Beweglich und schwer zu greifen: Peter Lux fühlte sich wohl im Mittelfeld, hier beim 4:2 gegen den FC Schalke 04 am 16. März 1985.
Beweglich und schwer zu greifen: Peter Lux fühlte sich wohl im Mittelfeld, hier beim 4:2 gegen den FC Schalke 04 am 16. März 1985. Foto: imago/Rust
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17.06.2020

Gestern Eintracht, heute: Peter Lux, der Pokalsieger aus Salzgitter

von Henrik Stadnischenko


Braunschweig. Die Achtzigerjahre waren für Eintracht Braunschweig mehr Schatten denn Licht. Als Kind unserer Region nutzte Peter Lux diese Zeit trotzdem und schaffte den Durchbruch im Profifußball. Insgesamt 227 Mal lief er in der Bundesliga auf, 141 Mal trug er das Trikot des BTSV. Sein größter Erfolg gelang dem gebürtigen Salzgitteraner jedoch beim Hamburger SV, mit dem er 1987 den DFB-Pokal gewann.

"Das Einzige was ich wollte war kicken"


Neben Michael Geiger war Peter Lux zu seiner Zeit das Top-Talent der Eintracht. Dass Lux vor einer glorreichen Karriere stehen könnte, sah man schon frühzeitig, denn bereits mit 18 Jahren stand er im Eintracht-Kader, der die Bundesliga-Aufstiegsspiele gegen Kickers Offenbach absolvierte. Auf sein Debüt im Profifußball musste er trotzdessen ein wenig warten, aber am zweiten Spieltag der Saison 1981/82 war es dann soweit, als Lux eine Viertelstunde vor Schluss für Ronnie Worm in die Partie kam. Und die Eintracht hatte wieder einen Bundesligadebütanten, der aus der Region stammt.

„Als Salzgitteraner war der Augenblick doppelt so schön: Bundesligadebüt und dann noch für Eintracht Braunschweig“, berichtet Peter Lux heute. Zwar kam der Mittelfeldspieler in der besagten Spielzeit noch zu weiteren Einsätzen, doch zum absoluten Durchbruch dauerte es bis in die Saison 1983/1984 hinein – dies aber mit voller Wucht. Stammspieler, Leistungsträger und achtfacher Torschütze. Peter Lux war endgültig in der Bundesliga angekommen. Die Leistungen es jungen Braunschweigers blieben auch dem DFB nicht verborgen und so nominierte DFB-Trainer Erich Ribbeck den jungen Eintracht-Mittelfeldspieler für den Olympia-Kader, der an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles teilnehmen durfte.

Wenn man Leistungsträger seiner Mannschaft ist, dazu für die Olympia-Auswahl nominiert wird, läuft man da nicht Gefahr als junger Spieler abzuheben? „Nach meinem ersten Bundesligaspiel bin ich ein wenig abgehoben, was meiner Meinung nach auch vollkommen normal war. Meine Eltern haben schnell dafür gesorgt, dass ich am Boden bleibe und, dass habe ich über meine gesamte Karriere hinweg auch gut hinbekommen. Ich wollte nie als etwas Besseres oder Besonderes gesehen werden. Mein Freundeskreis ist über die Jahre gleichgeblieben. Ich habe mir auch nicht rausgenommen, ich könnte mir alles erlauben, nur weil ich in Braunschweig bekannt war. Wenn ich ehrlich bin, fand ich es sogar ein wenig unangenehm in der Öffentlichkeit zu stehen. Das Einzige was ich wollte war kicken“, so Peter Lux.

Der Höhenflug von Lux ging mit der Nominierung für die A-Nationalmannschaft im September 1984 für das Spiel gegen Argentinien sogar noch weiter. Obwohl der heute 57-Jährige vom damaligen Neu-Bundestrainer Franz Beckenbauer nicht eingesetzt wurde, ist er auch heute noch stolz auf die bloße Nominierung: „Man muss sich mal überlegen, ich stand damals mit Eintracht Braunschweig am Tabellenende der Bundesliga und trotzdem hat mich Franz Beckenbauer nominiert. Natürlich hätte ich sehr gerne gespielt und war enttäuscht, es aber bei den ganzen guten Bundesligaspielern überhaupt in den Kader geschafft zu haben, erfüllt mich auch noch heute mit großem Stolz“, betont Lux.

