238 Mal für Eintracht Braunschweig: Kosta Rodrigues.
238 Mal für Eintracht Braunschweig: Kosta Rodrigues. Foto: Agentur Hübner/Archiv
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29.05.2020

Gestern Eintracht, heute: Kosta Rodrigues, der Freistoßkünstler

von Henrik Stadnischenko


Braunschweig. Die Mutter stammt aus Indien, der Vater aus Portugal und auch sein Name klingt exotisch. Doch während seine Herkunft exotisch nicht sein könnte, fühlt sich seine jahrelange sportliche Heimat äußerst vertraut an. Mehr als 200 Mal beackerte Konstantinos Elvis Rodrigues, kurz Kosta Rodrigues, die linke Seite im Eintracht-Stadion.

Die perfekte Ecke


Immer dann, wenn die Standardsituationen mal wieder reihenweise wirkungslos verpuffen, wünschen sich nicht wenige Eintracht-Fans in die aktiven Zeiten von Kosta Rodrigues zurückversetzt. Ob Freistoße oder Eckbälle, wenn Rodrigues antrat, konnte man sicher sein, die Bälle fliegen gefährlich vor das Tor. „Eine gut getretene Ecke hat für mich die gleiche Wertigkeit, wie eine Torchance im Spiel. Deshalb finde ich es persönlich sehr wichtig, dem Eckball- oder auch dem Freistoßtraining eine hohe Wichtigkeit einzuräumen“, erklärt Rodrigues, der nicht umsonst die Beinamen „Eckenkönig“ oder „Freistoßkünstler“ trug.

Doch wie sieht eine optimal getretene Ecke aus? „Du musst unter den Ball kommen und diesen mit einer Mischung aus Kraft und Gefühl auf Richtung Elfmeterpunkt bringen. Der Zielspieler sollte dann eigentlich nur noch seinen Kopf hinhalten. Viele werden lachen, aber auch die Qualität des Balls spielt eine große Rolle. Wir hatten zwischendurch Bälle der Marke Molten. Nach zweimaligen Training wusste man, warum die Firma normalerweise Basketbälle produziert“, erklärt Rodrigues schmunzelnd.

Gut ausgebildet in der Jugend von Eintracht Frankfurt. Foto: Agentur Hübner/Archiv


Ein holpriger Start


Insgesamt 238 Mal stand der heute 40-Jährige für Eintracht Braunschweig auf dem Feld. Dabei lief sein Start in Braunschweig im Sommer 1999 alles andere als optimal: „Der damalige Trainer Reinholz Fanz lud mich zum Probetraining ein. Ich bekam die Vorabinfo, dass mich jemand vom Hauptbahnhof abholen und mich zum Stadion bringen sollte. Nur wartete ich vergebens. Irgendwann bin ich mit dem Taxi alleine zum Stadion gefahren. In dem Augenblick dachte ich mir: 'Man merkt regelrecht, wie gerne mich der Verein verpflichten möchte' “, blickt der Linksfuß sich augenzwinkernd zurück.

Doch Rodrigues blieb und fasste Fuß in Braunschweig. Denkt man an dessen aktive Zeit, kommt einem ein Treffer Rot-Weiß Oberhausen in den Sinn. Aus gut 30 Metern zog die damalige Rückennummer 24 ab, und der Ball prallte von der Unterkante der Torlatte ins gegnerische Netz. Doch als schönstes oder gar emotionalstes Tor würde Rodrigues diesen Treffer gar nicht bezeichnen: „Ehrlich gesagt finde ich die Treffer gegen Hansa Rostock und den VfB Lübeck schöner, aber das ist meine persönliche Meinung. Den größten persönlichen Stellenwert hat jedoch meine Vorlage auf Dirk Weetendorf im Aufstiegsendspiel gegen Wattenscheid. In diesem Spiel ging es einzig und allein, um den Erfolg der Mannschaft, deshalb war mir wichtig, in der Situation uneigennützig zu agieren und nicht den Abschluss selber zu suchen. Wobei man sagen muss, dass ich trotz der Anspannung und Nervosität, die auf der Mannschaft lag, einen sauberen Pass auf Weete spielen konnte gleicht schon einem Wunder“, grinst Rodrigues, der auch sehr gerne auf die folgende Aufstiegsfeier zurückblickt.

Bei den Fans genießt Kosta Rodrigues auch heute noch einen hohen Stellenwert. Foto: Agentur Hübner/Archiv


"Ich hätte fast geheult!"


