Umringt: Marvin Pourié konnte sich nicht über seinen Premierentreffer freuen.
Umringt: Marvin Pourié konnte sich nicht über seinen Premierentreffer freuen. Foto: imago/Beautiful Sports
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22.02.2020

Kapitale Patzer und große Ernüchterung: Löwen verlieren verdient am Dalle

von Frank Vollmer


Würzburg/Braunschweig. Eintracht Braunschweig hat am 25. Spieltag mit 1:3 (0:2) beim FC Würzburger Kickers verloren. In einer schlimmen ersten Halbzeit patzten ausgerechnet die Routiniers Jasmin Fejzic und Felix Burmeister vor 5.211 Zuschauern fatal. Marvin Pourié traf nach dem Seitenwechsel.

Verdiente dritte Auswärtspleite der Saison


Anderthalb Schritte nach vorne, einen Schritt zurück – so könnte man die aktuelle Entwicklung bei Eintracht Braunschweig beschreiben. Nach dem schwungvollen 2:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern (Spielbericht) zeigte die Mannschaft von Marco Antwerpen im Stadion am Dallenberg vor allem im ersten Durchgang eine erschreckend schwache Vorstellung und verlor zurecht mit 1:3.

Aktion gegen Rassismus und Schweigeminute vor dem Spiel


Würzburgs Leroy Kwadwo war am letzten Spieltag von einem Zuschauer rassistisch beleidigt worden. Das Publikum sorgte daraufhin dafür, dass der Übeltäter dingfest gemacht werden konnte. Unter dem Motto "Rote Karte dem Rassismus - Einer von Uns - Leroy Kwadwo" stand nun die Partie gegen Eintracht Braunschweig, bei der beide Mannschaften in Motto-Shirts aufliefen. Mit einer Schweigeminute wurde vor dem Spiel auch den Opfern von Hanau gedacht. Zudem trugen die Spieler Trauerflor.

Um Fußball ging es auch. Bei der Startformation schickte Marco Antwerpen Bernd Nehrig und Marcel Bär für Marc Pfitzner und Nick Proschwitz (Bank) ins Rennen. Spielmacher Martin Kobylanski fand sich zum dritten Mal hintereinander auf der Bank wieder. Bei den Kickers wählte Chefcoach Michael Schiele drei Wechsel. Albion Vrenezi, Frank Ronstadt und Saliou Sané kamen für Kwadwo (Gelbsperre), Pfeiffer und Herrmann (beide Bank).

Sané und Co. zeigen den Löwen klar die Grenzen auf


Was für eine Hypothek! Gleich der erste Schuss war ein Volltreffer! Nach nur einer Minute schickte Startelfdebütant Saliou Sané nach einem Einwurf einen Dreh-Flachschuss in Richtung Braunschweiger Tor, den Keeper Jasmin Fejzic fatal unterschätzte (2.). Der Lapsus blieb nicht ohne Folgen. Neben dem frühen Rückstand waren die Löwen von Beginn an total neben der Rolle und machten das schlecht, was sie in den letzten beiden Spielen noch ausgezeichnet hatte. Oft standen die Gäste viel zu weit weg von ihren Gegenspielern und wirkten erschreckend passiv. Würzburg dagegen präsentierte sich griffig, lauffreudig und erzeugte einen enormem Anlauf-Druck, woraus nicht nur gegen den Ball immer wieder Überzahlsituationen entstanden.

Weitere gute Möglichkeiten für die Schiele-Elf waren die logische Konsequenz. Auf Albion Vrenezis Distanzschuss (9.) folgte eine Kaufmann-Flanke, samt gefährlichem Sané-Kopfball (10.). Vrenezi versuchte es nach einer Viertelstunde noch einmal aus der Distanz. Die Gäste dagegen waren defensiv gebunden und kamen kaum zu eigenen Aktionen. Ein Weitschüsschen von Bär blieb lange Zeit das einzige offensive Lebenszeichen des Deutschen Meisters von 1967 (14.).

Es folgte ein weiterer schwerer Fehler eines Routiniers: Felix Burmeister wurde von Sané mächtig unter Druck gesetzt und verlor den Ball. Der Deutsch-Senegalese lief noch ein paar Meter und legte quer, wo Dominic Baumann mühelos das 2:0 einschieben konnte (17.). Wenig später folgte beinahe das 3:0. Baumann überlief drei Gegenspieler und flankte von rechts auf Unruheherd Sané, der gerade noch so von Ziegele am Abschluss gehindert werden konnte (21.).

