Durch seine eher unkonventionelle Spielweise wurde "der King" schnell ein Publikumsliebling in Braunschweig, hier am 1. August 2009 im DFB-Pokal gegen Lauterns Kevin Trapp.
Durch seine eher unkonventionelle Spielweise wurde "der King" schnell ein Publikumsliebling in Braunschweig, hier am 1. August 2009 im DFB-Pokal gegen Lauterns Kevin Trapp. Foto: Frank Vollmer
Anzeige

Artikel teilen per:

19.03.2020

Gestern Eintracht, heute: Kingsley Onuegbu, der königliche Sturmtank

von Henrik Stadnischenko


Braunschweig. Für die Braunschweiger Eintracht liefen seit ihrer Gründung viele prominente Spieler im Stadion an der Hamburger Straße auf. Selbst ein König gab sich schon die Ehre. Sein Name: Onuegbu.

Der nigerianische Sturmtank


Selbst mit 34 Jahren fühlt sich Kingsley Onuegbu topfit und beweist dies seit 2018 auf Zypern. Für den zypriotischen Erstligisten Nea Salamis konnte er in dieser Spielzeit bereits 14 Tore in 22 Spielen erzielen. Aufgrund der „Corona-Krise“ wurde auch auf der Insel der Fußballbetrieb gestoppt. Doch Kingsley Onuegbu macht das beste aus der unfreiwilligen Auszeit und plant von zu Hause aus sein Herzensprojekt – eine Fußballakademie in seiner nigerianischen Heimatstadt Kaduna.

„Ich habe vom lieben Gott ein wunderbares Leben geschenkt bekommen und sehe es als Pflicht an Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Ich möchte den Kindern in meinem Heimatland eine Perspektive schenken. Ziel ist es einigen Spielern die Möglichkeit von Probetrainings bei europäischen Vereinen zu ermöglichen. Viele Menschen können sich leider nicht vorstellen, wie schwierig das Leben in Afrika ist und meistens der Fußball die einzige Möglichkeit ist, ein besseres und schöneres Leben zu erreichen“, erklärt der ehemalige Sturmtank der Braunschweiger Eintracht.

Doch nicht nur im sozialen Bereich versucht er einen positiven Eindruck zu hinterlassen, auch seine persönliche Weiterbildung spornt ihn an. Seit kurzem hat er am IST-Studieninstitut sein Diplom in Sportmanagement abgeschlossen: „Viele Fußballer vergessen leider, dass sie nur einen kleinen Teil ihres Lebens als Profisportler verbringen dürfen. Entweder hat man bis dahin finanziell ausgesorgt oder bereitet sich auf sein Leben nach der aktiven Karriere vor. Meistens steht man nach dem Karriereende da und fragt sich: 'Was mach ich jetzt'. Deshalb ist es mir wichtig mich immer weiterzubilden“, so Onuegbu.

17 Tore in 58 Spielen für Eintracht Braunschweig zwischen 2008 und 2010. Foto: Frank Vollmer


Die Eintracht stets im Blick


Obwohl der „King“ schon seit über zehn Jahren nicht mehr für die Eintracht spielt verfolgt er die Entwicklung immer noch genau, auch weil ein guter Freund von ihm in unserer Löwenstadt spielt: „Mit Bernd Nehrig bin ich in regelmäßigem Austausch, wir kennen uns seit der gemeinsamen Zeit in Fürth. Ich wünsche dem Verein, dass er wieder die Rückkehr mindestens in die zweite Liga schafft. Wichtig ist jedoch, dass stabil und mit Ruhe im Verein gearbeitet wird. Vor allem müssen die richtigen Menschen am Werke sein, die Menschen denen der Klub wirklich am Herzen liegt. Durch meine zwei intensiven Jahre habe ich die Eintracht und besonders die Fans in mein Herz geschlossen“, betont der bullige Angreifer.

Doch nicht nur wegen der Eintracht ist die Beziehung zu Braunschweig eine besondere: „Der deutsche Teil meiner Familie lebt in der Nähe von Braunschweig. Meine kleine Schwester ist glücklich verheiratet und hat vor kurzem eine Tochter zur Welt gebracht. Selbst zu den Eltern meiner Ex-Freundin habe ich noch guten Kontakt und wenn ich in der Nähe bin, fahre ich auf ein Glas Wein vorbei. Wir unterhalten uns dann häufig über die Situation der Eintracht“, berichtet der 34-Jährige schmunzelnd.

