Kommentar

Mehr als ein Symptom: Wo die Eintracht jetzt umdenken muss

Irgendwie ganz weit weg: Der Glaskubus Geschäftsstelle. Symbolfoto: Frank Vollmer
Braunschweig. Die Kommunikationsstrategie der BTSV-GmbH wird nicht erst seit dem falschen Dementi in der Causa Voigt kritisiert. Die Eintracht wird hier bald gegensteuern müssen, wenn sie Vertrauen zurückgewinnen will. Ein Kommentar von Till Oliver Becker.

Vor einigen Wochen berichtete regionalsport.de exklusiv, dass Eintracht Braunschweig sich bald von GmbH-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt trennen werde (Hier). Die Eintracht war, wie es die Fairness gebietet, vorher um eine Stellungnahme gebeten worden. Der Club verzichtete, die Meldung erschien folglich ohne die Position des Fußball-Drittligisten. Die folgte dann allerdings umgehend auf der Webseite des Clubs. Der Tenor: Alles erstunken und erlogen, Voigts Stellung bleibe natürlich unangetastet (Hier). Wie es danach weiterging, ist bekannt: Soeren Oliver Voigt wird den Verein im neuen Jahr verlassen. Die Meldung von regionalsport.de, angeblich eine Ente, entsprach also der Wahrheit. Natürlich, was auch sonst.

Es war beileibe nicht das erste Mal, dass der Club bei Verlautbarungen unglücklich agierte. Seit Jahren wird immer wieder Kritik laut, die Eintracht verfolge eine, nun, ungewöhnliche Kommunikationsstrategie. Zuletzt im Sommer dieses Jahres sorgte eine Mauer des Schweigens seitens des Clubs für massive Verstimmungen: Man war gerade erst abgestiegen, die Stimmung der Anhängerschaft wechselte hin und her zwischen Unglauben und Wut. Doch anstatt in die Offensive zu gehen und klar zu vermitteln, was die Eintracht jetzt plane, entschied man sich im Kubus fürs Schweigen.

Lange Tage blieb auch den Medien nur zu spekulieren, wie es beim Braunschweiger Traditionsverein denn jetzt weitergehen werde. Dieses Schweigen, das muss man so deutlich sagen, widersprach allen Spielregeln einer professionellen Kommunikation. Natürlich, die Eintracht möchte am liebsten selbst bestimmen, was wann und wie vermeldet wird. Aber so funktioniert das Spiel mit den unabhängigen Medien nun einmal nicht. Wer das nicht versteht und beherzigt, wird sich immer wieder vorwerfen lassen müssen, unprofessionell zu arbeiten.

Bei der Jahresmitgliederversammlung heute Abend wird der Aspekt einer fachmännischen Öffentlichkeitsarbeit höchstwahrscheinlich keine Rolle spielen. Es gibt Themen, die den Mitgliedern deutlich mehr auf der Seele liegen: Wie will der Club die sportliche Talfahrt der ausgegliederten Profis stoppen, werden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet, was bedeuten die akutellen schlechten Geschäftszahlen der GmbH für den Hauptgesellschafter, den eingetragenen Verein? Wie werden die Mitglieder über die Initiativen der Basisbewegung entscheiden?

Trotzdem wird zeitnah über die schlechte Kommunikationsarbeit der BTSV-GmbH gesprochen werden müssen. Denn sie ist mehr als nur ein Symptom der Entwicklungen der vergangenen Jahre seit dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Schlechte Kommunikation zerstört Vertrauen. Und Vertrauen ist eine Währung, auf die ein Club besonders in der Krise existentiell angewiesen ist. 

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Dies ist ein Kommentar von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entpricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion. 

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