Uwe Zimmermann am 27. Juli 2001 gegen Bayer 04 Leverkusen.
Uwe Zimmermann am 27. Juli 2001 gegen Bayer 04 Leverkusen. Foto: imago/Rust
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26.03.2020

Gestern Eintracht, heute: Uwe Zimmermann, der Rekord-Mannheimer unter den Löwen

von Henrik Stadnischenko


Braunschweig. Wer Rekord-Bundesligaspieler für Waldhof Mannheim ist und beim VfL Wolfsburg aufgrund des Bundesligaaufstiegs als Legende gefeiert wird, kann wahrscheinlich keinen Heldenstatus in Braunschweig genießen? Mitnichten! Ohne Uwe Zimmermann wäre es wahrscheinlich 2002 nicht zum Aufstieg in die zweite Liga gekommen.

"Ich dachte, die reißen die Stadt ab!"


Vermutlich würde man denken, dass es Spieler, die vom großen Rivalen aus Hannover in die Löwenstadt wechseln schwerer haben als jene Akteure, die vom VfL Wolfsburg nach Braunschweig kommen. Uwe Zimmermann wird dem nicht zustimmen, denn „Zimbo“ hatte mit großen Vorurteilen zu kämpfen als er 1999 zum ersten Mal im Eintracht-Stadion auflief. „Der Lieblingsspruch war zunächst 'Zimbo ist kein Torwart, Zimbo ist eine Wurst' und 'in Wolfsburg wird wohl schlecht gezahlt'. Man muss dazu sagen, es waren keine wirklichen Beleidigungen." Und Zimmermann nahm es mit Humor.

"Bei jeder Parade habe ich mir dann aber gedacht, wie vielen Fans bleibt jetzt ihr Satz im Hals stecken? Erst, als man mich mit Sprechchören gefeiert hat wusste ich, jetzt habe ich es geschafft, jetzt bin ich von den Fans akzeptiert“, blickt Zimmermann auf seine Anfangszeit in Braunschweig zurück.

Die nächsten Sätze werden den Fans vom VfL Wolfsburg nicht besonders gefallen: „Die Fans, die in Wolfsburg aktiv waren, gaben alles für ihren Verein. Jedoch war dies mit Braunschweig nicht zu vergleichen. Spitz formuliert: Als wir mit dem VfL in die Bundesliga aufgestiegen sind hat es gefühlt keinen interessiert. Das fand ich schon schade. In Braunschweig war das komplett anders. Ich dachte, die reißen die Stadt ab. Die haben gefeiert, als wären wir Deutscher Meister geworden. Beides sind tolle Vereine, aber eine wirkliche Fankultur gab es zu meiner aktiven Zeit nur in einer Stadt“, betont Uwe Zimmermann.

Dass Zimmermann 1999 mit 37 Jahren nach Braunschweig wechselte war so eigentlich gar nicht vorgesehen gewesen: „Ich war kurz davor, meine Karriere zu beenden. Mich hat es nochmal gereizt in meinem fortgeschrittenen Alter für einen Traditionsverein zu spielen. Der entscheidende Punkt war, dass die Eintracht klar gemacht hat, in den nächsten Jahren um den Aufstieg mitspielen zu wollen. Wären diese Ambitionen nicht da gewesen, wäre ich wahrscheinlich nicht nach Braunschweig gewechselt.“

Rekord-Bundesligaspieler für den Waldhof: Hier am 8. September 1984. Auch Eintrachts Bernd Gorski und Ronnie Worm brachten beim 0:1 den Ball nicht an Zimmermann vorbei. Foto: imago/Rust


"Verzichtet auf den Alkohol!"


Unvergessen sind die Paraden von Zimbo“ in der Aufstiegssaison 2001/2002. Viele Fans fragten sich, wie ein 40-Jähriger noch so fit und vor allem flink auf den Beinen sein konnte. „Ich glaube, vielen Fans wird es nicht gefallen, aber: verzichtet auf den Alkohol! Ich trinke heute nur an besonderen Tagen Alkohol. Ansonsten ernähre ich mich gesund. Zu meiner aktiven Zeit legte ich viel Wert auf den Ausdauerbereich. Wenn sich die anderen Spieler ausruhten, bin ich ein paar Kilometer laufen gegangen. Das half mir auch den Kopf freizubekommen“, erklärt der ehemalige Torhüter.

