Neue Löwen braucht das Land: Gebt uns endlich Namen!

8. Juni 2018
Langsam wird es Zeit für Namen, meint unser Kolumnist. Foto: Agentur Hübner
Braunschweig. Vor eineinhalb Wochen hat Eintracht Braunschweig mit Henrik Pedersen den Nachfolger von Torsten Lieberknecht als Coach der Profimannschaft vorgestellt. Seitdem herrscht die gleiche Stille rund um den Verein wie davor. Das geht brutal an die Nerven, meint Till Oliver Becker.

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Eigentlich will ich gar nicht meckern. Viel lieber möchte ich mich auf die kommende Saison freuen – auch wenn der BTSV nach einem unglaublich dämlichen Abstieg jetzt in der dritten Liga startet. Ich will Neuzugänge diskutieren, will mir Gedanken um mögliche Taktiken und Spielsysteme machen. Den Spielplan sezieren. Und mental Anlauf nehmen für eine Aufstiegsfeier.

All das geht nicht. Weil Eintracht Braunschweig bis heute keine Fortschritte in der Kaderplanung vermelden kann. Im Gegenteil! Heute schrieb die Braunschweiger Zeitung, dass sogar Niko Kijewski und Marcel Engelhardt, die beide ihre Verträge erst vor wenigen Monaten verlängert hatten, auf der Kippe stehen. Der Grund: die neuen Arbeitspapiere galten lediglich für die zweite Bundesliga. Stand jetzt sind beide Akteure vertragslos. Das gleiche gilt auch für Ken Reichel, den man ebenfalls halten will.

Laktattest mit neun Spielern?

In wenigen Tagen wird Eintracht Braunschweig mit einer Leistungsdiagnostik in die Vorbereitung zur neuen Saison starten. Was bisher fehlt, ist die Mannschaft für diese Vorbereitung. Vier Wochen nach dem Zweitliga-Abstieg hat die Eintracht gerade einmal neun Profis unter Vertrag – und zwei Drittel davon sollen oder wollen den Club noch verlassen.

Mit jedem Tag, der ereignislos verstreicht, wird der Druck auf Marc Arnold größer, endlich Erfolgsmeldungen zu produzieren. Er hat die halbe Mannschaft fortgeschickt und muss ein neues, starkes Team aufbauen. Dass das schwer und teuer wird, zeigt der Kampf des 1.FC Kaiserslautern um Jenas Timmy Thiele. Der 26-jährige Stürmer mit einer Quote von 11 Drittliga-Treffern in 22 Spielen hat bei Carl Zeiss noch einen Vertrag bis 2019 und soll eine halbe Million Euro Ablöse kosten.

Keine gültigen Verträge: Niko Kijewski und Torwart Marcel Engelhardt. Fotos: Agentur Hübner

Mit der U23 in die 3. Liga?

Eine halbe Million Euro für einen tauglichen Drittliga-Stürmer, das ist also die Hausnummer, die auf Eintracht wartet, wenn man Spieler aus laufenden Verträgen herausholen will. Mit ablösefreien Akteuren braucht man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unbedingt zu rechnen – wessen Vertrag in diesem Sommer auslief und das Zeug zum Leistungsträger bei einem Aufstiegskandidaten der dritten Liga hat, der hat auch längst ein anschließendes Arbeitspapier unterschrieben. Der Verweis auf das sich erst Anfang Juli öffnende Transferfenster vermittelt dabei lediglich eine trügerische, falsche Sicherheit. Denn wenn diese zweimonatige Periode beginnt, sind die Entscheidungen in der Regel bereits gefallen.

Längst geht in Fankreisen die Sorge um, Eintracht werde die Spielzeit mit einem Kader angehen, der aus Spielern der U23 und der U19 besteht – eilig befördert, damit es überhaupt eine Mannschaft gibt. Diese Sorgen mögen übertrieben sein. Aber die Nerven der Anhänger sind zum Zerreißen gespannt. Und mit jedem Tag, der ohne Neuzugang vergeht, wächst diese Anspannung. Dabei wäre man mittlerweile sogar mit Ergänzungsspielern zufrieden. Vorerst. Nur, bitte, Eintracht, liefert endlich Ergebnisse. Namen! Damit die Fans sehen, dass es vorangeht. Dass Eintracht eben doch einen Plan B hatte und nicht eiskalt überrascht wurde vom Abstieg. Und damit ich endlich aufhören kann zu meckern. Denn das macht überhaupt keinen Spaß. Nur ist es wohl leider notwendig.

Henrik Pedersen bat um Geduld. Wie viel können die Fans dem Verein geben? Foto: Frank Vollmer

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Dies ist ein Kommentar von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der unserer Redaktion

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