Paukenschlag für Nachhaltigkeit: LionPride raus aus Liga 1

5. April 2019 von
"Wir lassen uns nicht erpressen", sagt Girls-Baskets-Regio-38-Vorstand Bernd Rosemeyer. Foto: Agentur Hübner
Braunschweig. Manchmal ist ein Schritt zurück besser als zwei Schritten nach vorne: Trotz des erreichten Klassenerhaltes müssen die Basketballerinnen von Eintracht Braunschweig LionPride den Gang in die 2. Liga antreten. Wie der Verein am Freitagmorgen mitteilte, soll so in erster Linie wieder die nachhaltige Ausblidung von Talenten vorangetrieben werden. Fällt die Mannschaft nun auseinander?

Zurück zum ursprünglichen Konzept

Es war eine lange und harte Premierensaison für die Korbjägerinnen von Eintracht Braunschweig, die vor der Saison mit dem Wolfpack Wolfenbüttel fusionierten und auch deren Erstliga-Lizenz nutzten. Am Ende stand nach einigen Startschwierigkeiten nicht nur der Klassenerhalt. Die Mannschaft von Trainer Peter Kortmann erreichte am letzten Spieltag noch überraschend die Playoffs. Und doch brodelte es dauerhaft gewaltig hinter den Kulissen. 

„Es kann nicht der richtige Weg sein, eigene Fehler auf den Schultern der anderen Vereine oder einer ganzen Liga auszutragen“, sagt Bernd Rosemeyer, der ein hartes Urteil folgen lässt. Man habe aufgezeigt bekommen, dass die Spielordnung der Liga Schwächen habe und dringend überarbeitet werden müsse. „Aber wir lassen uns von einer Mannschaft, die es sportlich nicht verdient hat, in der Liga zu bleiben und zudem einen klaren eigenen Fehler bei der Anmeldung einer Spielerin gemacht hat, nicht erpressen“, so der Vorstand von Girls Baskets Regio 38 in einer Vereinsmitteilung vom Freitag. 

Dies sei nicht der alleinige Grund für die folgende Entscheidung – so betonen die Macher in ihrer Mitteilung – doch sagt das allein schon vieles aus. Unter dem Strich folgt damit die logische Konsequenz, welche Eintracht Braunschweig in diesem Zusammenhang mitteilt: Der Verein zieht „das LionPride als erste Mannschaft des Ausbildungskonzepts“ freiwillig aus der 1. Liga zurück und startet in der kommenden Saison zweitklassig.

Entscheidung mit weitreichenden Folgen

„Der Kern des Teams der nächsten Saison sind sieben Nachwuchsspielerinnen – unter ihnen fünf Jugend-Nationalspielerinnen – der Jahrgänge 2000 bis 2004. Für das nachhaltige Ausbildungskonzept werden diese Talente optimal in der zweiten Liga gefördert und sollen so wieder an Erstliganiveau herangeführt werden“, heißt es in der Meldung. 

Ein großer Knackpunkt neben all den gemachten Erfahrungen sei demnach, dass lediglich Merit Brennecke und Nina Rosemeyer den Schritt in die feste Rotation des Erstligateams geschafft haben. Beide standen durchschnittlich 10 respektive 17 Minuten auf dem Feld. Dem Ursprungsgedanken der Jugendförderung konnte damit nicht hinreichend Rechnung getragen werden.

Im Gegenteil: Ganze sechs ausländische Profispielerinnen bildeten den Stamm der Mannschaft. Bis sich das Team überhaupt gefunden hatte, verschliss man mehrere US-Girls, die kamen und genauso schnell wieder weg waren. Letztendlich gab es so sportlich einen guten Ausgang der Saison, nachhaltig war das aber ganz sicher nicht. „Wir sind unglaublich stolz auf alle Spielerinnen“, betont Vereinsmanager Sven Rosenbaum und ergänzt: „Es war eine tolle Mannschaft, die zusammen durch dick und dünn gegangen ist. Meine Erfahrung aus anderen Erstligastandorten, vor allem hinsichtlich der bezahlten Profis, ist eine ganze andere. Das LionPride und das dahinterstehende Konzept sind besonders, aber wir müssen erkennen, dass das nicht nachhaltig ist“, muss auch Rosenbaum eingestehen. Mit dem Rückzug verbunden sind auch einige personelle Änderungen, die bisher aber weder kommentiert noch bestätigt werden können. 

Für mehr Durchlässigkeit

Die konzeptionelle Struktur der Girls Baskets Akademie sieht die Durchgängigkeit der Jugend bis zur Bundesliga vor und soll die Entwicklung regionaler Talente für die erste Mannschaft und die Nationalmannschaften optimal unterstützen. In der nächsten Saison kann man wieder auf so viele Nachwuchstalente setzen, von denen bereits fünf Spielerinnen den Sprung in die Jugend-Nationalmannschaften geschafft haben.

Für die jüngere Hälfte der hauseigenen Nachwuchsspielerinnen käme die erste Liga noch zu früh. „Wir wollen unsere ganz jungen deutschen Talente nächste Saison durch Ausbildung in der zweiten Liga wieder an die erste Liga heranführen“, erklärt Bernd Rosemeyer, Vorstand von Girls Baskets Regio 38, in diesem Zusammenhang.

„Unser Ziel muss es sein, in den nächsten ein bis zwei Jahren eine ’stabile Aufstellung‘ mit vielen in der Region ausgebildeten Talenten als Leistungsträgerinnen in der ersten Liga zu entwickeln, die durch Ergänzung von maximal vier ausländischen Profis im Mittelfeld des Oberhauses spielen können“, ergänzt Vorstandskollege Thorsten Falk

Das gesamte Managementteam der Girls Baskets Akademie sei sich einig, dass es ein mutiger Schritt ist. Aber die klare konzeptionelle Ausrichtung auf Nachwuchsförderung und die Vision, dass man sich mit diesem Konzept nachhaltig in der Spitze des deutschen Damen-Basketball etablieren werde, bestärke das Team, diesen Weg zu gehen. Man sei sehr stolz, dass die großen Sponsoren, mit denen dieser Schritt erörtert wurde, ebenfalls hinter dem Ausbildungskonzept stehen und mit den Weg über die 2. Liga gehen.

Sponsorenpool vergrößern

Ebenfalls ein wichtiger Aspekt sei hierbei das Ehrenamt. Ausschließlich damit lasse sich der Spielbetrieb nicht stemmen. „Auch da müssen wir uns weiterentwickeln. Bezahlte helfende Hände, die sich mit den umfassenden operativen Aufgaben Woche für Woche auseinandersetzen sind mittelfristig unersetzlich. Diese Saison wurden unsere Ressourcen maximal ausgereizt. Oft genug standen Projekte auf Messerschneide“, berichtet Abteilungsleiter Michael Haertle. Klares Ziel sei es, dass der Verein zurückkehrt in die erste Liga. Dazu müsse er stabil aufgestellt sein und in der Lage sein, mit maximal vier ausländischen Profis um die Playoffs mitspielen zu können.

Diese Ziele sind immer auch abhäbgig von der finanziellen Situation. So will man auf Basis „unseres nachhaltigen Konzeptes den Sponsorenpool vergrößern, das Zuschauerpotenzial erhöhen und durch Erfolg attraktiv sein“. Auf diese Weise peilt man mittelfristig auch wieder die 1. Bundesliga an. 

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