Was viele bis heute nicht wissen: Zimmermann hatte in der Aufstiegssaison mit privaten Problemen zu kämpfen. „Mein Vater war zu der Zeit verstorben und zwischenzeitlich bin ich auch in ein Tief gefallen. Der Fußball hat mir aber geholfen, diese schwere Zeit zu überwinden“, so der 58-Jährige, der heute als Torwarttrainer beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 arbeitet. Wie schon als Spieler hat er eine klare Idee davon, wie ein Torwarttraining auszusehen hat: „Mir ist wichtig, dass jeder Torhüter etwas mitnehmen kann. Selbst ein 30-Jähriger kann sich noch verbessern. Ich lege großen Wert auf das Positionierungsspiel und vor allem auf das Flankenabfangen. Es wird beim Flankenabfangen immer von der Königsdisziplin gesprochen, deshalb ist mir wichtig, darauf ein großes Augenmerk zu legen“, erklärt Zimmermann.

Das angesprochene Flankenabfangen und besonders die 1:1-Situationen waren die Stärken zu seiner aktiven Zeit: „Ich kann mich an eine Situation im letzten Spiel gegen Wattenscheid erinnern. Der Gegenspieler hat gedacht, ich gehe viel früher nach unten und er kann leicht an mir vorbei. Jedoch reagierte ich sehr spät und konnte so die Chance vereiteln. Der Gesichtsausdruck von ihm ist immer noch präsent“, erzählt Zimbo schmunzelnd.

"Jetzt gewinnen wir immer"


Sowohl im Hin- als auch im Rückspiel gegen die SG Wattenscheid 09 fielen ihm zwei Spieler des Gegners auf: „Die beiden Spieler versprühten einen großen Spielwitz und vor allem waren sie unberechenbar. Ich habe mir schon gedacht, die werden mal groß rauskommen“, so Zimmermann, der Recht behalten sollte. Die beiden Spieler, die er auf dem Schirm hatte, waren die Altintop-Zwillinge. Schmunzeln muss er auch bei einer Anekdote aus seiner Braunschweiger-Zeit: „Zur damaligen Zeit war mentales Training und Visualisierung erst im Aufbau. Ich besorgte mir aber eine Kassette und Aufnahmegerät, um positive Gedanken aufzunehmen. Dabei habe ich Sätze auf das Band gesprochen wie, 'Heute ist ein sonniger Tag', 'Das Publikum empfängt uns klatschend', 'Wir werden das Spiel gewinnen'. Bernd Eigner hatte sich die Kassette ausgeliehen. Nach dem Spiel kam er zu mir und sagte 'Zimbo deine Kassette hilft, jetzt gewinnen wir immer!'"

Eine Rückkehr nach Braunschweig als Torwarttrainer kann sich „Zimbo“ durchaus vorstellen, wenngleich er immer noch enttäuscht von der Eintracht ist: „Nach dem Aufstieg war klar, dass ich meine Karriere beenden werde und der Verein stellte mir in Aussicht Torwarttrainer der Profis zu werden. Es sah so aus, als wäre alles geklärt. Doch dann machten die Verantwortlichen einen Rückzieher. Das hängt leider heute immer noch nach. Zudem finde ich es schade, dass sich die Eintracht nicht wirklich um ehemalige Spieler kümmert." So werden zum Vergleich dazu in Wolfsburg Ex-Profis einmal in der Saison zu einem Heimspiel oder zu besonderen Veranstaltungen eingeladen.

"In Braunschweig habe ich das Gefühl, dass die Erfolge der Vergangenheit von Seiten der Vereinsverantwortlichen nicht besonders geschätzt werden. Das soll auch kein Jammern sein. Wenn ich eine VIP-Karte haben will, kauf ich sie mir. Es geht eher darum einfach 'Danke' für die geleistete Arbeit in Vergangenheit zu sagen und wenn es nur in Form einer Geburtstagskarte ist“, so Zimmermann, der trotzdem der Eintracht nichts Schlechtes wünscht: „Allein für das Publikum muss die zweite Liga her. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es, dass die Eintracht in der nächsten Saison in der zweiten Liga auf mich und meinen Verein Darmstadt trifft.“

Heute Torwarttrainer in Darmstadt. Foto: imago/Huebner


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