Ein Menschenmeer: Nach dem Abpfiff gab es kein Halten!
Ein Menschenmeer: Nach dem Abpfiff gab es kein Halten! Foto: Frank Vollmer/Archiv
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19.05.2020

Große Spiele von früher: Eintracht Braunschweig - FSV Frankfurt 2:2 (1:1)

von Frank Vollmer


Braunschweig. Heute vor exakt sieben Jahren, am 19. Mai 2013, war ein 2:2 gegen den FSV Frankfurt und Ex-Coach Benno Möhlmann der Abschluss einer grandiosen Aufstiegssaison von Eintracht Braunschweig. Das Bier stand kalt, der Platzsturm war unausweichlich. Doch vor der Rückkehr in die Bundesliga nach 28 Jahren standen noch einmal 90 Spielminuten und ein Mannschaftskapitän Dennis Kruppke, der bis zur letzten Sekunde der Saison ‚on fire‘ war.

Auf zum letzten Tanz!


Dieses Spiel und seine 22.100 Tickets waren schnell vergriffen. Es war schon sehr verwunderlich, wie viele „wahre Fans“ die Eintracht auf einmal hatte. Wo waren die eigentlich alle, als die Löwen noch wenige Jahre zuvor in der 3. Liga kickten? Eine Karte für das letzte Heimspiel sollte bei ebay mehr als 100 Euro kosten. Die lohnten sich allerdings schon für die grandiose Choreo der Südkurve.

Für Dennis Kruppke war das alles irgendwie Nebensache. Es dauerte knapp 90 Sekunden, da zappelte der Ball nach einer schönen Vorlage von Mirko Boland auch schon im Tor der Gäste. Das Rund stimmte ein letztes Mal ein: „Traum von Liga 1, nach München oder Mainz, nach Dortmund und zum S04, den Aufstieg HABEN wir.“ Doch hoppla, was war denn das? Ein Sonntagsschuss. Wo hatte Frankfurts Michael Görlitz den denn her geholt? Mit der ersten guten Möglichkeit erzielte der FSV gleich den Ausgleich nach knapp elf Minuten.

Den blau-gelben Fans war es egal. „…EUUUUROPAPOKAAAAL…“, hallte es bis in die Braunschweiger Innenstadt hinein. „Hey, hey, wer nicht hüpft der ist ein Roter, hey, hey“, durchbrach die nächste Aufforderung den Gedanken. Das Fazit zur Halbzeit musste klar lauten: Ein lau(t)er Sonntag-Sommer-Kick!

Diese tolle Choreo inspirierte später die Wolters-Brauerei zu einer eigenen Bierdose. Foto: Agentur Hübner/Archiv


In den 15 Minuten Pause herrschte dichtes Gedränge vor den Bierwagen und den sanitären Einrichtungen. Heute wollte wirklich niemand etwas verpassen, doch der Start in Halbzeit zwei war aus Sicht der Blau-Gelben nicht so berauschend. Die Abwehr der Eintracht war im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf der Höhe, als Edmond Kapllani mit rechts die Party störte und das 1:2 erzielte (50.). Schon die Vorlage zum Ausgleich war von dem agilen Albaner gekommen.

Kurz darauf kam es zur Premiere: Nach einer Stunde wechstelt Torsten Lieberknecht Björn Kluft nach einer langen Veletzungspause für seine ersten 30 Spielminuten überhaupt in dieser überragenden Saison ein. Dass der feiern konnte wie die „Großen“, hatte der gebürtige Wuppertaler schon wenige Tage zuvor bei der Ankunft aus Ingolstadt bewiesen. Auf dem Platz blieb es dem Angreifer leider auch danach vergönnt, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Doppeltorschütze Dennis Kruppke bekam seinen krönenden Abgang zehn Minuten vor Spielende. Foto: Agentur Hübner/Archiv


„Deutscher Meister, Deutscher Meiiiiiister, in den Faaaaarben gelb und blau, Neunzehnhundert-Siebenundsechzig, das war unser BTSV!“, ertöhnte es im Rund, da war Kluft keine sieben Minuten auf dem Feld. Ein letztes Mal in dieser Saison erhoben sich die Schals und mir wurde etwas wehmütig: „Ab August wird diese tolle Mannschaft sicherlich nicht mehr so viele Siege einfahren“, hakte ich die Saison allmählich ab.

Mit diesem Gedanken war ich wohl ganz allein in diesen Minuten. Die Feierlaune schwappte durch die Blöcke. Und siehe da: Dennis Kruppke wollte nicht mit einer Niederlage aus der Saison gehen, in der Eintracht Braunschweig übrigens niemals schlechter als Platz 3 gestanden hatte. Ein wunderschöner direkter Freistoßhammer landet hinter FSV-Keeper Sören Pirson zum 2:2 im Netz (73.).

Zaungäste: FSV-Keeper Sören Pirson bekam kurz vor Spielende Besuch an seinem Strafraum. Foto: Agentur Hübner/Archiv


„Ohhhhh, wie ist das schööön, ohhh wie ist das schööön, so was hat man lange nicht gesehen so schööööön, so schööööööööön!. Zehn Minuten vor dem Abpfiff sammelten sich die ersten Zaungäste am Spielfeldrand. Sekündlich wurden es mehr. Schiedsrichter Christian Dietz pfiff pünktlich ab. Aus. Vorbei. Das war´s. Tschüss zweite Liga, willkommen Fußballoberhaus!

Danke Torsten für diese tolle Saison! Foto: Agentur Hübner/Archiv


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