Die Rundum-Kameras im Eintracht-Stadion sorgen weiterhin für verhärtete Fronten.
Die Rundum-Kameras im Eintracht-Stadion sorgen weiterhin für verhärtete Fronten. Foto: Frank Vollmer/Archiv
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16.03.2020

Reizthema Videoüberwachung: Entzieht sich die Polizei dem Dialog und setzt auf Konfrontation?

von Frank Vollmer


Braunschweig. Beim Reizthema „Videoüberwachung im Eintracht-Stadion“ scheint die Polizei Braunschweig auf eine Konfrontationstaktik zu setzen. So wurden sämtliche Gesprächsangebote seitens der Behörde bisher ausgeschlagen. Auch wurde nach Informationen der Blau-Gelben Hilfe (BGH) zum wiederholten Male ein vermeintlich beschuldigter Eintracht-Fan mit fragwürdig anmutenden Methoden unter Druck gesetzt.

Einfache Vorladung von uniformierten Beamten überbracht


Eines kann man mit Sicherheit sagen: Die Fronten sind verhärtet. Es geht um sechs zu Beginn der Saison 2019/20 von der Polizei installierte Kameras im Eintracht-Stadion, die viele Fußnallfans und auch die BGH als Eingriff in ihre Grundrechte empfinden und die Polizei kritisierten (mehr hier).

Zwischen Verein, Fanbetreuung, Politik und der Polizei war es seitdem nicht möglich, aufeinanderzuzugehen und in einen Dialog zu treten. Nun wurde stattdessen ein Eintracht-Fan unter Druck gesetzt, indem ihm eine einfache Vorladung für eine Aussage bei der Polizei persönlich von uniformierten Beamten zugestellt wurde.

„Eine Vorladung für eine Aussage bei der Polizei kommt eigentlich mit der Post, es besteht auch kein Grund diese persönlich zu überreichen“, teilt Jendrik Pufahl von der BGH mit und betont: „Vielmehr wird der Betroffene durch das Erscheinen an der Haustür schon im Vorfeld unter sozialen Druck gestellt. Es wird Nachbarn und Familienangehörigen der Eindruck vermittelt, dass hier etwas Großes gegen den Betroffenen vorliegt. (…) Dieses Vorgehen ist entschieden abzulehnen und es führt bei den Betroffenen erst recht zu einer generellen Abwehrhaltung der Polizei gegenüber.“

Seitens der BGH hofft man nun, dass die Polizei zukünftig auf ein solches Verhalten verzichtet. „Wir bitten weiterhin, dass sich Betroffene bei uns melden. Nur so können wir auch weiterhin auf dieses Thema aufmerksam machen“, so Pufahl. Auslöser der Maßnahme war das wiederholte Abhängen der Kamera, die über Block 9 im Eintracht-Stadion montiert wurde – ein Katz-und-Maus-Spielchen zwischen Polzei und Ultras.

BGH erneuert ihr Gesprächsangebot


Eine Lösung in der Problematik ist scheinbar nicht in Sicht. „Als Blau-Gelbe Hilfe haben wir von Anfang an angeboten, in einen konstruktiven Austausch zu treten und gemeinsam tragbare Lösungen zu finden. Leider ignoriert die Polizei Braunschweig bis heute unsere Angebote und setzt scheinbar weiterhin auf einen konfrontativen Weg. Schade, unser Angebot bleibt wie gesagt aber weiter bestehen“, betont Pufahl.

Noch im vergangenen Oktober hatte Stefan Weinmeister, Sachbearbeiter Öffentlichkeistarbeit Polizei Braunscheig, auf Nachfrage unserer Redaktion gesagt: „Ein aktuell angestrebter Dialog unter Beteiligung Eintracht Braunschweig, Vertretern der Fans und der Polizei Braunschweig konnte seitens der Polizei aufgrund der überaus kurzfristigen und nicht abgestimmten Terminsetzung nicht erfolgen. Die Gesprächsbereitschaft der Polizei Braunschweig besteht nach wie vor." (mehr zum Thema hier). Diese angesprochene Gesprächsbereitschaft wurde bisher nur verbalisiert. Wann folgen den Worten Taten?


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