Onuegbu war auch im Duisburger Dress ein gern gesehener Gast in Braunschweig, hier mit Frank. Foto: privat


"Mir war Kreativität immer wichtig!"


Die Frage, warum er so schnell Publikumsliebling geworden ist und ob dies mit seiner manchmal unkonventionellen Spielweise zu tun hat, kann er selbst nicht genau beantworten: „Ich bin Instinktfußballer und komme von der Straße. Dementsprechend kann ich mich glaube ich schlechter an Vorgaben halten als jemand der aus einem Nachwuchsleistungszentrum kommt. Mir war es immer nur wichtig meine Kreativität ausleben zu können. Der Fußball wird nicht mit dem Fuß gespielt, sondern mit dem Kopf. Der Kopf gibt die Ideen und die Richtung vor, die Füße folgen“, sagt der „King“.

Der Weg von Kingsley Onuegbu ist dahingehend auch ein interessanter Weg, weil er erst mit 19 Jahren in einem Verein spielte. Zuvor gab es nur Duelle auf der Straße. Den Traum vom Profifußball gab er trotzdem nicht auf: „Wenn man vieles im Leben durchgemacht hat, so wie ich, ist Aufgeben oder gar Scheitern keine Option. Mir war von Anfang an bewusst, der Weg wird sehr steinig, trotzdem habe ich mir geschworen eher laufe ich jeden Tag mit blutigen Füßen herum, als dass ich mein Ziel aus den Augen verliere. Ich danke dem lieben Gott jeden Tag für meinen starken Charakter und meine Persönlichkeit. Jetzt versuche ich meine Ziele für das Leben nach dem Fußball zu erreichen“, verdeutlicht der 34-Jährige.

Legendäre Gesichter! Foto: Frank Vollmer


Karriere in Gefahr mit 24


Nach 59 Spielen und 17 Tore wechselte Onuegbu 2010 zum Zweitligisten Greuther Fürth. Viele Stimmen hielten von diesem Wechsel nichts, warnten ihn, er könnte damit seine Karriere gefährden und der Wechsel käme zu früh. Doch der damals 24-Jährige wollte den Wechsel unbedingt. In Fürth konnte er sich jedoch verletzungsbedingt nicht durchsetzen: „Dass ich damals nach Fürth gegangen bin werde ich niemals als Fehler ansehen. Ich war jung und wollte unbedingt die Chance nutzen mich in der zweiten Liga zu zeigen. Bis zu meiner schweren Verletzung habe ich immer gespielt und gute Leistungen gebracht. Verletzungen gehören leider zum Geschäft. Entweder machen sie einen stärker oder sie lassen dich zerbrechen. In meinem Fall war es so kompliziert, dass mir die Ärzte sagten, unter Umständen kann ich nie wieder Fußball spielen. Die Rückkehr auf den Platz habe ich nur geschafft, weil mich die positiven Gedanken, mein Charakter und meine Mentalität mich nicht aufgeben lassen haben“, stellt Onuegbu klar.

Doch nicht nur sein absoluter Wille hat ihn in Braunschweig zum Publikumsliebling werden lassen, sondern auch dass er den Ruf als „Spaßvogel“ innehatte. Deshalb wünscht er sich auch mehr Gelassenheit in der Gesellschaft: „Es ist vollkommen normal, dass die Menschen unterschiedlich sind. Jedoch sind viele zu ernst, zu verkrampft und nehmen sich den Spaß am Leben. Natürlich gibt es Situationen im Leben in den man keinen Spaßvogel braucht und die Ernsthaftigkeit wichtig ist. Genauso gibt es aber Situationen im Leben, in denen die Menschen schlecht gelaunt durch die Gegend laufen, obwohl es überhaupt keinen Grund dafür gibt. Ich kann den Leuten nur sagen genießt das Leben“, sagt der „King“ abschließend.

14 Tore in 22 Spielen für den zypriotischen Erstligisten Nea Salamis. Foto: privat


Teil 10: Leo Maric


Teil 9: Daniel Teixeira


Teil 8: Marjan Petkovic


Teil 7: Dirk Weetendorf


Teil 6: Frank Edmond


Teil 5: Ahmet Kuru


Teil 4: Dennis Brinkmann


Teil 3: Jan Tauer


Teil 2: Marco Grimm


Teil 1: Michél Dinzey



Artikel teilen per:

zur Startseite

Sport Videonews