Marco Antwerpen hat sich und seinen Absichten keinen Gefallen getan.
Marco Antwerpen hat sich und seinen Absichten keinen Gefallen getan. Foto: Agentur Hübner/Archiv
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10.06.2020

Zartbesaitet? Marco Antwerpen schadet sich selbst und seinen Absichten

Ein Kommentar von Till Oliver Becker


Braunschweig. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bei der SpVgg Unterhaching reagierte Trainer Marco Antwerpen ungewöhnlich dünnhäutig auf eine Frage und umging die Antwort. Vielleicht verständlich, aber damit habe der 48-jährige Coach sich und seinen Absichten keinen Gefallen getan, meint unser Kolumnist Till Oliver Becker.

Die Frage an sich war unspektakulär. Was denn mit Robin Becker sei, wollte der BZ-Redakteur Daniel Mau vom Eintracht-Trainer wissen. Eine Frage, mit der zu rechnen war, schließlich gehörte der Verteidiger vor der Corona-Zwangspause noch zum unumstrittenen Stammpersonal, und nicht nur unter den Fans wird die Zukunft des Spielers rege diskutiert. Mit dieser an sich harmlosen Frage erwischte Mau den Coach offensichtlich auf dem falschen Fuß. Antwerpen schenkte sich die Antwort und meinte stattdessen, er könne die Diskussion nicht nachvollziehen. Es sei wohl ein typisches Braunschweiger Ding, und man solle lieber über die Dinge sprechen, die gut liefen.

Es war bei weitem nicht die einzige seltsame Sichtweise, die Antwerpen an jenem Dienstag offenbarte. Natürlich, der Coach steht massiv unter Druck. Es fehlen die Fortschritte im Vergleich zu seinem Vorgänger Christian Flüthmann – das Team spielt weder besser noch sicherer noch erfolgreicher. Und auch, wenn es offiziell nicht so formuliert wird, geht es doch um nichts anderes als den Aufstieg. Dass das kein Selbstläufer ist, hat man spätestens in der zweiten Halbzeit gegen den FC Bayern II gesehen, als ein technisch nun einmal sichtbar besserer Gegner in Unterzahl das Spiel macht und Eintracht sich bei Keeper Marcel Engelhardt bedanken darf, dass es bei der Punkteteilung bleibt. Eintracht hat keine Übermannschaft, jeder Punkt muss hart erkämpft werden.

Antwerpen hat eine schwere Aufgabe. Dass sich der Trainer deshalb möglichst viel Ruhe von außen wünscht, um das Team auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten, ist nachvollziehbar. Allerdings, es ist nicht die Aufgabe unabhängiger Medien, dem Coach diese Ruhe zu verschaffen. Zumal die Frage nach Robin Becker kein Wühlen im Dreck war, sondern lediglich naheliegend. Und, dass die Braunschweiger Medienszene allzu beißwütig ist, kann man nun wirklich nicht behaupten – in Relation zum Stellenwert der Eintracht in der Region ist die Presse schon fast freundlich und vorsichtig.

Wenn Antwerpen keine kritischen Fragen bei einer Pressekonferenz beantworten möchte, muss er es machen wie einst Klaus Augenthaler in seiner legendären 42-Sekunden-PK beim VfL Wolfsburg: Fragen und Antworten im Monolog selbst geben.
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Dies ist ein Kommentar von Till Oliver Becker. Die Meinung des Autors entsprich nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.


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