Neuer Vorstand! Versammlung des SSC offenbarte drohende Krise

17. Dezember 2017 von
Wohin führt der Weg des SSC Germania 08 Braunschweig? Fotos: Martin Wogan, Grafik: Frank Vollmer

Braunschweig. „Habemus Papam“ – Wir haben einen Papst, verkündete der SSC Germania 08 Braunschweig am späten Sonnabend auf seiner Vereinshomepage. Der Hinweis darauf, dass in der Außerordentlichen Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gewählt wurde, deutet unbewusst auf eine ungewisse Zukunft hin: Der weiße Rauch am Horizont kann auch als Schwelbrand einer drohenden Krise verstanden werden. 


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Quo vadis SSC?

Bleiben wir im Lateinischen: Wohin führt der Weg von Braunschweigs ältestem Schwimmverein? Aktuell stehen der Germania schwere Zeiten ins Haus. Das machte die gestrige Außerordentliche Mitgliederversammlung mehr als deutlich. Nach dem Bekanntwerden der Stellung eines Insolvenz-Antrags (wir berichteten), fanden sich am Sonnabendnachmittag 115 Vereinsmitglieder im Schützenhaus ein, von denen 112 stimmberechtigt waren. Nachdem der langjährige Vorstandsvorsitzende des SSC, Bodo Witt, im Oktober überraschend verstorben war, musste eine neue Vereinsführung gewählt werden. 

Dramatischer Mitgliederschwund

Der Mitgliederschwund nimmt bei dem Schwimmverein drastische Züge an. 200 Austritten der jüngeren Vergangenheit folgen nun um die 60 Studenten. Die begründeten ihren Abschied vor allem in der fehlenden Akzeptanz als vollwertige Vereinsmitglieder und übten gleichzeitig harsche Kritik am Vorstand des Vereins. So lehnte beispielsweise Jugendleiterin Gudrun Stadler um Posten im Verein bemühte Studierende lapidar ab: „Einen solchen Posten kann man nicht mit Studenten besetzen, die sind nur Studenten!“ Nicht nur diese flapsige Äußerung sorgte im Auditorium für Unverständnis und deutete einen inneren Konflikt bei den Germanen an: Ältere Vereinsmitglieder unter den Anwesenden teilten Stadlers Einschätzung.

Großer Redebedarf: Nachfragen wurden, wenn überhaupt, nur unbefriedigend beantwortet. Foto: Wogan

Was wurde aus der Sonderzahlung? 

In der Vereinskasse tut sich ein unerwartet großes Loch auf. Geschäftsführerin Marion Reding offenbarte in ihrem Rechenschaftsbericht eine Deckungslücke von 5.000 Euro. Der kommissarische Vorsitzende Eberhardt Kastens korrigierte diese Zahl noch einmal auf 9.000 Euro zum November 2017 und auf gar 17.000 Euro zum Januar 2018. Hierbei brannte den Anwesenden natürlich die Frage auf den Lippen, was aus einer einmaligen Sonderzahlung geworden ist, die alle Mitglieder des Vereines mit zusätzlichen 20% ihres Mitgliederbeitrages 2017 zu entrichten hatten. Der noch amtierende Vorstand ging während der Versammlung nicht detailliert darauf ein.

Größter Posten seien der Rechenschaft nach 75.000 Euro für Trainer, 60.000 Euro für Wasserzeiten und 34.000 Euro für das Vereinsheim und Kosten für die Verwaltung. Auf Nachfrage konnte der bisherige Vorstand keinerlei Auskunft darüber geben, wie es 2018 weitergehen soll. Man habe bereits vorsorglich den Trainern gekündigt, vergaß jedoch, denen das vorab mitzuteilen, was für weitere Empörung im Verein sorgte. Ebenso wurde in der gestrigen Versammlung die Frage nach möglichen Einsparmaßnahmen recht abrupt abgewiegelt. Der Verweis darauf, diese Diskussion nach den Neuwahlen des Vorstands erneut einzubringen, blieb später am Abend ungenutzt.

„Ein großer Verein ist wichtig für den Schwimmsport in Braunschweig. Ich hoffe, dass die Germania die Notwendigkeit des Handels erkennt und nutzt“ Dr. Ernst Rzesacz, Vorsitzender der SSG Braunschweig

Neuer Vorstand ein Neuanfang?

Ein neuer Vorstand konnte in der emotional recht aufgeheizten Versammlung gefunden werden. Volker Neitzel, vorher im Schwimmmausschuss tätig, ist neuer 1. Vorsitzender des SSC Germania. Die neue Vorsitzende im Bereich Verwaltung, Brigitte-Su Köster, tritt ihren neuen Posten ebenso ohne nennenswerte Erfahrungen in diesem Bereich an, wie Sarah Maasberger als Vorsitzende im Bereich Sport. Diese drei sollen die drohende Krise abwenden.

„Ich bin froh, dass sich drei Mitglieder durchgerungen haben, die Posten zu übernehmen“, sagte Norbert Rüscher nach der Wahl und wünschte dem neuen Vorstand alles Gute. Der Vizepräsident des Stadtsportbundes riet dem Verein zu einer Überarbeitung der Satzung, die nicht mehr zeitgemäß sei und heutzutage so nicht mehr funktioniere. Gleichzeitig bot Rüscher seine persönliche und die Unterstützung des Stadtsportbundes an.

Unter den Vereinsmitgliedern begrüßten viele den möglichen Neuanfang, einige sahen in der Neuaufstellung jedoch eher einen faulen Kompromiss. Die Vermutung, dass an alten Strukturen weiter festgehalten werde lag nahe. Schon zu Beginn 2017 hatten viele Reformen gefordert. 

Gelingt der Neuanfang? Foto: Wogan

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