Von 2008 bis 2014 war Peter Lux Trainer beim MTV Wolfenbüttel. Foto: Frank Vollmer/Archiv


"Der Bundesligaabstieg 2014 war idiotisch!"


Mit "Tabellenende" meint Lux übrigens die Saison 1984/1985, an deren Ende der Abstieg aus der Bundesliga feststand. Für Peter Lux war jene Spielzeit persönlich mit sechs Bundesligatreffern jedoch eine gute Saison. Wir fragen, was aus seiner Sicht die Gründe für den zweiten Bundesligaabstieg nach 1980 waren? „Die fehlende Qualität. Hasse Borg, Reiner Hollmann und Franz Merkhoffer beendeten zuvor ihre Karriere und der Verein holte dafür keinen Ersatz. Günter Mast war auch nicht bereit, in den Kader zu investieren. Er sagte, er würde den Verein schuldenfrei abgeben, die Zeiten von großen Investitionen wären vorbei. Meiner Meinung kann man nicht erwarten, dass ein Verein erfolgreich arbeitet, wenn kein Geld in die Hand genommen wird. Der Bundesligaabstieg 2014 war genauso idiotisch. Selbst wenn die Eintracht erst in der Winterpause noch zwei, drei gestandene Bundesligaspieler geholt hätte, sie wären drin geblieben“, ist Peter Lux überzeugt.

Überzeugt war der Mittelfeldspieler auch davon, den Verein nach dem Abstieg zu verlassen und zum Hamburger SV zu wechseln, der zwei Jahre zuvor den Europapokal der Landesmeister – vergleichbar mit der heutigen Champions League – gewann. Wie reagierten die Eintracht-Fans auf den feststehenden Wechsel? Alles andere als erfreut! „Am Saisonende absolvierten wir einige Freundschaftsspiele und auf mich wartete ein Spießrutenlauf. Ich wurde ausgepfiffen und beleidigt. Etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte, denn ich habe mich all die Jahren für den Verein reingekniet und alles geben. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich Verständnis für den Wechsel erwartet, schließlich war der HSV eine der Top-Mannschaften in Deutschland“, betotn Lux.

Also stand Geld bei dem Wechsel nie im Vordergrund, wie es gerüchteweise zu vernehmen war? „Natürlich habe ich ein wenig mehr verdient als in Braunschweig, aber das Finanzielle hat mich noch nie angetrieben. Für mich stand das Sportliche immer im Vordergrund. Ich bin nach Hamburg gegangen, um auf das nächsthöchste Niveau zu kommen. Allein in der Zeit stellte der HSV eine Vielzahl von Nationalspielern und wurde von Ernst Happel, einem der besten Trainer zu der damaligen Zeit, trainiert. Mir zu unterstellen, ich wäre des Geldes wegen gewechselt, ist völliger Quatsch“, verdeutlichtet Lux.

15. Mai 1982: Hans Heinrich Pahl und Peter Lux (re.) beim 0:4 gegen Nürnbergs Werner Heck. Foto: imago/Liedel


"Und dann kam Günter Netzer vorgefahren!"


Doch wie konnte man sich einen Wechsel in einer Zeit vorstellen in der es noch keine Spielerberater, geschweige denn Handys gab? Bei der Antwort muss der 57-Jährige schmunzeln: „Uwe Hain spielte damals für den HSV und teilte mir mit, dass sie Interesse an einer Verpflichtung hätten. Kurze Zeit später rief mich die Sekretärin von HSV-Manager Günter Netzer an und wir verabredeten uns zu einem Treffen. Das Treffen sollte an der Raststätte Allertal standfinden. Mein Schwiegervater warnte mich davor, den Vertrag sofort zu unterschreiben. Ich solle nichts überstürzen, zumal auch Waldhof Mannheim und Eintracht Frankfurt Interesse zeigten. Und dann kam Günter Netzer vorgefahren, standesgemäß im teuren Mercedes-Benz. Innerlich freute ich mich wie ein kleines Kind, denn Netzer war mein Idol gewesen. Man kann sich denken, was passierte? Netzer teilte mir die Zahlen mit und ich überschrieb den Vertrag sofort.“

Beim Hamburger Sportverein übernahm er sofort, die ihm zugedachte Rolle im Mittelfeld und wurde Führungsspieler und Leistungsträger. Krönender Abschluss war Gewinn des DFB-Pokals 1987 und die Vize-Meisterschaft in der Bundesliga. Anschließend wechselte er zu Waldhof Mannheim, bevor er Geschichte schrieb: Denn Peter Lux war der erste in Westdeutschland geborene Fußballprofi, der nach der Wende nach Ostdeutschland wechselte. Bei Dynamo Dresden unterschrieb er einen Zweijahresvertrag, auch weil Eintracht Braunschweig ihn trotz mündlicher Zusage nicht verpflichten konnte.

