Tauchen mal anders – eisige Grüße vom Baikalsee

24. April 2017
Der WSV im kalten Sibieren. Fotos: Beate Zgonc
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Sibirien/Wolfenbüttel. Zum Tauchen unter das Eis des Baikalsees in Süd-Ost Sibirien begab sich WSV-Taucherin Beate Zgonc im vergangenen März. Mit den aus dem See gesägten Eisblöcken sendet sie einen Gruß an die Vereinskollegen und berichtet nach der Heimkehr von Fakten und Eindrücken anhand einer Dia-Präsentation im Vereinsraum am Fümmelsee.


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Eisige Grüße an den WSV21

Der Baikalsee liegt im Osten Russlands in den südsibirischen Gebirgen und ist Teil eines kontinentalen Grabenbruchs, dem sogenannte Baikal-Graben. „Es ist das heiliges Meer der dort lebenden Burjaten und für die Russen die Perle Sibiriens“, erläutert Beate Zgonc: „Keine Bezeichnung und auch keine der ihn auszeichnenden Superlativen können die von ihm ausgehende Faszination wirklich beschreiben“. Der See hat ein Volumen von 23.615,39 km³, welches damit größer ist als das der Ostsee. Mit 1642 m Tiefe ist es der tiefste See der Welt und bildet das größte Reservoir flüssigen Süßwassers der Erde mit einem Fünftel aller flüssigen Süßwasserreserven. Etwa zwei Drittel der rund 1500 Tier- und 1000 Pflanzenarten sind endemisch, kommen also ausschließlich hier vor.

Auch im Sommer nicht für jeden etwas

Wegen der enormen Wassermenge des Sees steigt die Wassertemperatur selbst im Juli und August kaum über 10 °C an der Wasseroberfläche. Darunter hat der See ganzjährig 4 °C. Von Anfang November bis Ende März herrscht Dauerfrost. Die Winter sind mit Durchschnittstemperaturen um −20 °C trocken und kalt. Die Temperaturen können bis auf etwa −50 °C fallen. Bis Anfang Mai ist der See meist komplett zugefroren, das Eis erreicht eine Stärke bis zu 1,5 Meter und stellt besondere Anforderungen an das Tauchen unter Eis. Dort bilden sich Formationen die über 10 Meter Tiefe erreichen können.

Vom Eistauchen spricht man, wenn das Gewässer oder auch nur Teile davon mit einer Eisschicht bedeckt sind. Die Dicke der Eisschicht ist dabei ohne Belang, da auch sehr dünne Eisschichten von wenigen Millimetern ein direktes Auftauchen verhindern. Daher ist es erforderlich mit einer Sicherungsleine und spezieller kaltwassertauglicher Ausrüstung zu tauchen. Eistauchen praktizieren Taucher des WSV21 auch im Winter am Fümmelsee, doch die Bedingungen und Eismassen am Baikalsee sind andere.

Einmalige Unterwasserlandschaften entschädigen für die Kälte

„Am Baikalsee eröffnet sich unterm Eis eine neue Landschaft, geprägt nur von dem Licht und den Formationen des Eises“, schwärmt Beate Zgonc und zeigt Fotos die einen Eindruck vermitteln von Farben durch einfallendes Sonnenlicht, klaren Eisschichten, Spiegelungen und besonderen Eisformationen. „Es ist schon etwas Besonderes durch diese Eiswelt zu tauchen oder über das Eis des Sees zu wandern, immer wieder unterbrochen vom ächzenden, an zerspringende Stahlseile erinnernden Knacken des Eises“, untermalt sie diese mit persönlichen Eindrücken.

Auch über Wasser eine Reise wert

Auch über Eis bieten sich scheinbar unendliche Eislandschaften mit bizarren Strukturen und zahlreichen vereisten Höhlen am Ufer, präsentiert sie anhand von Bildern. „Sibirien im Winter ist ein grandioses Naturerlebnis. Auch in den wenigen Ortschaften erlebt man eine gänzlich andere Welt“, meint Beate Zgonc: „Auf Märkten sind die meisten Waren gefroren oder eingekocht, die Menschen begegnen einem in (oft über Generationen vererbten) Pelzen und sind neugierig und aufgeschlossen gegenüber den wenigen Touristen.“ Eine weite Reise und diverse Unwägbarkeiten muss man schon hinnehmen wenn man sich ein solches Ziel zum Tauchen wählt. Nur wenige Taucher fänden den Weg dorthin oder kommen gar auf den Gedanken, meint sie verschmitzt.

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