Kalt, hart, unberechenbar: Die Brockenchallenge 2019

13. Februar 2019
Anke Meinberg konnte auch nach 62 Kilometer noch lächeln, der Entsafter lag hinter der Sportlerin. Foto: Friedrich-Wilhelm Schneider
Wolfenbüttel/Goslar. Die Brockenbahn hatte den Betrieb schon lange eingestellt, da kämpfte sich Anke Meinberg noch gegen den harten Wind, der sich später zum Orkan entwickelte, dem Brockengipfel entgegen. Das Wolfenbütteler Urgestein des Ultra-Marathonlaufes fürchtet weder Wetter, Distanz noch Höhenmeter. Aber diesmal kam es besonders hart. Ein Beitrag von Friedrich-Wilhelm Schneider. 

82 Kilometer von Göttingen zum Harzer Brockengipfel

Kalt, hart schön – so lautet das Motto der Brockenchallenge. Immer wieder eine große Herausforderung für die Teilnehmer stellt das schon legendäre Ereignis des Laufes, von Göttingen zum Harzer Brockengipfel, da. Dabei gilt es, die 82 Kilometer auf Norddeutschlands höchsten Berg, dem Brocken, im Winter zu laufen. Zusätzlich müssen die Sportler noch ca. 1900Höhenmeter bewältigen.

Bei dem Lauf handelt es sich um einen Wohltätigkeits-Ultramarathon, der vom Verein Ausdauersport für Menschlichkeit (AFSM) ausgerichtet wird. Die BC (Brockenchallenge) findet traditionell am zweiten Samstag im Februar statt. Jetzt nach der 16. Auflage sind insgesamt 230.000 Euro an Spenden zusammen gekommen, die jedes Jahr an verschiedene soziale Einrichtungen vergeben werden.

Bei einer Temperatur von vier Grad Celsius, schickte Markus Ohlef, Initiator der BC, um sechs Uhr die 175 ausgewählten Teilnehmer, vom Göttinger Kehr auf die Strecke und die hatte es in sich. Wie immer hatte Meinberg großen Respekt vor der Strecke, war es doch bereits die vierte Teilnahme an der BC.

Im Gegesatz zu den Vorjahren wechselte die Strecke durch das Eichsfeld bis Barbis im Südharz, immer gut laufbar. Hier bei Kilometer 42 beginnt der lange Aufstieg in den Oberharz. Meinberg legte wenige Kilometer oberhalb schon vorsichtiger Weise die Schneeketten, sogenannte Yaktrax an. Der Schnee wurde mit jeden Kilometer höher. Bei Kilometer 50 verlor Meinberg eines der Schneeketten. “Ich hatte riesengroße Probleme mit dem Fußabdruck, was sich in der Laufgeschwindigkeit äußerte”, so die fast 65-jährige und damit älteste Teilnehmerin im Starterfeld.

Über 20 Kilometer lang durch wechselde Schneeverhältnissse, mit ausgetreten Fußstapfen, erforderten die höchste Konzentration von den Läufern. Dieser Laufabschnitt bis zur Braunlager Lausebuche wird von den Athleten respektvoll “Entsafter” bezeichnet. Die Strecke zieht in der Tat alle Kraft aus dem Körper. Viele Teilnehmer ruhten sich hier einige Minuten aus, bis es auf einem schneebedeckten im Untergrund, jedoch stark vereisten Forstweg, weiter nach Königskrug ging. Von hier, am vorletzten Versorgungspunkt, einer von sieben, geht es weiter nach Oderbrück. Die letzten acht Kilometer zum Brockengipfel liegen nun vor den Läufern.

Tief verschneit lagen die Bäume, ein Winterparadies, wenn nicht der tief schwarze Himmel drohte, der starke Wind nicht wäre.

Die vereiste Brockenstraße war erreicht, jetzt lag die Laufstrecke voll im Orkanwind, der von Minute zu Minute stärker blies, forderte noch einmal Alles von den Sportlern. Noch 500 m bis ins Ziel, aber die haben es in sich. Der Orkan, mit 150/kmh peitscht den Läufern Schnee ins Gesicht, nimmt ihnen den Atem . Peeling kostenfrei, jedoch sehr schmerzhaft, was der Berichterstatter am eigenen Leib erleben durfte. Es war stockdunkel, die Strasse war zugeweht, was die Orientierung zusätzlich erschwerte.

Meinberg benötigte für die finalen 500 Meter fast eine halbe Stunde. “Ich musste mich alle paar Meter mit dem Rücken gegen den Sturm drehen und verschnaufen, um nicht umzufallen, es war als hast du die Hölle gesehen”, beschreibt Meinberg die letzten Meter
Nach 12:56 Stunden erreichte die MTV-Läuferin den ersehnten Gipfel.

Zum Vergleich, die erste Frau, Antje Müller (Rötha) benötigte 9:02h für den Aufstieg und Vorjahreserster Florian Reichert (Göttingen) erreichte nach 7:01 Stunden den Brockengipfel.

Von den 175 Startern erreichten 162 den Gipfel. 450 Ausdauersportler hatten sich für den Lauf beworben. Nach einer Pause mit ausgesuchten energiereichen Speisen und Getränken hieß es dann Rucksäcke aufnehmen und gemeinsam den Rückweg nach Schierke zu Fuß antreten. Vor dort aus transportierten bereitgestellte Busse die Läufer zurück nach Göttingen.

“Die zehn Kilometer lange Wanderung nach Schierke waren härter als der gesamte Lauf. Die Brockenchallenge ist wie eine Wundertüte, du weist nie was dich erwartetet”, berichteten die Sportler. Aber, keiner hat gesagt es wird leicht! Hart, härter, knallhart, war die Brockenchallenge 2019. Eine wahrlich veritable Leistung der Wolfenbüttelerin. 

 

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