Er hatte damit gerechnet, die Fans würden ihn trotz des tollen sportlichen Erfolges auspfeifen – schließlich stand zu diesem Zeotpunkt bereits fest, dass Kosta Rodrigues zu Hannover 96 wechseln würde. „Auf dem Rathausbalkon war mir nicht zu feiern zumute. Ich wollte im Hintergrund bleiben, um meinen Teamkameraden mögliche Pfiffe zu ersparen. Doch zu meiner Überraschung riefen die Fans meinen Namen und ich bekam minutenlang Applaus. Ich hätte fast geheult, weil ich damit nicht gerechnet hätte. Die Eintracht-Fans zeichnen sich eben durch Empathie und Feingefühl aus“, ist sich Rodrigues sicher.

"Als Trainer sollte man authentisch sein!"


In Hannover wurde er bekanntlich nicht glücklich und nach einem Abstecher zum 1. FC Saarbrücken landete Rodrigues 2004 wieder bei „seiner Eintracht“ und blieb bis 2009. In dieser Zeit erlebte er spannende, hitzige Pokalduelle und 2005 einen weiteren Aufstieg. Trainer Michael Krüger prägte ihn besonders: „Michael war eine Persönlichkeit. Er hat sich nicht nur mit dir als Fußballer auseinandergesetzt, sondern auch mit dir als Mensch. Im Bereich Menschenführung und zwischenmenschlicher Töne habe ich sehr viel von ihm lernen können. Als Trainer sollte man authentisch sein. Du musst hinter deinem Weg und Plan stehen, den du vorgibst. Fußball beinhaltet nicht einfach nur Floskeln, die du runterratterst, sondern viele Facetten und Nuancen“, erklärt Kosta Rodrigues, der selbst anstrebt, in Zukunft die Fußballehrer-Lizenz zu machen.

Der immer wieder aufkeimende Wunsch vieler Eintracht-Fans, ihn im Profiteam einzubinden, erfüllt ihn mit Stolz: „Natürlich ist es ein großer Traum, irgendwann für die Eintracht-Profimannschaft arbeiten zu dürfen. Dennoch bin ich nicht in der Position, um irgendwelche Ansprüche zu stellen. Langfristig möchte ich gerne im Profifußball angekommen. Für mich war es von Beginn an wichtig, im Nachwuchsbereich und im höherklassigen Amateurfußball Erfahrungen zu sammeln, um so das Trainerdasein von der Pike auf zu lernen. Derzeit versuche ich mich als Trainer aus- und weiterzubilden. Sei es in Form von Büchern oder Online-Seminaren. Mir macht die Tätigkeit als Coach unheimlich viel Spaß, insbesondere die Entwicklung von Spielern miterleben zu dürfen füllt mich sehr aus“, betont der gebürtige Rüsselsheimer.

Von der Pike auf: Seit Anfang 2018 Trainer bei Freie Turner Braunschweig. Foto: Agentur Hübner/Archiv


Mit der Eintracht alles durchgemacht


Fragt man Kosta Rodrigues nach einem Fanlied, das seine Karriere beschreiben würde, kann es eigentlich nur eines sein: 'Eintracht ist mein Verein und er wird's immer sein …' „Ich habe mit der Eintracht alles durchgemacht. War der Held, war der Buhmann. Ich habe Höhepunkte erlebt, genauso wie ich Tiefpunkte erfahren musste. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, ich würde die gleiche Karriere erneut nehmen. Die Eintracht ist zu meinem Herzensverein geworden“, erklärt der Ex-Löwe, der davon überzeugt ist, dass die Fans in der kommenden Spielzeit wieder Zweitligafußball im Eintracht-Stadion sehen werden – unter einer Bedingung: „Es müssen sich innerhalb der Mannschaft Leader und Führungsspieler bilden. Das fehlt mir die bisherige Saison komplett. Wenn man aufsteigen will, braucht man Typen, die vorangehen und marschieren. Normalerweise sind die Fans der große Vorteil der Eintracht, jetzt muss es eben ohne Fans gehen. Jeder einzelne Spieler muss sich bewusst machen, welche Chance er bekommt. Wenn die Jungs wirklich wollen, dann werden sie es auch schaffen. Von der Qualität her sind wir einer der Favoriten, jetzt geht es darum als Mannschaft, als Eintracht aufzutreten“, gibt Rodrigues mit auf den Weg.

Freistoßkünstler: Kosta Rodrigues wusste mit ruhenden Bällen etwas anzufangen. Foto: Agentur Hübner/Archiv


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