Waspo98-Wasserballer empfangen Olympiakos und „Sport1“

12. März 2018
Montenegros Vize-Europameister Aleksandar Radovic sorgt beim deutschen Pokalsieger Waspo 98 Hannover für spektakuläre Tore. Foto: Jens Witte

Hannover/Wolfenbüttel. Champions League in Niedersachsen? Das gibt es tatsächlich, allerdings nicht auf dem grünen Rasen, sondern im Schwimmbecken. Es berichtet Wolfgang Philipps.

Champions League in Niedersachsen

In den letzen Jahren hatte der Wasserball sehr zu kämpfen. Fehlender Nachwuchs und das fehlende Interesse am Sport trieben den Wasserball an den Existenzrand. Doch noch wird Wasserball an vielen Standorten in der Region gespielt. Unter ihnen Vereine wie die Eintracht Braunschweig, der ASC Göttingen oder der WSV Wolfenbüttel, um nur einige zu nennen. Der WSV Wolfenbüttel spielte noch in der Saison 2016/17 gegen die Mannschaft der Waspo98 aus Hannover in der Oberliga. 

Waspo 98 wurde im vergangenen Jahr sogar deutscher Pokalsiegers und spielt bereits zum dritten Mal nach 2012/13 und 2016/17 unter Europas besten Vereinsmannschaften in der prestigeträchtigen Gruppenphase. Am Mittwochabend empfing der Klub aus der Landeshauptstadt mit Griechenlands Meister Olympiakos Piräus allerdings nicht nur einen vielfach berühmten Namen der Sportwelt erstmals im heimischen Stadionbad, sondern auch „Sport1“. Die Partie wurde live vom bundesweit empfangbaren Spartensender ausgestrahlt.

In einer anderen Liga

Wer Wasserball aus dem Schulsport oder von Schwimmbadbesuchen zu kennen meint, kam aus dem Staunen nicht heraus: Der Europäische Schwimmsportverband LEN will die seit 1996 existierende Königklasse des internationalen Vereinswasserballs zu einer europaweiten Fernsehliga machen, und mit dem nationalen Rekordmeister Wasserfreunde Spandau 04 aus Berlin sowie dem aufstrebenden nationalen Pokalgewinner Waspo 98 sind auch zwei deutsche Vereine unter den 16 besten Mannschaften Europas vertreten. Seit der Saison 2013/2014 laufen sämtliche Spiele der prestigeträchtigen Gruppenphase unter www.len.eu live im Internet, und bei Anfrage seitens der Sender muss ebenso ein Fernsehsignal gestellt werden. Selbst eingefleischte Fans der Sportart erkennen, dass direkt neben dem Niedersachsenstadion gelegene Stadionbad kaum mehr wieder, wenn ein großer Helferschwarm des Traditionsvereins die Anlage mehrmals im Jahr für einen Abend zu einer regelrechten Wasserballarena umbaut.

Internationaler Spitzenwasserball ist allerdings auch längst keine Feierabendbeschäftigung mehr: „In Ungarn und Jugoslawien ist Wasserball Volkssport“, weiß Waspo98-Vereinspräsident Bernd Seidensticker aus eigener Erfahrung zu berichten. Hier und in einigen anderen Ländern Süd- und Osteuropas laufen die Spiele live im Fernsehen, wobei sich in Ungarn sogar gleich mehrere Sender um die Übertragungsrechte bewerben. „Wir haben inzwischen sogar Anfragen aus den USA“, zeigt sich Marco Birri, Wasserballmanager der LEN, über die Entwicklung des Wettbewerbs mehr als erfreut, der in der zwischen Ende Oktober und Anfang Mai stattfindenden Gruppenphase mittlerweile 14 Spieltage umfasst und anschließend auch eine Achter-Endrunde bieten wird.

Die LEN-Macher können allerdings in ihrem seit 2013 weiter professionalisierten Wettbewerb, der in der Gruppenphase zuletzt von zwölf auf 16 Mannschaften ausgeweitet worden ist, allerdings auch die absoluten Stars der Sportart bieten. Niedersachsens langjähriger Toppklub hier ebenso kräftig mit: Mit Predrag Jokic, Bundesligatorschützenkönig Aleksandar Radovic und Darko Brguljan aus dem Allstarteam von Rio hat Waspo 98 mittlerweile gleich drei Olympiateilnehmer aus der Nationalmannschaft des amtierenden Vize-Europameisters Montenegro unter Vertrag. „In Montenegro sind das nationale Berühmtheiten. Da kennt die wirklich jeder“, weiß Seidensticker zu berichten. Zuletzt haben sich mit Nationalspielführer Julian Real, Torhüter Moritz Schenkel (zuvor ASC Duisburg) und Tobias Preuß (Spandau 04) drei der besten deutschen Nationalspieler den Niedersachen angeschlossen.

Am Abend rüsten die Waspo98-Macher nun zum nächsten Wasserballfestival in Niedersachsens größter Schwimmsportarena, und mit Griechenlands Meister Olympiakos Piräus gastiert diesmal der Tabellenführer der Gruppe A am Maschsee. Waspo 98 Hannover hat nach sechs Niederlagen in bisher acht Spielen kaum noch Endrundenchancen, blickt aber dennoch nach vorne: „Internationale Spiele auf diesem Niveau benötigen wir, um besser zu werden. In der Vergangenheit ist uns dies ganz gut gelungen, und wir sind immer bergauf gegangen, die Spitze ist allerdings noch nicht erreicht“, sagt Hannovers Trainer Karsten Seehafer, der als Spieler 1993 selbst deutscher Meister mit Waspo gewesen ist und sich hier regelmäßig mit dem damals noch erstklassigen Team von Eintracht Braunschweig duelliert hat.

Der inzwischen weit enteilte Klub aus der Landeshauptstadt hat in den vergangenen Jahren in der Tat eine phänomenale Entwicklung hingelegt, und die Macher blicken in der Tat noch weiter nach vorne: Im Sommer 2019 ist Waspo 98 Gastgeber des „Final Eight“ der Champions League und kann dann in geballter Form Europas beste Mannschaften in der Landeshauptstadt präsentieren, doch auch die Freude auf das heutige Spiel ist groß. Zum zweiten Mal nach 2017 ist „Sport1“ im Stadionbad zu Gast, um live vor Ort bundesweit zu berichten. Die Partie konnte von 17:25 Uhr an im „echten“ Fernsehen oder unter https://tv.sport1.de/sport1/ im Livestream des Senders verfolgt werden. Auch das war aus deutscher Sicht bereits ein kleiner Meilenstein für die Sportart.

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