktoria Köln sah es sehr gut aus. Zwei Dinge stören mich in der heutigen Zeit: Zum einen kriegen die Spieler hohe Gehälter, selbst wenn sie auf der Bank sitzen. Wir hatten damals Leistungsbezogene Verträge, die zwar gut dotiert waren, aber man musste erst Leistung bringen. Zum anderen wird immer gesagt, der Fußball ist schneller geworden. Mag sein, dass er schneller geworden ist, aber er hat an Attraktivität eingebüßt. Es gibt Trainer, die freuen sich über ein 0:0. Vielleicht sehe ich das falsch, aber ich finde der Fußball soll die Zuschauer unterhalten. Ein 3:3 sehe ich mir lieber an als ein 0:0. Möglichweise bin ich zudem altmodisch, aber ich finde der klassische Spielmacher fehlt in der heutigen Zeit. Wenn ich dann lese, Mannschaft X hatte 70 Prozent Ballbesitz, aber nur zwei Torchancen, da würde ich durchdrehen als Trainer“, lautet die Einschätzung von Günter Keute.

Abschließend hat Keute noch eine amüsante Geschichte aus seiner Braunschweiger-Zeit parat: „Wenn wir Grill-Abende gefeiert haben, waren meistens auch die Frauen dabei. Wir saßen in einem Garten mit großem Fischteich, als auf einmal meine Frau im Spaß sagte: 'Für 1.000 DM spring ich in den Teich und schwimm eine Runde.' Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie die 1.000 DM – zusammengelegt von meinem Mannschaftskollegen – auf dem Tisch lagen. Ich habe ihr dann aber erklärt, sie könne dies nicht machen, eine solche Meldung steht im nächsten Tag in der Zeitung“, sagt Günter Keute lachend.

Günter Keute heute. Foto: privat


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