Spielabbruch: Braucht auch der Wasserball den Video-Beweis?

30. Juni 2019
Peter Waldmann am Ball. Foto: Florian Steinmann/Archiv
Wolfenbüttel. Die Wasserballer des Wolfenbütteler Schwimmvereins von 1921 traten am Donnerstagabend, den 27. Juni 2019, zum Heimspiel gegen den ASC Göttingen an. Die Gäste, die bis vor kurzem noch in der Oberliga gegen die erste Herren des WSV21 bestehen musste, spielen seit dieser Saison nur noch in der Bezirksoberliga und waren daher klar in der Favoritenrolle gegen die zweite Garde Mannschaft aus Wolfenbüttel. Ein Beitrag von Florian Steinmann.

Ein Wasserballspiel, welches normalerweise über vier Viertel mit jeweils 8 Minuten effektiver Spielzeit geht, dauert im Normalfall etwa eine Stunde. Von der ersten Minute an war dieses Duell durch hartes körperliches Spiel seitens einiger Göttinger geprägt. Finn Kaiser, der durch seine Geschwindigkeit vielen Gegnern davonschwimmen kann, wurde schon im ersten Angriff durch hartes Foul ausgebremst. Die Schiedsrichter konnten die Härte auch im Folgenden nicht aus dem Spiel nehmen. In der fünften Spielminute eskalierte die Situation schließlich. Peter Waldmann bekam kurz vorher über Wasser einen Schlag gegen den Kopf und verließ das Wasser mit einer Platzwunde im Mundinnenraum. Normalerweise ein Grund für eine Hinausstellung ohne Ersatz, blieb die Tätigkeit in diesem Spiel unbestraft.

Trainer Florian Straube, der immer wieder versuchte die Schiedsrichter auf das harte Spiel aufmerksam zu machen und seine Meinung schließlich auch lautstark vertrat, sah schließlich die gelbrote Karte und hätte den Beckenbereich damit verlassen müssen. Da er eine Verletzungsgefahr für seine Schützlinge sah, setzte er sich aber darüber hinweg, was letztendlich zum Spielabbruch, noch vor Ende des ersten Viertels führte.

„Das war eine ungünstige Konstellation“

Der Vorfall unterstreicht die Härte im Wasserballsport, die normalerweise aber auf einem fairen Niveau bleibt und nach dem Spiel vergessen ist. WSV21-Wasserballwart Kristopher Wilkens, dem erst vor wenigen Monaten in einem Spiel der ersten Herren ein Schneidezahn ausgeschlagen wurde, kommentierte: „Das war einfach eine ungünstige Konstellation, da es keine wirklich unparteiischen Schiedsrichter gab. Zu Beginn sollte ein Schiedsrichter aus Göttingen pfeifen. Erst nach unserem Einwand wurde ein zweiter Schiedsrichter, der aus Wolfenbüttel war, zugestanden. Die Missachtung des Schiedsgerichts entspricht nicht dem Sportsgeist den wir vertreten, jedoch war die Herbeiführung des Spielabbruchs im Sinne der Mannschaft und für mich nachvollziehbar.“

Er stellt ebenfalls klar: „Den Schiedsrichtern in Persona machen wir keinen Vorwurf. Problematisch ist eher, dass von den meisten Vereinen nicht genug Schiedsrichter gestellt werden. In der Vergangenheit hatten wir mehrere Spiele bei denen kein Schiedsrichter kam oder zu wenige da waren. Wir stellen mehr als wir müssen. Das schaffen aber die wenigsten Vereine.“ Genau hier lag auch die Ursache für die Schiedsrichter-Konstellation. Der ursprünglich angesetzte Schiedsrichter war beruflich verhindert und die einzige Alternative, die nicht aus Wolfenbüttel oder Göttingen kommt war im Urlaub. Dabei stell der WSV21 mit Abstand die meisten Schiedsrichter im Bezirk.

Die Schiedsrichterrolle ist beim Wasserball besonders anspruchsvoll, da viel unter Wasser passiert und die Sichtverhältnisse auch über Wasser nicht immer gut sind. Mit der richtigen Übersicht und Strategie kann die Eskalation im Wasser vermieden werden. Fouls müssen konsequent und früh geahndet werden. Nichtsdestotrotz ist der Respekt gegenüber dem Schiedsrichter eine grundlegende Notwendigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob dem WSV21 für das Verhalten von Trainer Straube eine Strafe winkt. Die harten Fouls können im Nachhinein nicht geahndet werden. Vielleicht ist der Videobeweis zukünftig auch im Amateur-Wasserball von Nöten.

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