Ohne charakterstarke Fotos keine charakterstarke Berichterstattung!
Ohne charakterstarke Fotos keine charakterstarke Berichterstattung! Foto: Frank Vollmer/Archiv
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14.05.2020

Mit voller Wucht: Wie Covid-19 für die Sportfotografie zur existenziellen Herausforderung wird

von Frank Vollmer


Region. Die Coronakrise trifft die FotografInnen von Beginn an mit voller Wucht. Dabei benötigt eine charakterstarke Berichterstattung auch charakterstarke Fotos. Auch der Neustart von Sportveranstaltungen wird nun eine existenzielle Herausforderung für die Branche, die dann quasi für umsonst arbeiten soll.

Eine ganze Branche zittert


„Ist doch nur knipsen“, sagen die Leute und verschwenden dabei selten einen Gedanken daran, dass die tollen Hochglanzfotos bei regionalSport.de auch erst einmal im Kasten sein müssen. Vom ersten Tag an arbeiten wir an dieser Stelle mit der Agentur Hübner zusammen, die immer wieder mit feinem Auge das Zeitgeschehen im regionalen Sport für uns einfängt. Es sind nicht nur die klassischen Sportfotos, sondern auch Bilder mit dem besonderen Blick für das Geschehen neben dem Platz. Sie und die anderen Fotografen stehen in der Coronakrise vor einem Scherbenhaufen: Keine Events, keine Fotos, kein verdienter Cent, kein Lebensunterhalt.

Am Wochenende startet die Bundesliga wieder los. Sie und andere Sportveranstaltungen werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit ins Rennen gehen. Dabei werden auch die FotografInnen erst einmal zum Großteil ausgeschlossen. Nur noch drei Personen sollen für die Fotografie in den Stadien zugelassen werden. Wer das Glück hat, eine Fotoakkreditierung zu bekommen, ist aber nicht unbedingt im Glück! Man soll in einem Pool arbeiten, seine Fotos anderen Agenturen oder Fotografen quasi kostenlos zur Verfügung stellen. Der Unterschied ist in dieser Hinsicht enorm: Agentur-Fotos sind in allen Medien. Fotos von Einzelfotografen dagegen noch etwas spezieller und individueller. So wie die einzigartigen Fotos der Agentur Hübner bei regionalSport.de.

"Dauerhaft vom Beruf ausgeschlossen"


„Wer zu den wenigen gehört, die einmal selbst in den Dreipersonenpool dürfen, wird sich zudem fragen müssen, wie das Geld verdient werden kann. Welcher Kunde wird für ein Pool-Foto, das über eine der angeschlossenen Agenturen über das übliche Abo ohne Sonderkosten oder bei einer anderen Agentur zu den verbreiteten Dumpinghonoraren zu haben ist, noch ein halbwegs angemessenes Honorar zahlen?“, fragte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unlängst zurecht.

„Ich möchte gern arbeiten“, sagt Susanne Hübner, langjährig tätig u.a. bei Eintracht Braunschweig, VfL Wolfsburg, Basketball Löwen oder New Yorker Lions. Sie ist besorgt, wie es weiter gehen wird. „Gegen die Regularien der DFL bin ich als freie Fotografin machtlos.“ Sie selbst macht sich große Sorgen, „dass künftig so weiter verfahren wird, wenn man feststellt es funktioniert auch so.“ Die Branche taumelt in eine große Krise. Selbst Susanne Hübner als langjährige Fotografin weiß noch nicht, wie es weitergehen soll.

„Da die Bundesländer die Hygiene- und Sicherheitskonzepte der Verbände sogar in den Corona-Verordnungen als Grundlage für Ausnahmegenehmigungen zur Durchführung von Sportveranstaltungen machen, bekommen diese Festlegungen auch einen Charakter, der sich unter Umständen auf Dauer festsetzt und damit zahlreiche FotografInnen dauerhaft vom Beruf ausschließt“, warnt der DJV. „Inwieweit das sport- und medienpolitisch, aber auch wettbewerbs- oder kartellrechtlich überhaupt haltbar ist, fragen sich derzeit zahlreiche involvierte Experten, nicht nur im DJV.“

Eine ganze Branche zittert. Sie ist enorm wichtig. Ihr Dilemma ist ein Dasein im Hintergrund. Foto: Agentur Hübner


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