DFB-Pokalsieger 1987: Ein 3:1 im Finale gegen die Stuttgarter Kickers wurde die sportliche Sternstunde von Peter Lux. Foto: imago/Ferdi Hartung


"Dresden war ein Kulturschock"


„Eigentlich war ich mir mit der Eintracht einig, wollte wieder nach Hause kommen. Harald Tenzer teilte mir mit, es sei alles geklärt, der Verein kann die Ablösesumme von 420.000 DM aufbringen. Was er am Ende aber nicht konnte. Der damalige Spielerberater von Lothar Matthäus, Norbert Pflippen, wollte mir ein Angebot für den 1. FC Magdeburg machen, meldete sich aber nie wieder zurück. Schlussendlich hat mich dann ein Versicherungsmakler aus Hamburg nach Dresden gelotst“, blickt Lux zurück.

Bei Dynamo spielten zwar, wie er sagt „fantastische Spieler“, doch warm werden konnte er nicht mit der Stadt. „Wenn man sich heute Dresden anschaut, ist es überhaupt nicht mehr vergleichbar mit der damaligen Zeit. Es war ein Kulturschock. Wahrscheinlich war ich zwei, drei Jahre zu früh in Dresden“, erklärt Lux schmunzelnd.

Dass der Mittelfeldspieler in Dresden unglücklich schien bekam auch Bundesligist Hertha BSC mit und wollte den Ex-Löwen verpflichten. Doch just in dem Moment, wo er den Berliner eigentlich schon zugesagt hatte, tauchte seine alte Liebe Eintracht Braunschweig auf. Entgegen der gängigen Warnung, man solle eine alte Liebe nicht wieder aufwärmen, entschied sich Peter Lux für eine Rückkehr in die Löwenstadt. Unter Präsident Harald Tenzer war das Ziel ausgeben worden die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen. Neben Peter Lux verpflichtete die Eintracht auch noch die bekannten Profis Ralf Geilenkirchen und Ihor Belanov. Doch satt der erhofften Rückkehr in die Bundesliga stand am Ende der Saison 1992/1993 Abstieg in die Drittklassigkeit fest.

Unglückliche Rückkehr nach Braunschweig: 1993 stieg Lux mit den Löwen in die Regionalliga ab. Foto: imago/Rust


"Herausragende Spieler, aber keine Mannschaft"


Waren am Ende der Druck und die Last zu hoch, die auf der Mannschaft lag? „Wir hatten das Problem, dass wir herausragende Spieler hatten, aber keine Mannschaft. Wir waren größtenteils Einzelkämpfer und Individualisten. Vom Potenzial hätten wir ganz oben mitspielen können, jedoch hat es kein Trainer geschafft uns zu einer Einheit zu formen. Auch für mich war die Rückkehr alles andere als gut. Ich hatte häufig mit mir und meinen eigenen Leistungen zu kämpfen. Manchmal waren sie herausragend und dann wieder nur Durchschnitt. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn ich damals das Angebot von der Hertha angenommen hätte “, macht Lux unmissverständlich klar.

Insgesamt scheint der 57-Jährige, der mittlerweile als Golf-Trainer arbeitet und bald zum ersten Mal Großvater wird, aber zufrieden mit seiner Karriere: „Ich habe das Bestmögliche aus meinem Talent rausgeholt. Durfte neben Bundesligagrößen wie Felix Magath oder Manfred Kaltz, vor fantastischen Publikums spielen und war bei den olympischen Spielen ins Los Angeles mit der Nationalmannschaft. Abschließend kann man deutlich sagen, ich hatte eine wirklich schöne Karriere“, sagt ein zufriedener Peter Lux.

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