Es spielten weiterhin fast ausschließlich die Hausherren, die über eine von Robin Becker abgefälschte Vrenezi-Bogenlampe (24./endlich konnte sich auch Fejzic einmal auszeichnen) und einen Fernschuss von Sané knapp über das Lattenkreuz (33.) weitere gute Möglichkeiten herbeiführten. Eintracht Braunschweig setzte sich in der Folge erstmals für kurze Zeit in der gegnerischen Hälfte fest, stellte die Rothosen aber vor keine allzu großen Probleme. Die rund 800 mitgereisten Fans konnten nicht zufrieden sein mit dieser insgesamt sehr schwachen Vorstellung in den ersten 45 Spielminuten.

Dreifachwechsel sorgt kurz für frischen Wind


Trainer Antwerpen reagierte in der Kabine, nahm das Trio Nehrig, Biankadi und Feigenspan aus der Gleichung und schickte stattdessen Benjamin Kessel, Martin Kobylanski und Nick Proschwitz ins Rennen. Die Anfangsminuten nach Wiederbeginn gehörten auch klar den Löwen, die nach einem Kessel-Einwurf erstmals über Kobylanski gefährlich wurden (52.). Es folgte das erste Ausrufezeichen der Blau-Gelben in diesem Spiel. Pourié setzte sich gut im Strafraum durch und fand Kobylanski, der gerade noch so von Ronstadt am Einschlag gehindert wurde (57.). Auch die Unterfranken blieben gefährlich, wie der kurz darauf folgende Distanzhammer von Sontheimer zeigte.

Doch Braunschweig machte jetzt Druck und fand besser statt. Eine abgeblockte Ecke nahm Nico Kijewski aus gut 25 Metern mit vollem Risiko (60.). Keine zehn Minuten später folgte der erste richtig gut ausgespielte Konter der Gäste. Proschwitz verlängerte zentral zu Kobylanski, der weiter zu Bär spielte. Dessen Hereingabe fand Pourié, der mit seiner Torpremiere in blau und gelb den Anschlusstreffer erzielte (70.). Dass Braunschweig in dieser Phase der Partie überhaupt noch im Spiel war, verdankte es nun vor allem Schlussmann Fejzic, der kurz vor dem 2:1 einen gezirkelten Hemmerich-Freistoß (64.) und kurz danach einen gefährlichen Drehschuss von Sané entschärfte (76.).

Aus etwas zählbarem wurde nichs mehr für die Gäste. Der Spieler dieses Spiels hatte das letzte Wort. Nach einem tollen Konter knallte Kaufmann die Kugel an den Pfosten. Sané grätschte in den Ball und traf zu seinem persönlichen Doppelpack zum 3:1-Endstand (83.).

"Eine absolute Katastrophe!"


„Die ersten 45 Minuten waren eine absolute Katastrophe“, gestand Marvin Pourié nach dem Spiel bei Magenta Sport ein. „Wir waren vogelwild. So eine erste Halbzeit heute - die war einfach bodenlos!“ Nach dem Seitenwechsel sei es ganz ordentlich gewesen, „aber wir kassieren so ein blödes Gegentor. Das war nicht unser Tag heute“, so der Angreifer, der ergänzte: „Wir haben uns selbst Vorgaben gegeben, die wie nicht eingehalten haben. Das müssen wir als Mannschaft schaffen, nicht als Individualisten!“

Eintracht Braunschweig rutscht durch die Niederlage auf Platz 6. Nur einen Punkt dahinger rangiert nun Würzburg (8.). Am kommenden Samstag (14.00) kommt der KSC Uerdingen an die Hamburger Straße.

Zahlen & Fakten


FC Würzburger Kickers: Müller - Hemmerich, David, Schuppan, Ronstadt - Kaufmann (88. Breunig), Sontheimer, Rhein, Vrenezi (74. Hoffmann) - Baumann (81. Herrmann), Sané Trainer: Michael Schiele

Eintracht Braunschweig: Fejzic - Becker, Burmeister, Ziegele, Kijewski - Nehrig (46. Kessel) - Kammerbauer, Biankadi (46. Kobylanski), Bär, Feigenspan (46. Proschwitz) - Pourié Trainer: Marco Antwerpen

Torfolge: 1:0 Saliou Sané (2. Baumann), 2:0 Dominic Baumann (18. Sané) 2:1 Marvin Pourié (70. Bär), 3:1 Saliou Sané (83. Kaufmann).

Die Stimmen zum Spiel


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