Zum Tod von Eintracht-Urgestein „Papa Heinz“

1. August 2018 von
Ein Nachruf auf Heinz Seifert. Foto: Frank Vollmer
Braunschweig. Er gehörte zu den bekanntesten Gesichtern der Braunschweiger Fußballszene: Heinz Seifert, den Meisten nur als „Papa Heinz“ bekannt, war seit Jahrzehnten Betreuer von Eintracht Braunschweigs U23. Am Dienstag verstarb Seifert mit 87 Jahren. 

Lange Jahre gab es einen „Running Gag“ beim Mannschaftsshooting der U23 von Eintracht Braunschweig. Stets standen Mannschaft, Trainerteam und Fotografen in Position und waren bereit. Das Foto wurde trotzdem noch nicht geschossen, fehlte doch einer, ohne den es nicht die Hälfte wert war. Immer als Letzter hetzte Seifert dann aus den Katakomben des Eintracht-Stadions zu den Wartenden. Für Seifert war es ein eher lästiger Termin, der ihn von seinen eigentlichen Aufgaben als Betreuer abhielt. Für die Mannschaft war es ein Ritual, das einfach dazugehörte.

Allein das sagt viel aus über Seifert, der, im schlesischen Breslau geboren, erst in den Nachkriegsjahren nach Braunschweig gekommen war. Schon in diesen schwierigen Zeiten wurde er Mitglied bei Eintracht Braunschweig und das bereits zehn Jahre vor dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1967. „Die Meisterschaft habe ich als Ordner im Stadion erlebt“, erzählte er einst, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Auch beruflich war Seifert schwere Arbeit gewohnt, leistete als Maschinenschlosser über 40 Jahre lang seinen Dienst in den BMA-Werken.

Seifert trat selbst auch lange Jahre gegen den Ball. Es war die dritte Herrenmannschaft der Löwen, wo er im Mittelfeld auf fast jeder Position zum Einsatz kam. Sportlich war sein „ewiger Lieblingsspieler“ Danilo Popivoda. Bis in die Alte Herren blieb er dem Spiel treu. Diese Sportlichkeit erbte auch seine Familie: Tochter Gaby war erfolgreiche Hockeyspielerin bei Eintracht Braunschweig, wurde siebenmal Deutscher Meister und spielte auch in der Auswahlmannschaft. Seiferts früh verstorbene Ehefrau durfte dagegen speziell ehemaligen Spielern der zweiten Mannschaft noch in guter Erinnerung verblieben sein. Zu jedem Auswärtsspiel gab es aus dem Hause Seifert einen vereinsintern legendären Kuchen.

Jahrzehntelang Teil der Eintracht-Reserve. Foto: Frank Vollmer

„Immer da, bei jedem Spiel“

In seiner Anfangszeit als Betreuer vor etwa 40 Jahren – genauer konnte Seifert selbst das nicht mehr beziffern – spielte die Eintracht-Reserve noch gegen die ersten Mannschaften von FC St. Pauli und VfL Wolfsburg. Wie es dazu kam, dass er zum nimmermüden Betreuer und einem prägenden Gesicht der Eintracht-Familie wurde, konnte Heinz Seifert ebenfalls nicht mehr sagen. „Das hat sich halt damals so ergeben“, schmunzelte er, einmal darauf angesprochen. Mit der Entstehung seines Spitznamens verhielt es sich genauso.

„Er ist halt immer da, bei jedem Spiel, bei jedem Training – eine Mischung aus Vaterfigur und Zuhör-Großvater für die zumeist jungen Nachwuchsspieler. Stets loyal, stets aufrichtig. Es ist seine Ruhe und seine Ehrlichkeit, die ihn über Jahrzehnte zu einer der bekanntesten Personen der Braunschweiger Fußballszene gemacht haben und die dafür gesorgt haben, dass er auch im Verein so ziemlich jeden Skandal überlebte“, ordnete es U23-Stadionsprecher und FanRatSprecher Robin Koppelmann einst in einem Artikel über Seifert richtig ein.

Zu seinem 80. Geburtstag gratulierte Vereinspräsident Sebastian Ebel höchstpersönlich, die goldene Ehrennadel und weitere Verdienstnadeln besaß Seifert da ohnehin schon. Auch bei den Fans genoss „Papa Heinz“ einen hohen Stellenwert. Als die Eintracht-Reserve 2011 das Finale im traditionellen Flutlichtpokal gegen den HSC Leu 06 ausspielte, hielten die ein Banner in den Sommerhimmel am Braunschweiger Jahnplatz: „Für den Vater des Erfolges – Papa Heinz.“ Das Team gewann mit 2:0.

Seit einigen Jahren musste Seifert aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten. Es hielt ihn nicht davon ab, immer wieder im und um das Eintracht-Stadion gesehen und freundlich zurückgegrüßt zu werden. Am Dienstag schlief Heinz Seifert für immer ein. Er bleibt unvergessen.

Auch bei den Fans genoss Seifert einen hohen Stellenwert. Foto: Frank Vollmer

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