Kiel besiegelt Eintrachts Abstieg, Ende der Ära Lieberknecht?

13. Mai 2018 von
Beim 1:0 lief es noch. Danach fiel die Elf aus Braunschweig in sich zusammen. Fotos: Agentur Hübner
Braunschweig/Kiel. Die Katastrophe ist perfekt: Eintracht Braunschweig ist abgestiegen! Bei Relegations-Teilnehmer Holstein Kiel zeigten die "Löwen" eine desolate Vorstellung und unterlagen auch in der Höhe verdient mit 6:2 (4:2). Damit endet mutmaßlich auch die Ära von Torsten Lieberknecht nach zehn Jahren und einem Tag als Cheftrainer bei den Blau-Gelben.

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Die maximale sportliche Katastrophe

Es kam so schleichend, wie es jetzt Gewissheit ist: Vor einem Jahr kratzte die Elf von Torsten Lieberknecht noch an der Bundesliga. Ein Jahr später folgt sie dem 1. FC Kaiserslautern als zweiter direkter Absteiger mit 39 Punkten (!!) in die 3. Liga. Mit einer erschreckend schwachen Vorstellung endet für Eintracht Braunschweig ein zehn Jahre weilender Traum mit der maximalen sportlichen Katastrophe und den Tränen des Trainers, der damit vermutlich ein letztes Mal an der Seitenlinie des Deutschen Meisters von 1967 stand. 

Gefühls-Achterbahnfahrt an der Förde

Mit einem Auge auf die Relegation schonte Störche-Coach Markus Anfang sieben Stammkräfte gegenüber dem 1:1 in Düsseldorf. Sebastian Heidinger, Niklas Hoheneder, Dominic Peitz, Arne Sicker, Luca Dürholtz, Steven Lewerenz und Aaron Seydel starteten anstelle von Herrmann, Schmidt, Kinsombi, Schindler (Bank), Drexler, Weilandt (Bank) und Ducksch (Bank). Man munkelte schon von einer besseren B-Elf – und wurde eines Besseren belehrt. Torsten Lieberknecht hatte sich dagegen für vier Veränderungen in der Startelf entschieden, ließ Niko Kijewski, Onur Bulut, Julius Biada und Suleiman Abdullahi für Becker, Sauer, Teigl und Kumbela (alle Bank) von Beginn an ran.  

Die Gäste aus Niedersachsen erwischten einen optimalen Start. Schon nach fünf Minuten bekam Jan Hochscheidt einen Fehlpass von Mühling, dribbelte frei auf Keeper Kenneth Kronholm zu und traf unten links (6.). Braunschweig stand in der Blitztabelle einen Augenblick lang auf Platz 12. Die Hausherren zeigten sich zunächst sehr bemüht, aber nicht im Ansatz mit der gewohnten Durchschlagskraft. Der Ausgleich durch Aaron Seydel war eher dem eklatant schwachen Abwehrverhalten der Gäste zuzuschreiben, die erst Heidinger nicht stoppen konnten und dann vor dem Tor Seydel gewähren ließen (16.).

Tore fielen jetzt in diesem verrückten Spiel im Dreiminuten-Takt! Ken Reichel fasste sich an der Mittellinie ein Herz und verlud nach einem 50 Meter-Solo auch Kronholm zur neuerlichen Führung (19.). Wieder reagierte der KSV umgehend und stellte auf 2:2 (22.). Auch hier gab die Braunschweiger Hintermannschaft bestenfalls Geleitschutz, als Steven Lewerenz von halbrechts im Strafraum abzog. Der mit Bänderriss spielende Jasmin Fejzic im Tor der Blau-Gelben sah erneut nicht gut aus. Bei einem Flatterball von Dürholtz konnte sich der Schlussmann überhaupt erstmals wirklich auszeichnen (29.). 

Kiel wirkte wie angestachelt durch den Rückstand. Foto: Agentur Hübner

Braunschweig fällt in sich zusammen

Nach einer halben Stunde drehte die Sportvereinigung das Spiel. Innenverteidiger Frederik Tingager ließ sich dabei auf rechts einfach von Arne Sicker abschütteln, der Lewerenz zu seinem persönlichen Doppelpack verhalf (30.). Von nun an lief es komplett gegen die Löwen, die froh sein konnten, dass es zur Pause „nur“ 4:2 stand. Das sechste Tor dieser Partie erzielte Rafael Czichos per Kopf in den kurzen Pfosten, nachdem Braunschweig Peitz unbedrängt flanken ließ (33.). Zur Pause war Eintracht Braunschweig Tabellen-17. und direkt abgestiegen. Die zwei Tore zum mindestens notwendigen Ausgleich schienen Lichtjahre entfernt. 

Nach dem Seitenwechsel nahm die Katastrophe weiter ihren Lauf. Lieberknecht brachte Domi Kumbela für Abdullahi (46.), warf kurz darauf noch Özkan Yildirim und Georg Teigl für Valsvik und Bulut ins Rennen (54.). Kurz darauf entschied Steven Lewerenz mit einem weiteren Doppelpack zum 6:2 dieses Endspiel (57./60.). Ein Aufbäumen der wie benommen wirkenden Gäste blieb bis zum Schlusspfiff aus. 

Bittere Tränen bei Torsten Lieberknecht. Foto: Agentur Hübner

Zahlen & Fakten

Holstein Kiel: Kronholm – Heidinger, Hoheneder, Czichos (Siedschlag), van den Bergh – Peitz – Lewerenz (61. Janzer), Dürholtz, Mühling, Sicker – Seydel Trainer: Markus Anfang

Eintracht Braunschweig: Fejzic – Kijewski, Tingager, Valsvik (54. Teigl), Reichel – Moll (54. Yildirim), Boland – Bulut, Hochscheidt – Biada – Abdullahi (46. Kumbela) Trainer: Torsten Lieberknecht

Torfolge: 0:1 Jan Hochscheidt (6.), 1:1 Aaron Seydel (16. Heidinger), 1:2 Ken Reichel (19. Biada), 2:2 Steven Lewerenz (22. Mühling), 3:2 Steven Lewerenz (30. Sicker), 4:2 Rafael Czichos (33. Sicker), 5:2 Steven Lewerenz (57. Seydel), 6:2 Steven Lewerenz (60. van den Bergh)

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